Donnerstag, 22. November 2007

Meinungspluralismus im Internet: Eine Gefahr für die Gesellschaft?

Wer sich mit dem Thema "Internet und Demokratie" beschäftigen will, kommt momentan an einem Buch nicht vorbei: Republic.com 2.0 von Cass Sunstein. Sunstein ist Jura-Professor an der University of Chicago und hat bereits mit dem Vorgänger dieses Buches, Republic.com, für einigen Aufruhr unter Internet-Enthusiasten gesorgt.

Seine Kernthese: Das Internet bietet erstmals in der Geschichte der Gesellschaft die Möglichkeit, dass die Bürger nur noch ausschließlich das lesen und hören, was sie selbst wollen. Online-Ausgaben von Tageszeitungen bieten Individualiserungsfunktionen, Suchmaschinen bieten den Nutzern die Möglichkeit, sich seine Informationen selbst zusammenzustellen.

Die Konsequenz dieser Tendenz zur "Daily Me" laut Sunstein: Nutzer begeben sich in "Echo-Kammern", wo sie nur ihre Meinung in tausendfacher Verstärkung wahrnehmen. Die Berührung mit Themen, die den Einzelnen vielleicht nicht interessieren, deren Bekanntheit aber von gesellschaftlicher Bedeutung ist, findet nicht mehr statt.

Dass sei das, behauptet Sunstein, was früher "Parks und Bürgersteige" sicherstellten, später die millionenfach geguckten Abendnachrichten. Was aber, wenn sich künftig jeder selbst bestimmen kann, mit welchen Nachrichten er konfrontiert wird? Das Problem daran wäre, dass das die Grundlage von Polarisierung und Extremisierung bildet.

Sunstein ist zwar Rechtswissenschaftler, bearbeitet mit diesem Thema aber ein Thema, das eigentlich Kommunikationswissenschaftler anziehen sollte. Tut es aber leider nicht. Das wäre aber hilfreich gewesen, denn teilweise könnte man das, was Sunstein auf 50 Seiten schreibt, auch auf 5 Seiten zusammenfassen, wenn man Kenntniss von den entsprechenden (sozialpsychologischen) Theorien hätte. Wie z.B. den Ursachen für selektive Mediennutzung.

Trotzdem trifft er einen entscheidenden Punkt: Wer nur mit seinesgleichen kommuniziert und nur immer wieder mit seinen eigenen Ansichten konfrontiert wird, wird in Bezug auf diese Meinung zu einer immer extremeren Position tendieren. Sunstein nennt das "Group Polarization". Die vorhandene Meinung wird somit immer weiter verstärkt. Das geht noch weiter: Konservative verlinken nur zu Konservativen, radikale Datenschützer nur zu radikalen Datenschützern, Umweltschützer nur zu Umweltschützern. So bleiben alle unter sich. Ist das aber schlimm für die Demokratie?

Ja, denn dadurch geht teilweise das verloren, was man in den USA "social glue" nennt. Also die Kenntniss und Teilnahme an identitätsstiftenden und verbindenden Ereignissen und Debatten. Diese hätten einen in der Vor-Internet-Zeit früher oder später in den Parks und Bürgersteigen, oder halt in den Abendnachrichten, mitgekriegt. Nun aber kann man das komplett vermeiden. Und darin liegt das Problem.

Ich würde nicht soweit gehen, zu behaupten, dass "democracy is the first casualty of political discourse in the digital age."" Nach wie vor gibt es, auch im Internet, Aggregatoren, die massenweise Menschen anziehen und eine weite Palette an Meinungen und Themen bieten. Nicht umsonst sind die Seiten der großen amerikanischen Tageszeitungen, wie New York Times (liberal) und Wall Street Journal (konservativ) auch im Internet einige der meistgenutzten Angebote.

Die Frage, die Sunstein angesichts der Gefahren für die Demokratie durch das Internet zu erkennen glaubt, ist: Sollte der Staat hier regulierend eingreifen? Im Fernsehen gibt es (in den USA nur marginalisiert, bei uns sehr bedeutend) den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, der, laut der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts, die Meinungsfreiheit sicherstellt. Sollte es auch im Internet so etwas wie "Must-Carry" Angebote geben, also Inhalte, die alle Seiten anbieten müssen, um den Kontakt der Nutzer mit diesen wichtigen Themen sicherzustellen? Das zumindest ist ein Vorschlag von Sunstein, den er allerdings gleich selbst wieder verwirft. Trotzdem bleibt die Gefahr, dass die Demokratie durch die Fragmentierung der Kommunikation zumindest bedroht werden könnte.

Wie realistisch ist diese Befürchtung? Birgt das Internet, nicht das Potenzial, dass sich dank der Weisheit der Massen immer das Richtige durchsetzt? Nein, sagen einige: Das Internet bietet damit nicht das Potenzial, dass sich Richtigkeit immer durchsetzt, sondern sich die Wahrheit durchsetzt, die am vehementesten vertreten wird. Jaron Lanier hat dafür den wunderbaren Begriff Digitaler Maoismus geprägt. Also doch nicht alles so positiv, was das Internet bietet?

Ist das Internet nun eine Gefahr oder wirklich eine ungemeine Unterstützung für die Demokratie(sierung)? Wahrscheinlich beides. Sunstein und Lanier zeigen auf sehr anschauliche Weise, wo die Gefahren liegen. Blogs aus Krisengebieten, Unterstützung für Dissidenten, eine Vereinfachung der politischen Partizipation und Willensbildung und noch vieles, vieles mehr sind dagegen die positiven Aspekte des Internets.

Regulierung macht daher weder Sinn, noch ist ist sie annäherungsweise durchführbar. Trotzdem könnte gerade Sunstein mit seinen Thesen vielen Leuten die Augen öffnen und Bewusstsein für die Probleme erzeugen, die mit der Verbreitung des Internets einhergehen. Vor allem, dass eine massenweise Verbreitung des Internets nicht zu einer Verbreierung von Meinungen, sondern zu einem isolierten parallelen Existieren von Partikularmeinungen führen kann, mit allen negativen Implikationen für Meinungs- und Redefreiheit, politische Aufgeklärtheit und Teilnahme, für den sozialen Zusammenhalt.

Dienstag, 20. November 2007

Targeting - bald auch bei StudiVZ

Der Traum eines jeden Werbungtreibenden ist es, alles über seine Rezipienten (also die, die seine Werbung sehen / hören / lesen / fühlen) zu wissen. Diesem Traum kommt die Werbeindustrie mit der Massenverbreitung und -nutzung von Social Networks ein gutes Stück näher. Dort geben die Nutzer freiwillig Auskunft über sich und ihre Hobbies, Interessen, Alter, Bildung, Herkunft, Sprachkenntnisse, etc.

Jetzt muss man nur noch diese Informationen gewinnbringend einsetzen. Und Targeting macht's möglich: Facebook kann seinen Werbekunden genau sagen, wieviele 23-jährige Wirtschaftsstudentinnen, die in Kalifornien leben, in einer Beziehung sind, gerne shoppen, Fans der Marken D&G und Diesel sind, die Werbung von Gap angeschaut haben. Anders herum gehts auch: Gap kann genau festlegen, dass seine Anzeigen nur auf den Seiten von den Nutzern auftauchen, die die oben genannten Kriterien erfüllen. Für solche Möglichkeiten sind Werber bereit, viel Geld zu bezahlen.

Auf diesen Zug möchte jetzt auch StudiVZ, die größte deutsche Web-2.0-Seite, aufspringen. Ab Januar 2008 will man seinen Werbekunden ebenfalls Targeting anbieten, sagt StudiVZ-Chef Marcus Riecke. Zitat aus der FAZ: ""Wir folgen dem Nutzer mit Werbung, basierend auf seinen Daten. Dann wird die Werbung um ein Vielfaches erfolgreicher werden", hofft Riecke."

Bei einem Vortrag an meiner Hochschule im Sommer diesen Jahres hat der Chef von Holtzbrinck Ventures, Martin Weber, noch angekündigt, dass StudiVZ niemals die Daten seiner Nutzer an Werbungtreibende weitergeben würde. Natürlich gibt StudiVZ nicht die Nutzerdaten direkt an die Werbekunden weiter. Aber wenn man sagt: "Wir folgen dem Nutzer mit Werbung, basierend auf seinen Daten." besteht da aus meiner Sicht kein großer Unterschied mehr.

Mich hat die Aussage von Weber sowieso sehr überrascht. Schließlich hat man für StudiVZ viel Geld bezahlt. Da wird man alles dafür tun, um dieses Geld schnell wieder reinzubekommen. Wenn man schon mit herkömmlicher Banner-Werbung auf StudiVZ einen "mittleren einstelligen Millionenbetrag" (aus demselben FAZ-Artikel) erlösen kann, sollten die Perspektiven für Targeting-Werbung noch viel besser aussehen. Dass sich viele Nutzer dagegen sperren, ihre Daten den Werbekunden offenzulegen, wie StudiVZ es anbietet, glaube ich nicht.

Donnerstag, 15. November 2007

Rettet Schleichwerbung das Fernsehen?

Das Fernsehen hat ein Problem mit dem digitalen Medienwandel: Ein Teil der Werbung wandert mehr und mehr ins Internet. Die Verbreitung von digitalen Videorekordern (zumindest außerhalb Deutschlands) sowie Video-on-demand machen ein Umgehen von herkömmlichen Werbeblocks immer einfacher. Das gefällt der Werbeindustrie verständlicherweise nicht.

Am 29. November wird die EU voraussichtlich endgültig die Einführung der neuen EU-Fernsehrichtlinie beschließen. Deren Kernbestandteil: Product Placement soll europaweit von den Mitgliedsländern innerhalb der nächsten zwei Jahre legalisiert werden. Die Idee hinter der Richtlinie, die mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit auf Druck der Medienindustrie entstand, ist, Werbung im Fernsehen unumgehbar zu machen. Das heißt: Wenn die Zuschauer die Werbeblöcke ignorieren, muss die Werbung eben andere Wege in die Köpfe finden. Und das ist in diesem Fall Product Placement. Diese Werbeform nennt man auch weniger schmeichelhaft Schleichwerbung und hat in Deutschland bekanntermaßen schon für den einen oder anderen Skandal gesorgt.

Denn Schleichwerbung ist in Deutschland, wie in vielen anderen EU-Mitgliedsländern auch, noch verboten. Der Zuschauer soll nicht Werbung ausgesetzt sein, ohne zu wissen, dass es sich um solche handelt. Wie die Zukunft der Fernsehunterhaltung auch hierzulande aussehen könnte, kann man im US-Fernsehen beobachten, wo es eine Restriktion gegen Schleichwerbung nie gab: Dort wurde dieses Jahr das erste Format getestet, dass sich komplett durch Product Placement finanziert und komplett ohne Werbepausen auskommt. In den USA nennt man das "Branded Entertainment".

Der Handlungsbedarf ist in den Staaten zwar größer, weil dort DVRs viel weiter verbreitet sind als in Europa. Trotzdem wird sich die Fernsehlandschaft wohl auch hier - mit ein paar Jahren Verzögerung - in diese Richtung verändern. Experten meinen, legalisiertes Product Placement würde der europäischen Fernsehindustrie helfen. Das ist sicher richtig. Ob das auch den Zuschauern gefällt, ist eine andere Frage.

Um das Überleben der TV-Industrie sicherzustellen, wird auf immer abstrusere Werbeformen zurückgegriffen. Die Zuschauer verlieren mit der EU-Richtlinie zwar nicht ihren Schutz vor Schleichwerbung, denn jedes Product Placement muss von den Sendern kenntlich gemacht werden. Ob sich damit dann noch ein störungsfreies Fernseherlebnis vereinbaren lässt, kann zumindest bezweifelt werden. Am Ende könnte Product Placement nicht die ersehnte Erlösung des Fernsehens vor schwindenden Werbeeinnahmen sein, sondern dessen Verfall noch beschleunigen.

