Montag, 28. Mai 2007

G8 ohne Macht

Momentan dreht sich ja alles um den G8-Gipfel. So sehr ich auch mit Globalisierungskritikern sympathisiere, halte ich den G8-ipfel an sich für komplett harm- und folgenlos. Attac scheint ja suggerieren zu wollen, dass da das gesamte Schicksal der Welt verschachert wird. Aber mal im Ernst: Die auf den letzten G8-Gipfeln getroffenen Entscheidungen hatten - wenn überhaupt - höchstens symbolischen Charakter. Wirklich weltbewegende Entscheidungen wurden und werden da nie gefällt. Geschickte Politiker nutzen die Gipfel höchstens als Bühne für populistische Entscheidungen (Live Aid ist so ein wirkungsloser, nur auf Öffentlichkeit ausgelegter Schwachsinn).

Wenn ich PR-Berater wäre, würde ich einem Regierungschef empfehlen, die G8-Treffen abzuschaffen. Das würde den Steuerzahlern hunderte Millionen Euro sparen und dem entsprechenden Regierungschef viel positive Publicity einbringen. Denn Kontakte pflegen - und um nichts anderes geht es bei den Gipfeln - kann man auch ohne große Multi-Nationen-Treffen.

IMHO sollten sich die Globalisierungsgegner lieber jedes Jahr zum Weltwirtschaftsforum in Davos versammeln und da mal ordentlich Radau machen. Denn da wird wirklich was verschachert. Da treffen sich die satten Arbeitgeber und die Antreiber der neoliberalen Unfreiheitsbewegung. Da kann man gerne Steine schmeißen.

Sonntag, 27. Mai 2007

Ein Leben für 200.000 Euro

Ich verstehe nicht, was daran so toll sein soll, für ein sechsstelliges Gehalt 90 Stunden am Tag zu arbeiten. Was soll man denn mit einem Einkommen von 200.000 Euro anfangen, wenn man außer zum Schlafen nie zu Hause ist? Wer von acht (a.m.) bis zehn (p.m.) im Büro ist, häufig unter der Woche auch noch auf Geschäftsreise und dann auch noch oft am Wochenende ran muss, hat doch überhaupt kein Privatleben mehr. Was soll man da bitteschön mit dem ganzen Geld anfangen?

Eine Bekannte von mir hat einen Onkel, der als Partner (also ziemlich weit oben) in einer Frankfurter Wirtschaftsprüfungsgesellschaft arbeitet. Der ist am Wochenende so kaputt, dass er samstags erstmal zu überhaupt nichts zu gebrauchen ist. Und wochentags kommt er sowieso nur zum Schlafen nach Hause.

Da suche ich mir doch lieber einen etwas entspannteren Job, der mir auch noch ein bisschen Möglichkeiten zur eigenen Freizeitgestaltung lässt. Meiner Meinung nach ist ein hohes Gehalt bei einem derart abartig hohen Arbeitsaufwand sowieso nur ein Schmerzensgeld bzw. eine Ausrede für die Leute, die sich dafür ins Hamsterrad sperren lassen, damit ihr (fast nicht vorhandenes) Leben für sie nicht ganz so beschissen aussieht.

Mittwoch, 16. Mai 2007

Jürgen und ich sind einer Meinung

Was das Thema Zeitung betrifft. Man kann einem 77-jährigen Philiosophen, der einen Großteil seiner Zeit in einer Villa am Starnberger See bei München verbringt, vorwerfen, dass er von den aktuellen Veränderungen in den Medien und ganz besonders im (Qualitäts-)journalismus nicht vielleicht ganz so viel mitkriegt wie manches Mitglied der digitalen Bohème. Aber nichtsdestotrotz hat er meiner Meinung nach mit seinem Essay den Nagel auf den Kopf getroffen.

Es geht ja gar nicht so sehr um "alte" und "neue" Medien, sondern um guten und schlechten Journalismus. Und letzterer ist vor allem ein Journalismus, der sich einzig und allein von den Interessen des Kapitals (sprich: der Eigentümer) leiten lässt, und das heißt: Geld verdienen! Und zwar mit teilweise brutalen Renditeforderungen. Wenn Herr Montgomery beim Berliner Verlag eine Rendite von 20 Prozent fordert, fühlt man sich doch schon irgendwie an Josef "Haifisch" Ackermann erinnert. Merke: Bei Ackermanns Deutscher Bank gilt das Shareholder-Value-Prinzip, der Mann möchte seine Bank an der Börse wertvoller machen, um sich vor Übernahmen zu schützen. Was aber will jemand mit einem derart brutal rentablen Verlag anstellen? Reichen nicht 10 oder 15 Prozent aus? Wieso braucht ein Multimillionär eine so hohe Rendite, die er letztlich nur über Einsparungen beim Personal und mithin bei der QUalität erreichen kann. Ich verstehe es nicht.

