Freitag, 21. September 2007

Wie das Internet die Demokratie gefährden kann

Das Internet kann viel für die Demokratie tun. Es kann auch helfen, Meinungsfreiheit in Gesellschaften herzustellen, die unter repressiven Regimen leiden. Nicht umsonst hat Iran eine der hächsten Blogger / Einwohner-Verhältnisse.

Das Internet kann der Demokratie aber auch gefährlich werden. Zum Teil, weil dort Extremisten ihre Propaganda vmunter erbreiten und damit ein zunehmend großes Publikum erreichen. Das gilt für Neonazis wie für Islamisten. Auch dass immer mehr Regierungs-, Sicherheits- und Militärfunktionen über Rechner und mithin auch das Internet gesteuert werden, setzt eine funktionierende Demokratie zunehmenden Risiken aus - siehe "Trojaner im Kanzleramt" und Hackerangriffe aus Russland.

Aber da gibt es noch etwas. Sollten sich erstmal sämtliche analogen Medien weitest gehend verabschiedet haben - das wird aller Voraussicht nach schon in ein paar Jahrzehnten der Fall sein - laufen sämtliche Nachrichtenströme ausschließlich über das Internet. Professionelle Journalisten stehen im Wettbewerb mit Amatuer-Journalisten, die ihr Angebot nur ein paar Klicks entfernt anpreisen. Die Gefahr an dem ganzen: Es gibt keine Plattformen mehr, auf der Debatten ausgetragen werden, die die ganze Gesellschaft betreffen, von denen jeder etwas mitkriegt und die einen großen Teil des "kollektiven Gedächtnisses" einer Gesellschaft ausmachen.

Historikerdebatten sind hierfür ein gutes Beispiel. Debatten bspw. über die deutsche Vergangenheitsbewältigung sind wichtig - ich meine lebenswichtig - für das Zusammenleben, die Modernisierung und die "Standortbestimmung" einer Gesellschaft. Überregionale Zeitungen und Zeitschriften und der ÖR Rundfunk stellen momentan sicher, dass über kurz oder lang nahezu jeder Bürger mit diesen Themen in Berührung kommt und sich optimalerweise eine Meinung darüber bildet.

Zumindest am öffentlich rechtlichen Rundfunk werden wir uns nach dem "Rundfunkurteil" letzter Woche noch auf absehbare Zeit erfreuen können. Der federführende Richter des Urteils, Medienrechtler Wolfgang Hoffmann-Riehm, wurde für die Rückwärtsgewandtheit seines Urtiles gescholten, ich meine: zu Unrecht. Vor allem der Satz, der öffentlich rechtliche Rundfunk wäre die einzige Garantie für das Fortbestehen der Meinungsfreiheit und -bildung in Deutschland, wurde von vielen Kommentatoren ins Lächerliche gezogen. Ich denke, da steckt - angesichts den Entwicklungen in der Medienwirtschaft und -nutzung - mehr Wahrheit drin, als man zunächst denken mag. Und zwar aus den von mir oben ausgeführten Gründen.

Dasselbe Thema macht auch in den USA die Runde. Vor allem das Internet bewirke, dass sich Gesellschaften immer mehr in Teilpublika auflösten, eine gemeinsame Öffentlichkeit sei immer schwerer herzustellen. In der Kommunikationswissenschaft fällt das unter das Thema "Digital Divide. Der Economist hat in seiner aktuellen Ausgabe eine Buchbesprechung mit einem führenden Theoretiker zu diesem Thema. Zitat:

"One worrier is Cass Sunstein, a law professor at the University of Chicago. In “Republic.com 2.0” he points to the danger of niches becoming “echo chambers” in which only the views of like-minded people are heard, thanks to the internet making it easy for people to filter information into a personalised selection, “the Daily Me”. A healthy democracy, he argues, depends on exposure to diverse or unexpected opinions. If Americans wall themselves off from topics and opinions they prefer to avoid, narrowing their horizons, their democracy will suffer."

Zwar eine amerikanische Perspektive (ich denke, Deutschland ist dank des ÖR Rundfunks noch ein bisschen besser abgesichert), aber trotzdem trifft das meine Meinung ziemlich genau auf den Punkt. Bleibt nur die Frage: Wie geht man mit diesen Herausforderungen um?

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