Sollte Product Placement allerdings Werbeblöcke komplett ersetzen, könnte das alte Fernsehen doch wieder etwas attraktiver werden.

Mittwoch, 14. November 2007

Google wird zu Microsoft...

...zumindest auf dem Handy-Markt. Google verfolgt bei Handys eine ähnliche Strategie, wie sie Microsoft in den letzten zwei Jahrzehnten zum größten Software-Unternehmen der Welt gemacht hat, indem sie versuchen die dominante Plattform für Handy-Hersteller aufzulegen. Das ist dieselbe Herangehensweise, mit der Microsoft mit seinem Windows-Betriebssystem zum allesbeherrschenden Anbieter auf dem PC-Markt geworden ist.

Das Problem an der Sache: Der Markt für Handy-Betriebssysteme ist bereits abgesteckt und noch dazu sehr wettbewerbsintensiv. Mit Microsoft (über Windows Mobile), Symbian, Palm und Linux sind bereits vier Anbieter vorhanden. Allein Microsoft hat bereits in diesem Jahr mitseinem Betriebssystem bereits 20 Millionen Handys ausgestattet.

Daher ist ein wohl ein sehr guter Schachzug von Google, das ganze System gratis anzubieten. Jeder kann sich das SDK herunterladen und jeder kann darauf aufbauen - sowohl Handy-Großhersteller wie auch Netzbetreiber als auch und vor allem kleine Entwickler. Der Bekanntheitsgrad von Google, nicht zu vergessen die Sympathiepunkte, die man sich durch die Open-Source-Struktur sichert, sollten dazu beitragen, dass sich das System relativ schnell verbreitet.

T-Mobile hat bereits angekündigt, für den amerikanischen Markt zusammen mit Googles Android-Software enger bei der Entwicklung von Handys zusammenzuarbeiten. Auch für Handy-Hersteller ist das System interessant: Sie können sich in Zukunft die Lizenzgebühren für die Betriebssystem anderer Hersteller sparen - Android soll es ja, zumindest vorerst - gratis geben.

Auch für Netzbetreiber ist Android attraktiv: Das Betriebssystem ist explizit auf Internet-Nutzung ausgelegt. Das gefällt den Telekoms, denn gerade dort wird für die Zukunft das größte, noch unerschlossene Geschäftsfeld auf dem Handy-Markt erwartet. Das Kalkül: Wer die Google-Software und -Anwendungen anbietet, verführt seine Kunden zum Surfen - und führt Google gleichzeitig viele neue (mobile) Werbekunden zu.

Dass Android - also das Betriebssytem, das gerne auch Google Phone genannt wird - bereits jetzt sehr leistungsfähig ist, zeigt die Demo, die Google ins Netz gestellt hat:



Der Clou hinter der Sache: Sollte sich Android durchsetzen, erhält Google damit den ersehnten Zugang auf den Handy-Werbemarkt. Dieser soll Marktforschern zufolge von heute ca. 100 Millionen Dollar auf 5 Milliarden Dollar im Jahr 2012 wachsen. Eine Menge Geld, von der Google, mit seinem Anspruch, eine Plattform für alle Werbeformen zu sein, auf jeden Fall seinen Teil abhaben will. Und das wird mit Handys, die mit dem Google-Betriebssystem und -Anwendungen laufen, deutlich einfacher.

Womit die Parallele zu Microsoft und Windows aufgezeigt wäre: Wer die dominante Plattform liefert, kann auch diktieren, wer auf dieser Plattform Geld verdienen kann. Dabei ist Google nun nur viel offener als Microsoft. Während Microsoft seine Dienste durch die Endkunden finanzieren lässt (die müssen die Programme ja kaufen), will Google den Kunden alles gratis ermöglichen und die Finanzierung über Werbung abwickeln. Angesichts der riesigen, noch unerschlossenen Potenziale im Handy-Werbemarkt und der deutlich attraktiveren, weil kostenlosen, Herangehensweise scheint Google gute Chancen zu haben.

Autoren sollten gegen die Schauspieler protestieren



Einen der interessantesten Streiks der jüngsten Vergangenheit läuft momentan in den USA ab: Die Gewerkschaft der Drehbuachautoren (Writer's Guild of America) ist seit anfang November in den Arbeitskampf getreten. Ihre Forderungen: Erhöhung der Umsatzbeteiligung an denen von Ihnen erdachten Filmen und Serien von 0,3 auf 0,6 Prozent und eine Beteiligung an den DVD- und Internetrechten. Vor allem von der Verwertung ihrer Kreationen im Internet sahen sie bis jetzt keinen Cent.

Die Folgen des Streiks: Viele TV-Stationen müssen die Drehs ihrer Serien auf Eis legen, weil es an Nachschub für die Storylines fehlt: Ohne Drehbücher keine neuen Staffeln von Lost, Prison Break und Desperate Housewives. Auch die Comedy-Branche ist betroffen: David Letterman und Jay Leno müssen seit Anfang November ohne Gagschreiber auskommen. Die streiken nämlich auch mit. Die Autoren lassen ihre Abnehmer ziemlich effektiv spüren, wie wichtig sie im Kreativprozess sind. Und die amerikanische Gesellschaft merkt, wie sehr sie neue Unterhaltungsware braucht. Das wäre bei uns wohl auch nicht anders.

Die Sache ist nur: Eigentlich treffen die Streiks die Falschen. Wollten die Autoren wirklich gegen die Ungerechtigkeit in Hollywood beim Verteilen der Gelder protestieren, sollten sie lieber vor den Häusern von Tom Hanks oder Bruce Willis demonstrieren. Die haben sich nämlich in den letzten Jahrzehnten einen - gemessen an ihrem Anteil an der Arbeit, die in der Entstehung eines Films oder einer Serie steckt - riesigen Anteil an den Erlösen gesichert.

Nicht nur sind deren Gehälter in astronomische Dimensionen entrückt (Bruce Willis bekam für seinen letzten Film alleine 25 Mio. $), sondern die absoluten Mega-Stars können sich eine Beteiligung an den Umsätzen eines Films in ihre Verträge schreiben lassen. Wohlgemerkt an den Umsätzen, nicht an den Gewinnen. So kann ein Top-Star bei einem kommerziell erfolgreichen Film schonmal 70 Mio. $ einstreichen. Keanu Reeves hat angeblich auf diese Weise durch die Matrix-Filme eine dreistellige Millionensumme eingestrichen (er bekam 15 Prozent der Umsätze). Als Einzelperson wohlgemerkt.

Es ist zwar eller Ehren wert, wenn sich nun einige Hollywood-Stars mit den Autoren solidarisieren und zusammen mit ihnen auf die Straße gehen. Trotzdem erscheint dieses Verhalten angesichts der schreienden Ungerechtigkeit in Bezug auf die Verteilung der Gelder imn diesem Kreativgewerbe ziemlich zynisch. Die Schauspieler allerings haben einen Vorteil: Sie sind kein Unternehmen und können folglich nicht bestreikt werden. Große Produktionsfirmen dagegen schon.

Oliver Stone meint, dass der zunehmende Einfluss großer börsennotierter Konzerne auf die Film- und Fernsehstudios dazu führe, dass den Autoren kaum Zugeständnisse gemacht werden. Da zieht dann auch im Kreativgewerbe die Logik der Kapitalmärkte ein. Gerade als nicht fest Angestellte - und das sind die meisten Schreiber - haben diese eine schwache Verhandlungsposition. Das wurde von den Studios in der Vergangenheit brutal ausgenutzt.

Dienstag, 13. November 2007

Das Tor zum Internet: Google vs. Facebook

Eine interessante Meinung zur zukünftigen Entwicklung des Internets: Welche Art von Seiten kann sich in Zukunft als das "Tor zum Internet" entwickeln? Waren es früher die Provider nach Muster von AOL, die den Nutzern alles aus einer Hand gegen eine Monatsgebühr lieferten (das "Walled-Garden"-Prinzip), kamen danach die Portalseiten, so wie web.de. Die haben sich mittlerweile aber auch schon wieder überlebt.

Bis jetzt sind vor allem die Suchmaschinen und vor allem Google die Seiten, mit denen die meisten Nutzer das Surfen im Internet beginnen bzw. die sie sich als Startseite eingerichtet haben. Angesichts der unglaublichen Fülle von Seiten, die das Internet bietet, eine einleuchtende Entwicklung. Wieso sollte man sich heute noch zuerst über ein Portal ins Internet begeben, wenn man sich stattdessen seine Informationen gleich vom Start weg selber suchen kann.

Nun kommt die nächste Welle: Social Networks machen sich drauf und dran, die Suchmaschinen als Startseite zu verdrängen. Zum einen haben Sie den Vorteil, dass man auf Ihnen viel mehr Zeit verbringen kann als auf einer simplen Suchmaschinen-Seite. Das freut die Werbekunden, vor allem für Image- und Banner-Werbung ist das wichtig. Zum anderen machen sich die Social Networks, ähnlich wie früher die Portalseiten, zunehmend zur Plattform, die sich jeder selber mit seinen individualisierten Anwendungen - und eben auch einer Web-Suchfunktion - zur personalisierten Startseite machen kann. Wer sich schon die Mühe macht, ein präzises Profil von sich selbst im Internet anzulegen, wieso soll man dann nicht auch gleich diese Seite als Startseite einrichten?

Hier liegt eine Gefahr für die Suchmaschinen: Wenn immer mehr Verkehr über die Social Networks läuft, wie sollen die Suchmaschinen dann ihre astronomischen Wachstumszahlen beibehalten? Allein als Add-on-Funktion auf anderen Seiten geht das nicht, meint die FT. Wahrscheinlich einer der Hauptgründe, wieso sich Google so energisch in den Markt der Social-Network-Applications drängt.

Mit seiner OpenSocial Initiative lädt Google ähnlich wie Facebook alle Entwickler ein, Anwendungen für diese Seiten zu programmieren. Die Strategie dahinter: Google will das Feld nicht Facebook überlassen. Dort kann auch jeder eigene Applikationen entwerfen, aber eben nur für Facebook. Google will sich nun zu einem Art Meta-Social-Network-Dienstleister machen, der Dienste für alle Seiten bietet und somit über allem steht und sicherstellt, dass Google nicht den Anschluss an diese Entwicklungen verliert. Denn das würde vor allem bedeuten, dass Google ein sehr lukratives zukünftiges Werbefeld verloren geht. Zum anderen soll mit OpenSocial wohl sichergestellt werden, dass Google auch im Bereich Social Networking seinen Status als Meta-Seite bzw. Portal nicht verliert.

Mittwoch, 7. November 2007

Vermarkte dich selbst... mit Facebook

Eine interessante neue Idee, wie man mit Social Networks Geld verdienen kann: Facebook-Nutzer können ab sofort sich selbst als Werbeträger versuchen. Und das geht so: Wer sich ein Buch bei Amazon bestellt, kann das alle seine Freunde wissen lassen (warum auch immer man das tun sollte...). Diese bekommen dann automatisch eine Display-Anzeige von Amazon auf ihrer Seite nebst dem Hinweis, dass Freund XY soeben bei Amazon gekauft hat.

Man kann bei Facebook auch "Unternehmens-Fanruppen" beitreten. Wer seine Einstimmung dazu gibt, erscheint dann auf den Seiten seiner Freunde mit seinem Foto neben den Display-Werbungen von, zum Beispiel, Apple. Die Idee hinter der Sache: Werbung bzw. Produktempfehlungen haben eine viel bessere Wirkung, wenn Sie von einer als sehr vertraulichen Quelle erhalten werden. Und wem vertraut man mehr als den Empfehlungen seiner Freunde? Das meint auch Mark Zuckerberg: “Nothing influences a person more than a recommendation from a trusted friend".