Und hier kommen wir wieder auf Habermas zurück: Die Kapitalinteressen dürfen nicht zur bestimmenden Kraft im Journalismus werden (meiner Meinung nach sind sie es schon längst; von großen Verlagen vorgebrachte Argumente, nichts sei wichtiger als die Pressefreiheit, sind oft an Fadenscheinigkeit nicht zu überbieten). Dazu ist der Journalismus und mithin die Zeitungen ein gesellschaftlich viel zu bedeutender Sektor, als dass man ihm derartigen Interessen überlassen dürfte.

Aber: Was tun? Junge Menschen lesen nun mal unglaublich wenig Zeitung, und im Netz bieten die Zeitungshäuser zwar nach wie vor Qualitätsjournalismus, von dem die Blogger noch meilenweit entfernt sind. Doch wer mit so etwas wie Qualitätsjournalismus gar nicht erst aufwächst (und das gilt auch für eine ganz große Menge von Studenten, meiner Einschätzung nach), wird dieses unglaubliche bedeutende Gut gar nicht in dem nötigen Maße kennen und schätzen lernen. Und da liegt das Problem.

Zukünftige Generationen werden sich ihre Informationen vor allem im Netz suchen. Und hier konkurrieren Millionen von Informationsangeboten. Wird Qualitätsjournalismus auch da weiterhin sichtbar und auffindbar sein? Und wird er sich überhaupt lohnen? In Anbetracht solcher Entwicklungen kann man sich nur wünschen, dass die großen Qualitätsverlage auch im Internet reüssieren und ihr Geschäftsmodell erfolgreich transformieren können. Und dass sich ein paar armselige sogenannte Alphablogger mit ihrer kindischen narzistisch-besserwisserischen Art nicht als ein Qualitätsangebot Güteklasse C etablieren können. Das wäre mein ganz persönlicher Albtraum

Dienstag, 15. Mai 2007

Computerspiele sind (wirtschaftlich) wichtig

Früher galt man ja quasi als Aussätziger, wenn man zugibt, dass man seine Freizeit gerne mal mit Computerspielen verbringt. Heute sieht das ein bisschen anders aus. Und wenn selbst die FAZ das (allerdings vorerst nur aus ökonomischer Sicht) anerkennt, diffundiert diese Sichtweise vielleicht auch ein bisschen weiter in andere Gesellschaftsschichten. Dass die Spieleindustrie die Filmindustrie von den Umsätzen her überholt hat, ist ja schon länger bekannt.

Schön wäre es jetzt, wenn sich dem auch die gesellschaftliche Meinung über Computerspiele anschließen würde. So im Sinne von Computerspielen als einer ganz normalen Freizeitbeschäftigung. Und nicht bloß als etwas für die sozialen Außenseiter, die dadurch quasi automatisch zu Massenmördern werden. Das wär toll.

Montag, 14. Mai 2007

IPTV...

...find ich ja eine unheimlich spannende Angelegenheit. Und diese Joost-Geschichte scheint ja nun wirklich das Next Big Thing zu werden.

Ich war mal Praktikant bei einem großen deutschen Fernseher und weiß: Die Angestellten da (zumindest die paar unter 40) lassen solche Launches die Knie zittern. Und das ist womöglich gar nicht mal so verkehrt. Wobei IPTV die Privaten wahrscheinlich noch viel mehr herausfordert. Die Ö-R haben ja ihre Gebühren. Noch.

Samstag, 5. Mai 2007

FAZ gegen Blogs, Teil II

Die FAZ / FAS legt nach, und ich finds stark. Man könnte ja meinen, die FAZ als sogenanntes "Holzmedium" fühlt sich von Blogs zunehmend bedroht und schießt deswegen so gerne gegen die Blogospäre. Ich meine, sie treffen auch mit diesem Artikel den Nagel voll auf den Kopf: Blogs sind hierzulande nach wie vor irrelevant, zu egozentrisch und mit einem viel zu engen Blickfeld ausgestattet. Long Tail hin oder her.