Facebook verbindet damit gleich zwei Eigenschaften, die Werbung im Internet (und besonders in Social Networks) attraktiv machen: Individualisierte bzw. auf jeden Nutzer zugeschnittene Werbung plus persönliche Empfehlungen. Die Werbe-Dollar scheinen schon zu winken.

Lustigerweise winken Sie aber nur für das Unternehmen Facebook. Die Nutzer sehen für ihre Werbedienste keinen Cent. Das ist schon erstaunlich. Für mich ist das ein Zeichen, wie sehr sich (junge) Menschen mittlerweile schon mit Marken und Unternehmen identifizieren.

Hatte Facebook bis jetzt arge Probleme, ordentliche Umsätze vorzuweisen (bei 49 Millionen Mitgliedern gerade einmal geschätzte 100 Millionen Dollar). Trotzdem wurde das Unternehmen ja von Microsoft erst kürzlich mit sage und schreibe 15 Milliarden Dollar bewertet. Damit Facebook dieser Bewertung halbwegs gerecht wird, müssen schnellstens Umsatzbringer her.

Dabei sollte diese neue Werbeform Facebook jetzt einen kräftigen Schub geben. Stellt sich nur noch die Frage, inwieweit diese Werbeform (die man anscheinend nicht blockieren kann, in Zeiten von Ad BLock und Co sehr, sehr wichtig) bei den Nutzern akzeptiert wird. Dazu meint Mark Zuckerberg: "When asked about people who might not like ads, Mr. Zuckerberg shrugged and said, “I mean, it’s an ad-supported business.”" Sprich: Wer sowieso schon an Werbung und Targeting gewöhnt ist, den juckt so eine neue Werbeform auch nicht mehr viel.


Samstag, 13. Oktober 2007

Die Zukunft des (mobilen) Internets: Nokia vs. Google

Eine der interessantesten Auswirkungen des Internets auf die (Medien-)Wirtschaft ist Konvergenz. Telekoms, klassische Medienkonzerne, Internet-Unternehmen, Mobilfunker, alle kommen sie aus unterschiedlichen Richtungen, und alle tummeln sie sich zusehends auf den gleichen Märkten (zumindest im Internet) und entwickeln dabei völlig neue Konkurrenz- und Kooperationsmodelle.

Das klassische Beispiel hierfür sind wohl Google und Microsoft. Kerngeschäft von Google: Internet-Suche und dazu passende Werbung. Kerngeschäft von Microsoft: Software für PCs. Das Internet macht es möglich, dass diese beiden Unternehmen trotzdem zu Erzrivalen werden, obwohl sie eigentlich auf zwei völlig unterschiedlichen Märkten agieren. Microsoft steigt in das (hochlukrative) Geschäft mit der Vermarktung von Suchmaschinen-Werbung (und der dazugehörigen Suchmaschine) ein, Google greift Microsoft im Gegenzug bei Office-Software an (Docs, Spreadsheets, Präsentationen als SaaS-Angebot).

Anderes Beispiel: IPTV macht's möglich, dass die Telekom selber ins Inhalte-Geschäft einsteigt (etwa mit der Übertragung der Bundesliga via Internet) und somit zum Konkurrenten von klassischen Fernsehsendern wird. Das war vor zehn Jahren noch undenkbar, ist aber toll. Denn: Konkurrenz belebt das Geschäft. Als Nutzer kann man sich darüber nur freuen.

Und dann ein aktuelles - und meiner Meinung nach das bedeutendste - Beispiel: Google gegen Nokia. Mittlerweile wird in der Werbewirtschaft unisono behauptet, das nächste große Ding heißt Mobile Advertising: Da kann man dem Nutzer nicht nur Werbung gemäß seinem Profil aufs Display spielen, sondern zusätzlich auch noch gemäß seinem Aufentahltsort. Die Tatsache, dass Mobile Advertising so enorme Wachstums- und Umsatzpotentiale vorhergesagt werden, führt dazu, dass sich auf diesem Markt wiederum grundverschiedene Unternehmen einnisten, die, wie bei obigen Beispielen auch, aus völlig gegensätzlichen Richtungen kommen: Das Werbeunternehmen und der Handy-Hersteller.

Beide haben Know-How im Umgang mit Handy-Software. Nokia ist Marktführer (über Symbian) bei Handy-Betriebssystemen, Google betreibt mit großem Aufwand seinen Einstieg auf diesem Gebiet (bei den Plänen für ein angebliches Google-Phone handelt es sich offensichtlich nicht um ein Gerät, sondern um ein Betriebssystem). Beide wollen unabhängiger von ihrem Kerngeschäft werden, dass sie jeweils dominieren: Google ist weltweiter Marktführer bei Suchmaschinen, Nokia ist Weltmarktführer bei Handys.

Dass Google, nachdem es bereits circa 60 Prozent aller weltweiten Suchanfragen verarbeitet, seine Wachstumsmöglichkeiten auf diesem Gebiet langsam ausgereizt sieht, steht außer Frage (auch wenn der Gesamtmarkt nach wie vor rasant weiter wächst). Logische Konsequenz: Der Eintritt in das noch fast unerschlossene Gebiet Mobile Advertising.

Bei Nokia fügt sich der Schritt in die neue Gesamtstrategie des Konzerns: Weg vom reinen Hardware-Hersteller, hin zum Software-Dienstleister und Internet-Unternehmen. Dazu passt auch das angekündigte Nokia-Social-Network und ein eigener Internet-Shop für Handy-Spiele und Mp3, als Konkurrenz zu Apples iStore. Ebenso wie die größte Übernahme der Firmengeschichte, der Kauf des Karten-Anbieters Navteq für 8,1 Mrd. $ (der auch Material für Google Maps und Earth liefert).

Logische Konsequenz des Ganzen: Google und Nokia stehen sich auf dem Mobilen Werbemarkt als Konkurrenten gegenüber. Dass Nokia ernsthaft den Einstieg in dieses Geschäft betreibt, steht angesichts der jüngsten Übernahmen wohl außer Frage. Ich finde, dass wird in Zukunft eine der spannendsten Geschichten sein - sowohl im Hinblick auf die Entwicklung des (mobilen) Internets als auch im Hinblick auf die zunehmende Konvergenz im Mediensektor.

Montag, 1. Oktober 2007

Die Zukunft des Fernsehens ist da...

...in Form von Joost. Gab es bisher nur als Beta-Test, ist aber ab heute frei für jeden zugänglich. Also auch für mich. Verglichen mit anderen IPTV-Programmen, wie z.B. Zattoo, Sopcast oder TVU steht schon nach ein paar Minuten fest: Joost ist die Nummer 1. Mit Abstand. Und zwar aus mehreren Gründen:

  • Riesige Programmauswahl. Während man bei Zattoo (zumindest in Deutschland) aus nur gerade einmal 21 Programmen wählen kann (Neben Comedy Central, MTV, DSF und Giga z.B. Tier TV, oder sumo.tv, aber immerhin: Al Jazeera English), ist das Angebot bei Joost zunächst fast unüberschaubar groß. Es werden auch überwiegend keine "herkömmlichen" Sender angeboten, deren Angebot einfach 1:1 per Stream eingestellt wird, sondern alles ist on demand abrufbar. Joost steht daher eher nicht in Konkurrenz zu den Standard-P2p-TV-Anbietern, sondern eher zu Videoportalen wie YouTube, MyVideo und Co. Und die Auswahl ist groß, sehr groß:


Über das Menu links kommt man zu einer Auswahl der Channels nach Genre sortiert, im großen Menu in der Mitte kann man aus den unzähligen Angeboten eines entsprechenden Genres auswählen.
  • Benutzerführung und "User Experience": Der allergrößte Pluspunkt von Joost. Wunderbar einfache Menüs, übersichtliche Benutzerführung und eine Menge Möglichkeiten, sich sein eigenen Channels zusammenzustellen. Also ganz wie bei Youtube. Nur viel schöner. Schaut man sich z.B. gerade eine Sendung an, genügt eine Bewegung mit der Maus, und an den vier Bildschirmkanten öffnen sich Shortcuts zu den einzigen Menus, die man braucht:


Oben gelangt man zum Menu des Channels (hier ein Kurzfilm-Kanal), rechts zu seinen individualisierten Programmen, links in die Channel-Auswahl, unten ist das Bedienungspanel des aktuellen Clips.

  • Joost läuft stabil und schnell. Muss man sich bei Zattoo und Co sehr häufig mit Aussetzern von Bild und Ton abgeben, läuft das bei Joost um Längen besser. Außerdem sehr kurze Buffer-Zeiten.
  • Eine Bild- und Tonqualität, die im Bereich IPTV ihresgleichen sucht, und teilweise nahe an herkömmliche Fernsehbilder heranreicht. Wer seine Augen und Ohren bisher mit den kleinen Videofenstern der anderen P2p-TV-Anbietern malträtiert hat oder an die Youtube-Fensterchen gewohnt ist, wird von Joost teilweise angenehm überrascht. Vor allem bei schnellen Bildwechseln hat Joost Probleme, ansonsten sieht das aber schon ganz nett aus:


Es ist wohl nur eine Frage der Zeit und der Massen-Verbreitung von VDSL, bis IPTV auch bei der Bildqualität mit HD-TV gleichzieht.

Man merkt, dass hinter Joost fähige Menschen stehen. Die Tatsache, dass man sich so lange Zeit mit dem Beta-Test gelassen hat, stellt sich als richtig heraus: Das Programm läuft fehlerfrei, und die schieren Mengen an Programmen, die man neuen Nutzern vom offiziellen Start weg anbieten kann, sollten ausreichen, um sich schnell eine große Zuschauerschar zu sichern.

Die Strategie, die man bei Joost dabei verfolgt, ist meiner Meinung im Zeitalter digitaler Medien die bis jetzt erfolgversprechendste, was das Verbreiten von AV-Inhalten angeht: Keine Konzentration auf ein paar (sauteure) Killer-Inhalte, sondern eine sehr breite Masse von Angeboten. So wird garantiert, dass für jeden Geschmack irgend etwas dabei ist.

Die Möglichkeit, sich à la YouTube, seine eigenen Favoriten-Channels selbst zusammenzustellen, sorgt dafür, dass man seine liebsten Inhalte bzw. Channels immer sofort zur Hand hat. Individualisierung und die Möglichkeit, mit anderen Nutzern zu chatten, sind ein bedeutender Schritt in Richtung interaktives Fernsehen. Nicht interaktiv im Sinne von 9Live, sondern interaktiv im Sinne von Social Networking meets TV.

Joost trifft den zukünftigen Trend des Fernsehen am ehesten: Im Zuge der Digitalisierung des Fernsehens differenzieren sich die Angebote immer weiter aus. Früher gab's 3 Programme, in einem Jahrzehnt 3.000. Und auf Joost findet man sie alle und kann sich daraus sein eigenes Programm zusammenbasteln. Außerdem setzt Joost konsequent auf On-Demand Technik. Es wird nicht einfach ein existierendes TV-Programm gestreamt. Der Nutzer entscheidet, wann, wie oft er welche Programme guckt.

Die Fernsehstationen werden so zu reinen Inhalt-Lieferanten, aber einen Programmmacher braucht man bald wirklich nicht mehr. Man will eine Folge der Chappelle's Show gucken, nachdem man gerade aufgestanden ist? Wieso bis abends warten, wenn man sie sich via Joost sofort anschauen kann. Das ist einer der Hauptgründe, weshalb Joost vor allem viele Junge Zuschauer anziehen wird. Und um die geht es schließlich.

Denn mit Joost soll ja auch Geld verdient werden. Und dafür scheint das Programm perfekt gerüstet: Es ist attraktiv für junge Nutzer und es bietet die Chance für gezielte Werbung. Je mehr Angaben man im Profil über seine Person macht, desto genauer kann Werbung für jeden Nutzer individuell geschaltet werden.

Zusammen mit den Nutzungsprofilen können die Werbungtreibenden auf Joost ihre Zielgruppen sehr genau ansprechen. Und mit so einem System lässt sich viel Geld verdienen. Siehe Google. Die Werbung ist zudem (noch) nicht sehr aufdringlich: Schaut man sich ein Programm an, erscheint ab und zu in der Ecke ein kleines Banner (hier ist es das kleine Grafik-Feld unten rechts, übrigens eine Opel-Werbung):


Da kann man draufklicken und sich die Werbung anschauen, oder es ignorieren, so dass es nach ein paar Sekunden wieder verschwindet. Bleibt nur die Frage, ob sich mit dieser Form von Werbung allein genug Umsatz erzielen lassen wird. Angenehm auf jeden Fall: Das Programm wird nicht durch Werbeblöcke unterbrochen. Der Nutzer wird stattdessen mehr oder weniger eingeladen, sich die Werbung anzuschauen. Werbe-Fachleute nennen so etwas Pull-Modell. Das ist für den Nutzer deutlich angenehmer als die Push-Werbung, wie man sie aus den Werbeblöcken der Privatsender kennt. Vor allem bei älteren Archiv-Inhalten (z.B. Spielfilmen) gibt es aber noch althergebrachte Werbeunterbrechungen. Das sollte meiner Meinung nach schnelltsmöglich abgeschafft werden.

Ich denke, Joost wird ein Erfolg. Denn dahinter steht bekanntlich der Mann, der schon zwei andere Industrien auf den Kopf gestellt hat: Niklas Zennström. Bekannt geworden durch KaZaA, reich geworden durch Skype, versucht er jetzt nach der Musik- und der Telekommunikationsindustrie auch die Fernsehwirtschaft aufzumischen. Ich meine: Von allen Wettbewerbern hat er mit Joost die besten Voraussetzung, die Zukunft des Fernsehens maßgeblich zu bestimmen. Vielleicht sind dessen angestammte Vertreter deshalb schon vor ein paar Monaten vorsichtshalber bei Joost eingestiegen.

Montag, 24. September 2007

Targeting beim Telefonieren

Dass ich als Internetnutzer damit rechnen muss, dass Anbieter meine Nutzungsdaten auswerten, um mir passgenaue Werbung anzuzeigen, ist nicht neu. Dass es jetzt ein Unternehmen gibt, das dieses Modell auch auf Internet-Telefonie übertragen will, schon. Pudding Media heißt dieses Startup, über das die NYT heute berichtet:

"Pudding Media is eavesdropping on phone calls in order to display ads on the screen that are related to the conversation. Voice recognition software monitors the calls, selects ads based on what it hears and pushes the ads to the subscriber’s computer screen while he or she is still talking.

A conversation about movies, for example, will elicit movie reviews and ads for new films that the caller will see during the conversation. Pudding Media is working on a way to e-mail the ads and other content to the person on the other end of the call, or to show it on that person’s cellphone screen."

Die Werbung wird dann während des Telefonierens im Browser angezeigt. Und das sieht dann etwa so aus:



"Mr. Maislos (der Gründer) said he thought that young people, the group his company is focusing on with the call service, are less concerned with maintaining privacy than older people are."

Ein Schelm, wer Böses denkt. Mit anderen Worten: Wenn es der jungen Generation ohnehin Schnuppe ist, ob ihnen jemand dabei zuhört, wie sie sich z.B. über den letzten Arztbesuch unterhalten, kann man daraus ja gleich noch ein Geschäftsmodell machen und dank dieser Sorglosigkeit ganz viel Geld mit der Offenheit junger Menschen verdienen. Was Google bei E-Mails macht, das will Pudding auch mit VoIP schaffen. Denn, O-Ton Gründer Maislos:

"“The trade-off of getting personalized content versus privacy is a concept that is accepted in the world,” he said."

Das mag vielleicht schon für Suchanfragen gelten. Aber ob sich wirklich Menschen finden, die für einen Gratis-Telefondienst einen derart tiefen Einblick in ihre Privatspäre zulassen? Ich glaube schon. Zum einen, weil vielen Menschen ihre Privatspäre (im Tausch gegen Gratis-Dienste) wirklich zunehmend unwichtiger wird (wer sein ganzes Leben ohnehin schon bei MySpace und CO. ausbreitet, schreckt auch vor so einem Telefondienst nicht mehr zurück).

Und zum anderen, weil ein ähnliches Startup aus dem Silicon Valley bereits sehr positive Erfahrungen mit einer ähnlichen Schnüffel-Geschäftsidee gemacht hat:

"Integrated Media, also known as IMMI, (...) recruits teenagers as well as adults up to age 54 to carry a special cellphone at all times for two years. (In exchange, it pays all their cellphone costs.) The phone captures 10 seconds of audio from its surroundings every 30 seconds. Those samples are compressed into small digital files, called fingerprints, and uploaded to the company’s servers in California. There, the files are compared with samples of the media being measured, using a technology called acoustic matching.

Thus, IMMI can measure the number of participants who have heard an advertisement not only on television and radio, but also on digital video recorders, game players, cellphones, DVDs and CDs. The technology also works at films, concerts or sporting events.
"

Werbeerfolgsmessung mal ganz anders: Freiwillige Testpersonen tragen ein Handy mit sich herum, das den Werbungtreibenden verrät, welche Filme und Fernsehsendungen sie gucken. Nach so einer Technologie lecken sich natürlich sämtliche Medienfirmen die Finger. Einzige Frage: Machen da Leute wirklich freiwillig mit? Allerdings, und wie:

"IMMI has signed up 3,000 participants in urban and suburban centers, and hopes to recruit an additional 2,000 in more scattered regions. But it will require more to compete with Nielsen’s endlessly replenished volunteer army."

Schon 3.000 Freiwillige, die einer Firma preis geben, wann und wo sie sind und was sie da so machen.

Freitag, 21. September 2007

Googles Probleme mit dem eigenen Anspruch

Dass Google Probleme hat, sein eigenes Motto "Don't be evil" glaubhaft zu vertreten, ist bekannt. Die FT hat dazu einen sehr interessanten Artikel veröffentlicht. Unter anderem mit einer erstaunlichen Wendung von Google gegenüber DoubleClick:

"Just two years ago, the Financial Times has established, Google abandoned a potential acquisition of DoubleClick. At the time there were concerns that a fundamental part of the way the online advertising company does business – using “cookies” to collect banks of data on users so it can target adverts to them – conflicted with the much-touted ethical principles of Google’s founders, though that is not understood to have been one of the main reasons the deal fell through.

By proceeding with a deal in the spring, Google showed how it has struggled to apply its cherished business principles in practice, including its well-known internal motto: “Don’t be evil.”"

Interessant: Vor zwei Jahren war Google die Cookie-Praxis von DoubleClick noch zu "böse". Cookies einsetzen, um Werbe-Targeting zu verbessern? Nicht mit Google. Doch wenn eine Firma so rasant wächst wie Google und auf zig Märkte - horizontal wie vertikal - vordringt, geht im Laufe der Zeit wohl auch das eine oder andere Mal eine Aktion vonstatten, die schon nicht mehr ganz so un-evil ist.

Da empfiehlt dann auch der Wirtschaftsprofessor aus Harvard:

"“When you’re a grown-up company,” says David Yoffie, a professor at Harvard Business School, “ ‘Don’t be evil’ is too simplistic. You have to evolve it and develop it.”"

Mit anderen Worten: Ist man erstmal so groß wie Google, sollte man ein Motto mit einem derartigen Absolutheitsanspruch wohl lieber über Bord werfen. Ansonsten läuft man Gefahr, sich selbst ein klein wenig unglaubwürdig zu machen.

Und die FT liefert noch weitere Beispiele, dass Google sich schon längst mich mehr an das eigene Motto hält:

"Google’s decision early last year to launch a censored search engine in China became an early lightning rod, since its stance appeared so clearly at odds with its self-declared mission – to make “the world’s information universally accessible and useful”."

Und:

"A small number of cases that have thrown a harsh light on the practices of some members of its salesforce appear to justify that early caution. Earlier this year, two Google salesmen antagonised some of the biggest media companies by actively recommending the search engine’s advertising system for use by websites that make money by distributing pirated content.

More recently, an over-zealous advertising rep wrote on a Google blog that advertising on the search engine could be a useful vehicle for interest groups seeking to counter criticism of the US healthcare system made by filmmaker Michael Moore.
"

Trotz alledem: "Don't be evil" ist ein klasse Motto, weil es bei jedem wegen seiner Eingängigkeit hängen bleibt. Und ein großen Teil zu der Andersartigkeit von Googles Image beiträgt. Es wäre wirklich schön, wenn Google sich ab und zu an seine Anfänge erinnern würde. Und, angesichts des eigenen enormen finanziellen Erfolgs eventuell zugunsten des guten Images auf die ein oder andere fragwürdige Transaktion verzichten würde. Das wäre mal ein wirklicher PR-Coup.

Wie das Internet die Demokratie gefährden kann

Das Internet kann viel für die Demokratie tun. Es kann auch helfen, Meinungsfreiheit in Gesellschaften herzustellen, die unter repressiven Regimen leiden. Nicht umsonst hat Iran eine der hächsten Blogger / Einwohner-Verhältnisse.

Das Internet kann der Demokratie aber auch gefährlich werden. Zum Teil, weil dort Extremisten ihre Propaganda vmunter erbreiten und damit ein zunehmend großes Publikum erreichen. Das gilt für Neonazis wie für Islamisten. Auch dass immer mehr Regierungs-, Sicherheits- und Militärfunktionen über Rechner und mithin auch das Internet gesteuert werden, setzt eine funktionierende Demokratie zunehmenden Risiken aus - siehe "Trojaner im Kanzleramt" und Hackerangriffe aus Russland.

Aber da gibt es noch etwas. Sollten sich erstmal sämtliche analogen Medien weitest gehend verabschiedet haben - das wird aller Voraussicht nach schon in ein paar Jahrzehnten der Fall sein - laufen sämtliche Nachrichtenströme ausschließlich über das Internet. Professionelle Journalisten stehen im Wettbewerb mit Amatuer-Journalisten, die ihr Angebot nur ein paar Klicks entfernt anpreisen. Die Gefahr an dem ganzen: Es gibt keine Plattformen mehr, auf der Debatten ausgetragen werden, die die ganze Gesellschaft betreffen, von denen jeder etwas mitkriegt und die einen großen Teil des "kollektiven Gedächtnisses" einer Gesellschaft ausmachen.

Historikerdebatten sind hierfür ein gutes Beispiel. Debatten bspw. über die deutsche Vergangenheitsbewältigung sind wichtig - ich meine lebenswichtig - für das Zusammenleben, die Modernisierung und die "Standortbestimmung" einer Gesellschaft. Überregionale Zeitungen und Zeitschriften und der ÖR Rundfunk stellen momentan sicher, dass über kurz oder lang nahezu jeder Bürger mit diesen Themen in Berührung kommt und sich optimalerweise eine Meinung darüber bildet.

Zumindest am öffentlich rechtlichen Rundfunk werden wir uns nach dem "Rundfunkurteil" letzter Woche noch auf absehbare Zeit erfreuen können. Der federführende Richter des Urteils, Medienrechtler Wolfgang Hoffmann-Riehm, wurde für die Rückwärtsgewandtheit seines Urtiles gescholten, ich meine: zu Unrecht. Vor allem der Satz, der öffentlich rechtliche Rundfunk wäre die einzige Garantie für das Fortbestehen der Meinungsfreiheit und -bildung in Deutschland, wurde von vielen Kommentatoren ins Lächerliche gezogen. Ich denke, da steckt - angesichts den Entwicklungen in der Medienwirtschaft und -nutzung - mehr Wahrheit drin, als man zunächst denken mag. Und zwar aus den von mir oben ausgeführten Gründen.

Dasselbe Thema macht auch in den USA die Runde. Vor allem das Internet bewirke, dass sich Gesellschaften immer mehr in Teilpublika auflösten, eine gemeinsame Öffentlichkeit sei immer schwerer herzustellen. In der Kommunikationswissenschaft fällt das unter das Thema "Digital Divide. Der Economist hat in seiner aktuellen Ausgabe eine Buchbesprechung mit einem führenden Theoretiker zu diesem Thema. Zitat:

"One worrier is Cass Sunstein, a law professor at the University of Chicago. In “Republic.com 2.0” he points to the danger of niches becoming “echo chambers” in which only the views of like-minded people are heard, thanks to the internet making it easy for people to filter information into a personalised selection, “the Daily Me”. A healthy democracy, he argues, depends on exposure to diverse or unexpected opinions. If Americans wall themselves off from topics and opinions they prefer to avoid, narrowing their horizons, their democracy will suffer."

Zwar eine amerikanische Perspektive (ich denke, Deutschland ist dank des ÖR Rundfunks noch ein bisschen besser abgesichert), aber trotzdem trifft das meine Meinung ziemlich genau auf den Punkt. Bleibt nur die Frage: Wie geht man mit diesen Herausforderungen um?

Mittwoch, 19. September 2007

Google versteigert jetzt auch Plakate...

...und macht dafür sogar Werbung im Real Life. Das ist neu. Sonst lässt seine Google seine Produkte / Dienste eher für sich selbst sprechen. Marketing wird höchstens bei Geeks / Early Adopters betrieben. Das sieht dann so aus:


Und das Bild wurde nicht in irgend einer hippen Innenstadt aufgenommen (was nicht unschwer zu erkennen ist) , sondern im Hinterland von New York State.

Dienstag, 18. September 2007

Fox startet personalisierte Werbung auf MySpace

Social Networking Sites sind der Renner im Internet. Das ist bekannt. Weniger bekannt (und das gilt vermutlich sogar für einige der Betreiber) ist, wie mit diesen Seiten Gewinne erwirtschaftet werden sollen. Dass das über Werbung geschehen soll, liegt auf der Hand. Allerdings, um die enormen Datenmengen, die hochfrequentierte Seiten wie Facebook oder MySpace erzeugen zu amortisieren, müsste dafür schon sehr viel Werbung her. Oder eine ganz neue Form von Werbung.

Das hat man sich wohl auch bei Fox, dem Besitzer von MySpace, gedacht. Die Lösung: Demnächst wird auf MySpace auf jeden Nutzer zugeschnittene Werbung geschaltet. Das ist keine neue Technologie, Medien und Werbungtreibende träumen praktisch seit Erfindung des Internets, mithilfe der Daten, die jeder Nutzer im Internet hinterlässt, individuell zugeschnittene Werbungen zu platzieren. Die Idee, die dahinter steht, ist einleuchtend: Je eher die Werbung den Interessen des Nutzers entspricht, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass er die Werbung als interessant empfindet. Das Wort "Streuverlust" sollte demnach bald der Vergangenheit angehören.

Das Problem war lange Zeit nur, dass es auch in Zeiten von digitalen Medien nach wie vor schwer ist, wirklich präzise auf den einzelnen Nutzer abgestimmte Werbung machen zu können. Nun gibt es aber die massenweise genutzten Social Networking Sites. Und mit denen ist man der individuellen Werbung einen großen Schritt näher gekommen - theoretisch. Zitat New York Times:

"The social networking companies see those pages as a lush target for advertisers — if only they could customize the ads. Although Internet companies have talked about specifically aiming their ads since the inception of the Web, so far advertising on social networks has been characterized by mass-marketed pitches for mortgages and online dating sites."

Wenn die Nutzer schon freiwillig Angaben über ihre Sexual-, Musik- oder Essensvorlieben machen, müssten sich diese Daten eigentlich auch gewinnbringend nutzen lassen (wieder die NYT):

"“We are blessed with a phenomenal amount of information (Hervorhebung durch den Verfasser) about the likes, dislikes and life’s passions of our users,” said Peter Levinsohn, president of Fox Interactive Media. (...) To the consternation of privacy advocates, who say Internet users are unaware of such activity, the social networks regard these detail-stocked profile pages as a kind of “digital gold,” as one Fox executive put it last year."

Das sind klare Worte. Nutzerinformationen sind ein "Segen", Profilseiten sind "digitales Gold". Jetzt muss dieses Gold nur noch veredelt werden. Denn: Wenn man schon exklusiv über so eine schiere Menge von (freiwillig gemachten!) Informationen einer - für die Werbung - Traumzielgruppe (14-34 Jahre, trendy, konsumorientiert, usw.) verfügt, ist das die potentielle Goldgrube. Denn so ließen sich die "Customized Ads" realisieren, mit angeblich beeindruckenden Erfolgen (nochmal NYT):

"Clicks on tailored Auto ads more than doubled and and clicks on music ads jumped by 70 percent"

Wer solche Ergebnisse dank individualisierter Werbung erreicht, kann konsequenterweise auch einen ordentlichen Aufschlag von seinen Werbekunden verlangen. Und wie das Targeting in der Praxis ablaufen soll, erklärt die NYT auch ganz anschaulich:

"A member might be obvious by describing himself as a financial information enthusiast, for example. But more than likely the clues are more subtle. He might qualify for that category by listing Donald Trump as a hero, Fortune magazine as a favorite publication or “Wall Street” as a favorite movie."

Das ist die erste Stufe. Quasi Targeting light. Aber die Fox-Pläne gehen noch weiter:

"For the last two months, Fox Interactive has also experimented with the second phase of its targeting program, called “hyper targeting,” in which it further divides the 10 enthusiast categories into hundreds of subcategories. For example, sports fans are divided into subgroups like basketball, college football and skiing, while film enthusiasts are further classified by their interest in genres like comedies, dramas and independent films, and even particular actors and actresses."

Und was soll man davon halten? Dass auf lange Sicht die großen Medienhäusern mithilfe ihrer Social Networks und deren Daten versuchen, Geld zu verdienen, war abzusehen. Mal schauen, wann man Ähnliches in Deutschland bei StudiVZ zu sehen bekommt. Holtzbrinck weist ja jegliche Versuche von Targeting weit von sich. Mal sehen, wie lange das sp noch Bestand hat.

Freitag, 14. September 2007

iPhone wichtiger als Irak-Krieg? Nein, danke

Für mich ein Beweis, dass man das Nachrichtengeschäft auf absehbare Zeit nicht den Nutzern anvertrauen sollte: Eine Studie eines amerikanischen Journalismus-Forschungsnetzwerks hat herausgefunden, dass sich die Agenda von professionellen Nachrichtenseiten und von den Nutzern selbst zusammengestellten Nachrichtenseiten (z.B. digg) signifikant unterscheiden.

Ist das ein Grund zur Sorge? Ich meine: ja. Es wird ja viel darüber diskutiert, dass man bald überhaupt keine professionellen Journalisten als Gatekeeper mehr bräuchte, das würde die "Weisheit der Massen" alles ganz alleine erledigen. Thema Bürgerjournalismus und so.

Das Problem ist nur: Ich möchte nicht in einer Gesellschaft leben, in der iPhone-News mehr Platz bekommen als die Berichterstattung über den Irak-Krieg. Das ist eins der Ergebnisse beim Vergleich zwischen der Nachrichtenagenda der Nutzerseiten und der professionellen Seiten. Solange sich häuptsächlich nur Technik-Nerds oder solche oder solche Leute im Internet als Hobby-Journalisten betätigen, würde ich persönlich einiges dafür tun, die etablierten Nachrichtenproduzenten mit wirklich fähigen Journalisten zu behalten. Auch als Gatekeeper und Agenda-Setter.

Alles, nur bloß keine Leute, für die Datenschutz und die neueste Linux-Version wichtiger ist als Arbeitslosigkeit und Afghanistan-Einsatz.

Mittwoch, 12. September 2007

Montag, 3. September 2007

Google und das Handy

Und nochmal Google: Dass die Kalifornier angeblich dabei sind, ein Handy zu entwickeln, hat sich ja schon längst herumgesprochen. Interessant finde ich die These, dass das Gerät wohl nicht als Konkurrenz zu Apples iPhone gedacht sein soll, sondern eher eine Art 100-Dollar-Laptop im Handy-Format werden soll. Vermarktet werden soll es wohl vor allem in Emerging Economies (gibt es dafür eigentlich eine passende deutsche Entsprechung?), unter anderem auch in Indien.

Das überraschende ist dabei, dass Google bis jetzt ein reines Dienstleistungsunternehmen ist und der Suchmaschinenriese null Erfahrung auf dem Gebiet der Hardwareentwicklung hat. Aber Erfahrung kann man sich ja (in Form von Personal) kaufen. Oder Outsourcen.

Dass Google sich für das Geschäft mit Handys - im weitesten Sinne - interessiert, ist klar, seitdem bekannt wurde, dass das Unternehmen für neue Mobilfunklizenzen in den USA mitbietet. Noch ein spannendes Feld: Wird Google unter die Netzbetreiber gehen? Wenn ja, wie soll das finanziert werden?

Das ist die spannendste Frage bei dem ganzen Tohuwabohu um Googles Handy-Ambitionen: Vermutlich versucht Google, ein komplett entgeltfreies Mobilfunknetz aufzubauen, eventuell sogar mit dem dazu passenden (sehr günstigen) Handy. Da Google ein Werbeunternehmen ist und sich bekanntermaßen auf allen wichtigen Kanälen, über die Werbung gesendet werden kann, etabliert, ist der Schritt in den Handymarkt nur die nächste Konsequenz.

Insbesondere, wenn man bedenkt, dass "Mobile Marketing" oder "Location based Advertising" das nächste große Ding in der Werbewirtschaft sein soll. Da muss Google natürlich präsent sein. Man stelle sich nur vor, was für Ansprachemöglichkeiten für die Werbungtreibenden sich auftun, wenn sie jeden Nutzer individuell und ortsabhängig ansprechen könnten. Da winken viele Dollarscheine für Google.

Wenn die Googler davon überzeugt sind, dass sie ihre AdSense-Technik und ihr Know-how im Umgang mit Nutzerdaten und -statistiken nutzen können, stehen die Chancen wohl nicht schlecht, dass die Suchmaschinenfirma tatsächlich ein komplett (für den Nutzer) kostenfreies Mobilfunknetz auf die Beine stellt, dass sich ausschließlich über Werbung finanziert. Selbst der Preis des "G-Phone" konnte auf diese Art durch Werbung subventioniert werden.

Allerdings: Kann ein Unternehmen mit ca. 13.000 Mitarbeitern wirklich aus dem Stand ein den eigenen Qualitätsansprüchen genügendes Handy und ein komplettes, landesweites Mobilfunknetz auf die Beine stellen?

Sonntag, 2. September 2007

Wer hat Angst vor Google?

Ich bin ja unheimlich fasziniert von dem Unternehmen Google. Ich finde es beeindruckend, wie innerhalb von nicht einmal einem Jahrzehnt aus einem Startup ein internationales Unternehmen geworden ist, das an der Börse mehr wert ist, als GM, Ford, DaimlerChrysler und VW zusammen. Beeindruckend auch, wie Google innerhalb von nur wenigen Jahren zum beliebtesten Arbeitgeber bei amerikanischen Studenten geworden ist. Und nicht weniger beeindruckend, wie unaufhaltsam der Aufstieg von Google in nahezu allen Bereichen, in denen die Firma tätig ist, anhält. Von Quartal zu Quartal wird ein Umsatz-, Gewinn- und Nutzerzahlenrekord nach dem anderen aufgestellt und gleich im nächsten Quartal schon wieder übertroffen. Wie gesagt, beeindruckend.

Erstaunlich ist dabei auch, dass es Google gelungen ist, trotz dieses rasanten Wachstums und trotz der dominanten Stellung, die man auf dem Suchmaschinenmarkt hat, in der öffentlichen Wahrnehmung als sehr positiv dazustehen (allerdings mit Ausnahmen bei den Leuten, die sich etwas mehr als andere für Datenschutz interessieren - denen war und ist Google schon immer nicht ganz geheuer). Einen Teil dazu beigetragen hat mit Sicherheit Googles selbst ausgerufenes Firmenmotto: "Do no evil". Ein PR-Kenner würde sagen: Ein kluger, weil einprägsamer und - gegenüber etablierten Branchenvertretern (Microsoft & Co) deutlich alleinstellender Slogan.

Dass Google den Menschen im Alltag - ganz besonders den Studenten und Menschen in wissensintensiven Berufen - das Finden von Informationen enorm erleichtert hat, hat sicherlich auch einen großen Teil dazu beigetragen, dass ein Großteil der westlichen Bevölkerung Google mit großen Sympathien entgegenkommt. Welches andere Unternehmen kann sich schon rühmen, dass man mit seinem Namen im Duden steht ("googeln")?

Etwas zynischer klingt meiner Meinung dagegen schon der Ausspruch von Google-CEO Eric Schmidt, wenn er sagt, dass es nicht Googles primäres Ziel sei, Geld zu verdienen. Man wolle vor allem alle Informationen der Welt zugänglich machen. Das klingt zwar ganz nett und nach altruistischem Gutmenschentum, hat aber mit der Realität wohl nicht ganz so viel zu tun (zumindest in dieser Rangfolge der Unternehmensziele). Und man muss schon recht blauäugig sein, um ein solches Statement für bare Münze zu halten.

Trotzdem zeigt das ständige Wiederholen dieses von Google selbst ausgegenebenem obersten Unternehmsziel (die Informationen der Welt zugänglich zu machen) deutliche Wirkung. Bei so ziemlich jeder Präsentation eines neuen Google-Produkts schreien zunächst die auf, die sich in ihrer Existenz bedroht fühlen (Zeitungsverlage bei Google News, Buchverlage bei der Book Search). Die breite Öffentlichkeit, wie auch nach und nach ein Großteil der Medien, scheint aber doch Sympathien für das mit den neuen Produkten verbundene Unternehmensziel zu haben. So zumindest erkläre ich mir den geringen Widerstand, der sämtlichen Google-Produkten entgegengebracht wird. Der Erfahrungs- und Nutzenwert überwiegt dann doch alle Bedenken.

Bis jetzt kennt Google nur rasantes Wachstum. Viele Beobachter meinen aber, dass der Suchmaschinenbetreiber in naher Zukunft seine erste Krise überstehen muss, bzw. sich mit einem deutlich verlangsamten Wachstum abgeben muss. Diese Woche kündigte der Google-CFO George Reyes zum Ende des Jahres seinen Rücktritt an. Er ist 53 Jahre alt, arbeitet seit 2002 bei Google und hat in dieser Zeit einen dreistelligen Millionenbetrag verdient. Da kann man sich dann auch mal zur Ruhe setzen. Scheidet man aber mit Anfang 50 freiwillig aus einer Top-Position bei so einem Unternehmen einfach so aus? Oder ist das das erste Anzeichen für heraufziehenden Ärger im Silicon Valley?

In einer großartigen Titelgeschichte beschreibt der Economist in seiner aktuellen Ausgabe, wo es überall hakt bei Google. Und, wenn man mal die "Do no evil"-Brille beiseite legt, erkennt man: Auch ein vermeintlich unverwundbares Unternehmen zeigt sich anfällig für Probleme. So berichten in dem Artikel mehrere Ex-Googler (Xoogler genannt), dass sich viele der tollen Mitarbeiterprivilegien als zwiespältig entpuppen: Gratismassagen-, essen und -sporteinrichtungen sind toll, allerdings wird dafür auch fast unbegrenzter (zeitlicher) Einsatz für die Firma verlangt. Von der viel gelobten 20-Prozent-Regel (Angestellte sollen 20 Prozent ihrer Arbeitszeit ausschließlich für die Dinge verwenden, die ihnen Spaß machen), heißt es, sie käme eher einer "120-Prozent-Regel" gleich. Anerkennung für Arbeitsleistung sei sehr ungleich verteilt: Software-Ingeneure sind die Götter, die Menschen, die den ganzen Laden finanzieren, müssten angeblich mit deutlich weniger Gegenliebe klarkommen. So würden viele von Googles hochtalentierten Mitarbeitern das Unternehmen sobald verlassen, wie die Aktienoptionen fällig werden (in der Regel nach drei Jahren), um beim nächsten, noch hipperen Start-up anzuheuern.

Neben diesen eher HR-bezogenen Problemen tun sich für Google aber noch weitere Baustellen auf: Die eingangs beschriebene Saubermann-Fassade beginnt, erste Risse zu bekommen. Nach mittlerweile über drei Jahren an der Börse (in dieser Zeit ist der Google-Aktienkurs von 85 auf momentan 515 $ gestiegen) ist deutlich geworden, dass Google, wie auch jedes andere Unternehmen, zumindest teilweise von den Erwartungen der Börse und den allmächtigen Analysten getrieben ist, jedes Quartal neue Wachstumspotentiale aufzuzeigen. Da wird dann schon mal im einen oder anderen Fall der höheren Proftabilität zuliebe das eine oder andere Auge zugedrückt, wenn man sich zwischen "do no evil" und Gewinn entscheiden muss.

Das China-Dilemma, vor dem viele westliche Internetkonzerne stehen, macht auch vor Google nicht halt: Kooperation mit den örtlichen Behörden und somit Mitarbeit an einem Überwachungssystem für den Zutritt auf einen gigantischen Wachstumsmarkt (schon jetzt leben in China nach den USA die meisten Internetnutzer), oder lieber ganz darauf verzichten? Geht das noch, wenn Analysten bei letzterem sofort Alarm schlagen würden? Durch die Aufteilung der Aktien in Class A- und Class B-Shares (letztere haben ein 10-mal höheres Stimmrecht und gehören mehrheitlich den beiden Gründern) ist zwar gesichert, dass keine fundamentale Entscheidung gegen die Gründer getätigt werden kann, trotzdem ergibt man sich mit einem Börsengang immer ein Stück weit den Gesetzmäßigkeiten des Kapitalmarkts.

Dazu kommen noch viele weitere Problemfelder: Mittlerweile gilt Google nicht mehr nur ein paar Datenschützern als Dorn im Auge, auch immer größere Teile der Öffentlichkeit rümpfen die Nase über Googles dominante Stellung, vor allem auf dem Markt für Suchmaschinen. Die Parallele liegt nahe: Wird Google für Suchmaschinen das, was Microsoft für Betriebssysteme ist?

Und dann gibt es ja noch diese Sache mit der Zukunftsvision, in der Google alles beherrscht, was irgendwie mit Informationsverarbeitung zu tun hat. Davon sind wir - glücklicherweise - noch weit entfernt, aber es ist unverkennbar, dass Google dabei ist, sich auf sämtlichen Werbemärkten aufzustellen, von Paid Search über das AdSense-Programm über Videowerbung in Youtube-Filmchen, Banner- und Popup-Werbung (durch die DoubleClick-Übernahme), Werbung in Computerspielen, Werbung in Newsfeeds und Emails, bis hin zur Vermarktung von Offline Medien, wie Radio, TV und Zeitungen: Google ist überall aktiv. Und gewinnt überall an Marktanteilen.

Stellt sich nur die Frage, ob sich das die Öffentlichkeit, die Medien (sowohl politisch als auch finanziell: Ein Riesen-Google wäre ein sehr schwieriger Verhandlsungspartner, allein wegen der schieren Größe) und die Wettbewerbshüter auf Dauer gefallen lassen werden - bei dem DoubleClick-Kauf haben ja schon viele Alarm geschrien, auch wenn ironischerweise gerade Microsoft (mit MSN einer von Googles zwei Hauptkonkurrenten) dabei der lauteste Beschwerdeführer war.

Dazu hat sich Google, neben den bestehenden Problemen durch Google News und die Büchersuche, mit der Youtube-Übernahmen noch einiges an zukünftigen Rechtsstreitigkeiten aufgeladen. Ich denke, es ist unbestritten, dass Youtube einen großen Teil seines Erfolgs der Tatsache verdankt, dass man dort dutzende Ausschnitte seiner Lieblings-Fernsehsendungen angucken konnte - ohne dass diese von Youtube dafür Geld bekommen hätten. Youtube hat sich also auf dem Rücken der Inhalteproduzenten nach oben gebracht. Dafür wird nun wohl Google das eine oder andere mal zahlen. Immerhin macht man sich jetzt auch in Deutschland Gedanken darüber, wie man gegen Nazi-Videos auf Youtube "nachhaltig" vorgehen kann.

Ich denke, dass Google auch in Zukunft noch viel Platz für Wachstum ausfindig macht und auch nutzt. Allein die durch die zunehmende Konvergenz der Medien zu erwartenden Vorteile, die sich einem so komplett integrierten (sprich: in allen Medien vertretenen) Werbekonzern wie Google auftun, wird sich wahrscheinlich als hoch effektiv herausstellen. Gepaart mit Googles imensem Wissen über das Anlegen, Warten und Nutzbarmachen von Nutzerstatistiken wird sich dieser Effekt noch verstärken: In Zukunft kann Werbung in den digitalen Medien nahezu für jeden Nutzer individuell geschaltet werden, und ein Know-how über Nutzerstatistiken, wie es Google besitzt, ist dann Gold wert.

Nichtsdestotrotz wird Google mit detutlich mehr Problemen zu kämpfen haben, als der Suchmascheinen-Gigant das bisher je gewohnt war. Der Aktienkurs kann schlichtweg kaum noch so signifikant wie in letzter Zeit steigen. Und wenn erst mal die Geldmaschine anfängt zu quietschen, wird sich auch in der amerikanischen Öffentlichkeit die Einstellung zu Google ändern. Privacy-Bedenken mobilisieren nur eine kleine Minderheit - insbesondere im Zeitalter des Web 2.0, wo die Leute eh vieles von sich ganz freiwillig preisgeben. In der Shareholder-Value-interessierten amerikanischen Öffentlichkeit kann eine jahrelange Seitwärtsbewegung einer ehemaligen Lieblingsaktie dagegen schon ganz was anderes bewirken.


Freitag, 31. August 2007

In zehn Jahren ist die Zeitung tot...

...und nicht Google. Der Chef eines der größten deutschen Zeitungsverlage, Christian DuMont Schütte, beschwert sich in der FAS über Google, die würden so rapide wachsen, und das auf Kosten der traditionellen Verlage. Die Sache mit Google News haben die meisten Traditionalisten offensichtlich immer noch nicht verwunden.

Das Ding ist aber: Wer sich derart gegen neue Entwicklungen stemmt, ist am Ende meistens derjenige, der in die Röhre guckt. Dazu gibt es eine schöne Analogie aus der Tierwelt, die man in den USA gerne als Parabel zur renitenten Zeitungsindustrie erzählt: Wirft man einen Frosch in kochend heißes Wasser, springt er sofort heraus und rettet sein Leben. Setzt man ihn dagegen in einen Topf mit kaltem Wasser und erhitzt dieses ganz langsam, bleibt er im Topf sitzen und stirbt.

Die Moral von der Geschichte: Viele Zeitungshäuser verhalten sich wie der Frosch im zunächst kalten Wasser. Man hat sich an seine so schön angenehme Umgebung gewohnt, verpasst dann aber irgendwann den Punkt, an dem es angebracht wäre, sich zu ändern. Besser, man ergibt sich der Realität und versucht, sich dieser so gut wie möglich anzupassen. Dazu muss man dann auch mal seine Wut auf Google runterschlucken und nach Kooperationen eingehen, wo es nur geht. Dann überlebt man auch ohne Probleme im digitalen Zeitalter. Ansonsten sind Leute wie DuMont in zehn Jahren raus aus dem Geschäft.

Mittwoch, 22. August 2007

Das iPhone wird zur Cash-Cow

So weit kann der Hype eine Firma tragen: Apple hat Exklusivverträge für die Vermarktung des iPhones in Deutschland (Telekom), UK (O2) und Frankreich (Orange) abgeschlossen. Der Hammer dabei: Dafür, dass die entsprechenden Telekoms das iPhone ein halbes Jahr lang exklusv vertreiben dürfen, müssen sie Apple zehn Prozent aller mit dem Gerät erzielten Umsätze abgeben. Unglaublich. An so eine Idee würden Nokia, Motorola und Co vermutlich nicht mal im Traum denken.

Apple kann sich das erlauben, weil die Nachfrage nach dem iPhone - dem Mega-Hype sei dank - so astronomisch hoch ist. Also dachte man sich wahrscheinlich: Wieso nur einmal für das Gerät abkassieren, wenn man gleichzeitig auch noch monatliche Zahlungen per Gerät rausschlagen kann?

Es wird auf jeden Fall interessant sein, zu sehen, wie die Telekoms mit ihrer Preisgestaltung darauf reagieren: Werden iPhone-Verträge teurer als ihre vergleichbaren Pendants? Oder darf man als Europa-Kunde gleich beim Kauf einen saftigen Aufschlag zahlen? So oder so: Apple darf sich schonmal die Hände reiben.

Google + Youtube + Nutzerprofile = Viel Geld

Wieso hat eigentlich Google 1,65 Mrd. $ für Youtube bezahlt? Seit November 2006 grübelten die neuen Besitzer scheinbar, wie sich mit einer Videoseite für User-generated-content Geld verdienenen lässt. Viel Geld, halt im Google-Stil. Scheinbar war das schwerer als gedacht, jedenfalls verwundert es schon, dass das Vorzeige-Internet-Unternehmen so lange dafür brauchte, ein vernünftiges Geschäftsmodell für Youtube aufzustellen.

Jetzt ist es raus: Ab heute gibt es in vielen Videos Werbung, (das hatte "Miss Google" Marissa Mayer ja schon im Februar angekündigt). Die Herangehensweise finde ich dabei recht interessant: Es gibt kein Preroll, wie man das von so vielen anderen Websites mit Videoangeboten gewohnt ist, sondern während das Video abläuft, öffnet sich im unteren Fünftel des Bilds (ähnlich des Crawls bei den Nachtrichtensendern) ein Hinweis auf eine Werbung. Der Werbeclip füllt erst den ganzen Bildschirm, wenn der User auf den Hinweis klickt. Danach kann er sich die Werbung anschauen, aber auch jederzeit bei Klick wieder zum ursprünglichen Video zurückkehren.

Problematisch ist dabei dann nur noch, dass sichergestellt werden muss, dass Werbung nur in Clips kommt, neben denen sich die werbungtriebenden Unternehmen auch präsentieren wollen. Also nicht neben verwackelten Amateuraufnahmen, in denen ein Teenie erzählt, was denn seine Katze gestern wieder angestellt. Oder neben Material, das ohne Copyright-Erlaubnis bei Youtube eingestellt wurde.

Interessant wird zu beobachten sein, wie Google mit der Werbung auf Zielgruppen eingeht. Channels und Userprofile gibt es ja bei Youtube schon, da kann man die Werbung wunderbar genau, nahezu individuell für jeden Benutzer zugeschnitten, schalten.

Donnerstag, 19. Juli 2007

Vom Journalisten zum Content-Manager

Heuschrecken gibt's nicht nur bei Sat.1, die gibt's auch bei Zeitungen. In Berlin z.B. hat sich David Montgomery den Berliner Verlag (Berliner Zeitung und Berliner Kurier) gekauft. Und vor kurzem auch die Netzeitung. Da wurde diese Woche vom neuen Management unter Robert Graubner auch eine Restrukturierung angekündigt:

"Vorgestellt wurden die entscheidenden Maßnahmen denn auch nicht von Matthias Ehlert und Michael Angele, den amtierenden Chefredakteuren der „Netzeitung“, sondern eben vom neuen Management. Von Robert Graubner wird kolportiert, dass für ihn Online-Journalisten nicht mehr und nicht weniger seien als „Content-Manager“, „News-Aggregatoren“, „Google-Optimiser“ und „Channel-Manager“." (Quelle: FAZ vom 17.07.)

Das wirft meiner Meinung nach eine Menge Licht darauf, wie von Finanzinvestoren eingesetzte Verlagsmanager Journalisten sehen. Oft selbst ohne jegliche journalistische Erfahrung, dafür aber mit ganz viel Erfahrung auf dem Gebiet der Effizienzsteigerung, schreiben sie den eigentlichen Inhaltsproduzenten vor, was ihnen passt und wovon sie die größtmögliche Rendite erwarten. Im Falle der Netzeitung heißt das: Weniger Personal, weniger Eigenproduktionen, weniger Niveau, dafür mehr Geld für die Eigentümer. Kapitalismus kann so einfach sein.

Wer schonmal selbst bei einer Zeitung gearbeitet hat, weiß, wie sehr es weh tut, wenn man von jemandem, der von Journalismus Null Ahnung hat, neue Rollenzuweisungen (s.o.) erhält, die dem einen oder anderen durchaus berechtigt in der eigenen beruflichen Ehre verletzen. Aber was soll man da tun? Sich dem ganzen Beugen und als "News-Aggregator" weiterbuckeln, damit sich die Herren Eigentümer über ihre schön steigende Rendite freuen können? Oder den Rücken gerade halten und kündigen, nur um sich dann am Existenzminimum als Freier durchzuschlagen? Das Leben eines Online-Journalisten jedenfalls ist sicherlich kein einfaches.

Mittwoch, 18. Juli 2007

22 Prozent sind noch nicht genug

Nochmal zu Sat.1 und den Heuschrecken. Ich habe gelesen, dass KKR und Permira von ProSieben-Sat.1 eine Rendite von 30 Prozent verlangt. 30 Prozent. D R E I ß I G Prozent. Das ist mit "brutal" schon fast gar nicht mehr zu beschreiben. Merke: ProSiebenSat.1 steht schon bei 22 Prozent, was bereits an sich ein fantastischer Wert ist und in jeder anderen Branche für Freudentränen sorgen würde. Zum Vergleich: Einzelhandelsketten wie Metro oder Wal-Mart operieren im einstelligen Rendite-Bereich.

Man erinnert sich vielleicht noch daran, als Joe "Haifischlächeln" Ackermann von seiner Bank im Jahr 2005 eine Eigenkapitalrendite von 25 Prozent verlangte. Sein Unternehmen hatte da zwar schon Rekordgewinne gemacht, das reichte Herrn Ackermann aber nicht. Also mussten noch ein paar Tausend Angestellte gehen. Trotz Rekordgewinnen. Nun erleben wir sowas Ähnliches wieder bei ProSieben-Sat1. Das heftige ist hierbei nur, dass sie in der Saban-Zeit schon auf äußerste Profitabilität getrimmt wurden (daher auch die Umsatzrendite von 22 Prozent). Dass nun ein neuer Finanzinvestor kommt und davon ausgeht, dass er den Wert auf diese brutalen 30 Prozent treiben kann, erklärt einem auch das Vorgehen gegenüber den Nachrichtenredaktionen. Alles, was nicht hochprofitabel arbeitet und seinen Teil zu den Renditeforderungen liefert, fliegt raus. Denn Nachrichten macht man vor allem fürs Image, nicht fürs Geschäft. Das ist den Heuschrecken aber egal. Da werden die Nachrichten eben durch "Barbara Salesch"-Wiederholungen ersetzt. Gucken wahrscheinlich genau so viele, kostet aber weniger.

Was lernt man aus dieser Geschichte?
1. Man sollte Heuschrecken niemals trauen, wenn sie versprechen, keine Jobs abzubauen.
2. Medien werden für Finanzinvestoren immer attraktiver, da sie viel Renditesteigerungs-Potenzial besitzen (sprich: Kosten sparen, Angestellte entlassen)
3. Wir können froh sein, dass wir die öffentlich-rechtlichen haben.
4. Vielleicht hat die SPD sogar recht, wenn sie fordert, dass Meiden als "Schlüsselindustrie" vor Komplettübernehmen durch Finanzinvestoren geschützt werden sollten.

Sonntag, 15. Juli 2007

Unwohltat

In den USA nähert sich die Verteilung des Wohlstands wieder Verhältnissen wie zu Anfang des letzten Jahrzehnts: Die Zahl der Milliardäre wächst, es liegt immer mehr Reichtum in immer weniger Händen.

Und der langjährige Citibank-Chef Sanford Weill erklärt in der NYT, wie ähnlich er seine Kollegen gegenüber den Moguln von damals einschätzt: “We didn’t rely on somebody else to build what we built, and we shouldn’t rely on somebody else to provide all the services our society needs.”

Ergo: Man braucht keinen Staat, Dienstleistungen wie Krankenhäuser, Autobahnen, Bildung, Verkehr kann man auch privat organisieren. Und zwar mit der Hilfe ein paar ganz finanzkräftier Sponsoren. Die bauen auch gerne Opernhäuser und Museen, um ihren Namen auf ewig mit einer schönen Sache verbunden zu wissen.

Das Problem ist nur: Wenn der Staat sich immer weiter zurückzieht, und die Superreichen meinen, dass sie seine Aufgaben erfüllen können, ist das wirklich gut für die Gesellschaft? Wer schon einmal in einem privat geführten Krankenhaus war oder in England mal Zug gefahren ist (da ist die Bahngesellschaft komplett privatisiert) wird sich da nicht mehr so sicher sein.

"Today’s titans often see themselves as pillars of a new age of prosperity, one in which their successes and philanthropy have made government less important." schreibt die New York Times. Aber ist das wirklich gut? Wer stellt sicher, dass diese "Titanen" nicht bloß Ziele verfolgen, die primär ihren eigenen Interessen dienen? Wenn sie Aufgaben übernehmen, die früher dem Staat zufielen, wer kontrolliert sie dann? Wer stellt sicher, dass niemand benachteiligt wird? Wo sind da die Checks und Balances für öffentliche Projekte? So schön Philantropismus auch sein kann, ich fürchte mich vor einer Gesellschaft, in der solche Menschen mit ihren vermeintlichen zu viel Einfluss haben.

Samstag, 14. Juli 2007

Heuschrecken + Medien = Ganz schlecht

Eigentlich können einem die Mitarbeiter von Prosieben-Sat1-Kabel1-N24-9Live nur leid tun. Zuerst wurden Sie von einem amerikanischen Finanzinvestor übernommen. Der hat sein Geld ursprünglich mit den Power Rangers gemacht. Von jemandem, der mit sowas Geld verdient, kann man eigentlich nicht eine große Qualitätsoffensive bei Deutschlands zweitgrößtem privaten Fernsehunternehmen erwarten. Stimmt: Was Saban und Co bei Prosieben geschafft haben, war:
1. Viele Angestellte entlassen
2. Das Niveau des Programms senken
3. Nachrichten auf ein absolutes Minimum herunterfahren
4. Billige Programme einkaufen (Reality-TV ohne Ende)

Und die Maßnahmen haben so toll funktioniert, dass Herr Saban und seine Freunde den Laden nach nur ein paar Jahren mit fünffachem Gewinn verkaufen konnten. Und zwar an eine neue Gruppe von Finanzinvestoren (KKR + Permira).

Und was fällt denen so ein, wie man aus ProsiebenSat1 noch Geld machen kann? Erstmal McKinsey fragen. Hätte man aber auch ohne McKinsey drauf kommen können:
1. Nachrichten fast komplett abschaffen
2. Beim Nachrichtensender N24 ordentlich kürzen (obwohl der schon kaum eigene Inhalte anbietet)
3. Mitarbeiter entlassen (bei Sat1 jeden Vierten)

Wahnsinnig kreativ, und bringt bestimmt ganz viel Geld. Den Finanzinvestoren. Besonders Punkt 3 ist interessant: Nach der Übernahme durch KKR und Permira haben die nämlich behauptet, man werde kein Personal entlassen. Soviel zum Thema Glaubwürdigkeit von Heuschrecken.

Zum Glück gibt es in Deutschland noch den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Ich würde nämlic echt schwarz sehen, wenn sämtliche deutsche Medien von Leuten beherrscht würden, die aus ihrem Besitz nur möglichst viel Geld herauspressen wollen, ohne Rücksicht auf Anspruch, Verantwortung oder Inhalte.

Montag, 25. Juni 2007

Was das Internet leisten kann

In Frankreich liegen fast alle großen Privatmedien in den Händen von ein paar Milliardären, die zufällig auch noch alle gute Freunde von Nicolas Sarkozy sind. Den Zeitungs- und Zeitschriftenverlagen in Frankreich geht es noch viel schlechter als den deutschen, und so wurden sie anfällig für Übernahmen. Also leisteten sich die Herren Bouygues, Bolloré und Lagardère einige der renommiertesten Verlage mehr oder weniger als Spielzeuge zu. So eine hochangesehene Zeitung macht sich schließlich gut im Portfolio. (Das gleiche kann man ja auch beim Tribune-Verlag in den USA beobachten).

Das Problem in Frankreich ist aber: Wenn der neue Präsident mit den Besitzern der größten Zeitungen per du ist, ist es nicht mehr weit, dass er ihm unliebsame Berichte verhindern kann. Ein kurzer Anruf genügt, und die Presse zieht zum Beispiel einen Bericht darüber zurück, dass Sarkozys Frau nicht zur Wahl gegangen ist. So einfach ist das. Innere Pressefreiheit? Wer braucht das schon.

Vor zehn Jahren hätte kaum jemand davon etwas mitbekommen. Heute gibt es zum Glück das Massenmedium Internet, indem sich engagierte Journalisten mit ihren Projekten (noch) nicht irgendwelchen Eigentümern beugen müssen. In Frankreich, hab ich jetzt gelesen, hat sich vor allem diese Seite einen Ruf gemacht, all das zu publizieren, was die etablierten Zeitungen nicht bringen (weil es auf Missbilligung der Mächtigen stoßen würde).

Wenn man solche Beispiele sieht, kann man über die Bedeutung des Internets für eine freie und gut informierte Gesellschaft gar nicht genug schwärmen.

Montag, 11. Juni 2007

A Scrapple from the apple

Ich hab jetzt Safari. Und ich komme mir gleich so unglaublich avantgardistisch und early-adopter-mäßig vor.

Woran liegt das nur, dass Apple von seinen Kunden so geliebt wird? Selbst die verblendedsten Kapitalismusgegner lieben doch alle ihren Apple iPod und ihr MacBook, sie betreiben also selbst den von ihnen sonst so verdammten Waren- und Markenfetischismus. Apple hat es (meiner Meinung nach einfach nur dadurch, dass sie sich als Gegenmodell zu Microsoft darstellen) geschafft, irgendwie nicht als profitorientiertes Unternehmen wahrgenommen zu werden. Und das finden auch die hier ganz toll.

Sonntag, 10. Juni 2007

Micro Persuasion

Das Internet verändert alles. Viele haben dadurch Vorteile. Der Zugriff auf Informationen ist so unglaublich einfach und unglaublich demokratisch geworden. Aber für viele Unternehmen stellt das Internet auch eine Gefahr dar, wie das Beispiel Zeitungen klarmacht: Das Internet stellt ihre komplette weitere Existenz infrage. Für viele Branchen ist das besonders bedauerlich, weil sie nicht ein bloßes Geschäft darstellen wie, sagen wir mal, ein Klopapierhersteller. Demokratische Gesellschaften brauchen guten Journalismus. Guter Journalismus entsteht, wenn Menschen dafür bezahlt werden, dass sie guten Journalismus machen. Wenn Informationen aber im Internet gratis zu haben sind, macht es irgendwann keinen Sinn mehr, Menschen dafür zu bezahlen, dass sie Informationen liefern. Guter Journalismus stirbt, und die demokratische Gesellschaft evtl. gleich mit.

Anders sieht das zum Beispiel beim Thema PR aus. Wäre es nicht toll, wenn Unternehmen nicht mehr darüber bestimmen, was über sie geschrieben wird, weil sich die Kommunikation im Internet halt so unglaublich viel schlechter lenken lässt als in den langsamen Printmedien? Ich meine: Nein. Wenn man das Ganze aus Unternehmenssicht anguckt: Wer schützt die da noch gegen Tonnen von unfairen Attacken und Falschinformationen. Führt evtl. sogar eine komplett entfesselte "Watchdog"-Mentaltität zu einer Art von "Wirtschaftsverdrossenheit"?

Meiner Meinung nach haben wir es nämlich beim Thema Politikverdrossenheit auch viel mit Verdruss gegenüber der Wirtschaft zu tun. Und das liegt (auch) an sehr verworrener Kommunikation und Wahrnehmung von Informationen durch die Medien (und das Internet). Wie aber sollte z.B. die PR mit den ganzen neuen, digitalen, konvergenten und sowieso ganz tollen Medien umgehen? Ich finde in dieser Hinsicht diesen Blog vor allem aus diesem Grund so interessant.

Montag, 28. Mai 2007

G8 ohne Macht

Momentan dreht sich ja alles um den G8-Gipfel. So sehr ich auch mit Globalisierungskritikern sympathisiere, halte ich den G8-ipfel an sich für komplett harm- und folgenlos. Attac scheint ja suggerieren zu wollen, dass da das gesamte Schicksal der Welt verschachert wird. Aber mal im Ernst: Die auf den letzten G8-Gipfeln getroffenen Entscheidungen hatten - wenn überhaupt - höchstens symbolischen Charakter. Wirklich weltbewegende Entscheidungen wurden und werden da nie gefällt. Geschickte Politiker nutzen die Gipfel höchstens als Bühne für populistische Entscheidungen (Live Aid ist so ein wirkungsloser, nur auf Öffentlichkeit ausgelegter Schwachsinn).

Wenn ich PR-Berater wäre, würde ich einem Regierungschef empfehlen, die G8-Treffen abzuschaffen. Das würde den Steuerzahlern hunderte Millionen Euro sparen und dem entsprechenden Regierungschef viel positive Publicity einbringen. Denn Kontakte pflegen - und um nichts anderes geht es bei den Gipfeln - kann man auch ohne große Multi-Nationen-Treffen.

IMHO sollten sich die Globalisierungsgegner lieber jedes Jahr zum Weltwirtschaftsforum in Davos versammeln und da mal ordentlich Radau machen. Denn da wird wirklich was verschachert. Da treffen sich die satten Arbeitgeber und die Antreiber der neoliberalen Unfreiheitsbewegung. Da kann man gerne Steine schmeißen.

Sonntag, 27. Mai 2007

Ein Leben für 200.000 Euro

Ich verstehe nicht, was daran so toll sein soll, für ein sechsstelliges Gehalt 90 Stunden am Tag zu arbeiten. Was soll man denn mit einem Einkommen von 200.000 Euro anfangen, wenn man außer zum Schlafen nie zu Hause ist? Wer von acht (a.m.) bis zehn (p.m.) im Büro ist, häufig unter der Woche auch noch auf Geschäftsreise und dann auch noch oft am Wochenende ran muss, hat doch überhaupt kein Privatleben mehr. Was soll man da bitteschön mit dem ganzen Geld anfangen?

Eine Bekannte von mir hat einen Onkel, der als Partner (also ziemlich weit oben) in einer Frankfurter Wirtschaftsprüfungsgesellschaft arbeitet. Der ist am Wochenende so kaputt, dass er samstags erstmal zu überhaupt nichts zu gebrauchen ist. Und wochentags kommt er sowieso nur zum Schlafen nach Hause.

Da suche ich mir doch lieber einen etwas entspannteren Job, der mir auch noch ein bisschen Möglichkeiten zur eigenen Freizeitgestaltung lässt. Meiner Meinung nach ist ein hohes Gehalt bei einem derart abartig hohen Arbeitsaufwand sowieso nur ein Schmerzensgeld bzw. eine Ausrede für die Leute, die sich dafür ins Hamsterrad sperren lassen, damit ihr (fast nicht vorhandenes) Leben für sie nicht ganz so beschissen aussieht.

Mittwoch, 16. Mai 2007

Jürgen und ich sind einer Meinung

Was das Thema Zeitung betrifft. Man kann einem 77-jährigen Philiosophen, der einen Großteil seiner Zeit in einer Villa am Starnberger See bei München verbringt, vorwerfen, dass er von den aktuellen Veränderungen in den Medien und ganz besonders im (Qualitäts-)journalismus nicht vielleicht ganz so viel mitkriegt wie manches Mitglied der digitalen Bohème. Aber nichtsdestotrotz hat er meiner Meinung nach mit seinem Essay den Nagel auf den Kopf getroffen.

Es geht ja gar nicht so sehr um "alte" und "neue" Medien, sondern um guten und schlechten Journalismus. Und letzterer ist vor allem ein Journalismus, der sich einzig und allein von den Interessen des Kapitals (sprich: der Eigentümer) leiten lässt, und das heißt: Geld verdienen! Und zwar mit teilweise brutalen Renditeforderungen. Wenn Herr Montgomery beim Berliner Verlag eine Rendite von 20 Prozent fordert, fühlt man sich doch schon irgendwie an Josef "Haifisch" Ackermann erinnert. Merke: Bei Ackermanns Deutscher Bank gilt das Shareholder-Value-Prinzip, der Mann möchte seine Bank an der Börse wertvoller machen, um sich vor Übernahmen zu schützen. Was aber will jemand mit einem derart brutal rentablen Verlag anstellen? Reichen nicht 10 oder 15 Prozent aus? Wieso braucht ein Multimillionär eine so hohe Rendite, die er letztlich nur über Einsparungen beim Personal und mithin bei der QUalität erreichen kann. Ich verstehe es nicht.

Und hier kommen wir wieder auf Habermas zurück: Die Kapitalinteressen dürfen nicht zur bestimmenden Kraft im Journalismus werden (meiner Meinung nach sind sie es schon längst; von großen Verlagen vorgebrachte Argumente, nichts sei wichtiger als die Pressefreiheit, sind oft an Fadenscheinigkeit nicht zu überbieten). Dazu ist der Journalismus und mithin die Zeitungen ein gesellschaftlich viel zu bedeutender Sektor, als dass man ihm derartigen Interessen überlassen dürfte.

Aber: Was tun? Junge Menschen lesen nun mal unglaublich wenig Zeitung, und im Netz bieten die Zeitungshäuser zwar nach wie vor Qualitätsjournalismus, von dem die Blogger noch meilenweit entfernt sind. Doch wer mit so etwas wie Qualitätsjournalismus gar nicht erst aufwächst (und das gilt auch für eine ganz große Menge von Studenten, meiner Einschätzung nach), wird dieses unglaubliche bedeutende Gut gar nicht in dem nötigen Maße kennen und schätzen lernen. Und da liegt das Problem.

Zukünftige Generationen werden sich ihre Informationen vor allem im Netz suchen. Und hier konkurrieren Millionen von Informationsangeboten. Wird Qualitätsjournalismus auch da weiterhin sichtbar und auffindbar sein? Und wird er sich überhaupt lohnen? In Anbetracht solcher Entwicklungen kann man sich nur wünschen, dass die großen Qualitätsverlage auch im Internet reüssieren und ihr Geschäftsmodell erfolgreich transformieren können. Und dass sich ein paar armselige sogenannte Alphablogger mit ihrer kindischen narzistisch-besserwisserischen Art nicht als ein Qualitätsangebot Güteklasse C etablieren können. Das wäre mein ganz persönlicher Albtraum