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Donnerstag, 19. Juli 2007

Vom Journalisten zum Content-Manager

Heuschrecken gibt's nicht nur bei Sat.1, die gibt's auch bei Zeitungen. In Berlin z.B. hat sich David Montgomery den Berliner Verlag (Berliner Zeitung und Berliner Kurier) gekauft. Und vor kurzem auch die Netzeitung. Da wurde diese Woche vom neuen Management unter Robert Graubner auch eine Restrukturierung angekündigt:

"Vorgestellt wurden die entscheidenden Maßnahmen denn auch nicht von Matthias Ehlert und Michael Angele, den amtierenden Chefredakteuren der „Netzeitung“, sondern eben vom neuen Management. Von Robert Graubner wird kolportiert, dass für ihn Online-Journalisten nicht mehr und nicht weniger seien als „Content-Manager“, „News-Aggregatoren“, „Google-Optimiser“ und „Channel-Manager“." (Quelle: FAZ vom 17.07.)

Das wirft meiner Meinung nach eine Menge Licht darauf, wie von Finanzinvestoren eingesetzte Verlagsmanager Journalisten sehen. Oft selbst ohne jegliche journalistische Erfahrung, dafür aber mit ganz viel Erfahrung auf dem Gebiet der Effizienzsteigerung, schreiben sie den eigentlichen Inhaltsproduzenten vor, was ihnen passt und wovon sie die größtmögliche Rendite erwarten. Im Falle der Netzeitung heißt das: Weniger Personal, weniger Eigenproduktionen, weniger Niveau, dafür mehr Geld für die Eigentümer. Kapitalismus kann so einfach sein.

Wer schonmal selbst bei einer Zeitung gearbeitet hat, weiß, wie sehr es weh tut, wenn man von jemandem, der von Journalismus Null Ahnung hat, neue Rollenzuweisungen (s.o.) erhält, die dem einen oder anderen durchaus berechtigt in der eigenen beruflichen Ehre verletzen. Aber was soll man da tun? Sich dem ganzen Beugen und als "News-Aggregator" weiterbuckeln, damit sich die Herren Eigentümer über ihre schön steigende Rendite freuen können? Oder den Rücken gerade halten und kündigen, nur um sich dann am Existenzminimum als Freier durchzuschlagen? Das Leben eines Online-Journalisten jedenfalls ist sicherlich kein einfaches.

Sonntag, 15. Juli 2007

Unwohltat

In den USA nähert sich die Verteilung des Wohlstands wieder Verhältnissen wie zu Anfang des letzten Jahrzehnts: Die Zahl der Milliardäre wächst, es liegt immer mehr Reichtum in immer weniger Händen.

Und der langjährige Citibank-Chef Sanford Weill erklärt in der NYT, wie ähnlich er seine Kollegen gegenüber den Moguln von damals einschätzt: “We didn’t rely on somebody else to build what we built, and we shouldn’t rely on somebody else to provide all the services our society needs.”

Ergo: Man braucht keinen Staat, Dienstleistungen wie Krankenhäuser, Autobahnen, Bildung, Verkehr kann man auch privat organisieren. Und zwar mit der Hilfe ein paar ganz finanzkräftier Sponsoren. Die bauen auch gerne Opernhäuser und Museen, um ihren Namen auf ewig mit einer schönen Sache verbunden zu wissen.

Das Problem ist nur: Wenn der Staat sich immer weiter zurückzieht, und die Superreichen meinen, dass sie seine Aufgaben erfüllen können, ist das wirklich gut für die Gesellschaft? Wer schon einmal in einem privat geführten Krankenhaus war oder in England mal Zug gefahren ist (da ist die Bahngesellschaft komplett privatisiert) wird sich da nicht mehr so sicher sein.

"Today’s titans often see themselves as pillars of a new age of prosperity, one in which their successes and philanthropy have made government less important." schreibt die New York Times. Aber ist das wirklich gut? Wer stellt sicher, dass diese "Titanen" nicht bloß Ziele verfolgen, die primär ihren eigenen Interessen dienen? Wenn sie Aufgaben übernehmen, die früher dem Staat zufielen, wer kontrolliert sie dann? Wer stellt sicher, dass niemand benachteiligt wird? Wo sind da die Checks und Balances für öffentliche Projekte? So schön Philantropismus auch sein kann, ich fürchte mich vor einer Gesellschaft, in der solche Menschen mit ihren vermeintlichen zu viel Einfluss haben.

Sonntag, 27. Mai 2007

Ein Leben für 200.000 Euro

Ich verstehe nicht, was daran so toll sein soll, für ein sechsstelliges Gehalt 90 Stunden am Tag zu arbeiten. Was soll man denn mit einem Einkommen von 200.000 Euro anfangen, wenn man außer zum Schlafen nie zu Hause ist? Wer von acht (a.m.) bis zehn (p.m.) im Büro ist, häufig unter der Woche auch noch auf Geschäftsreise und dann auch noch oft am Wochenende ran muss, hat doch überhaupt kein Privatleben mehr. Was soll man da bitteschön mit dem ganzen Geld anfangen?

Eine Bekannte von mir hat einen Onkel, der als Partner (also ziemlich weit oben) in einer Frankfurter Wirtschaftsprüfungsgesellschaft arbeitet. Der ist am Wochenende so kaputt, dass er samstags erstmal zu überhaupt nichts zu gebrauchen ist. Und wochentags kommt er sowieso nur zum Schlafen nach Hause.

Da suche ich mir doch lieber einen etwas entspannteren Job, der mir auch noch ein bisschen Möglichkeiten zur eigenen Freizeitgestaltung lässt. Meiner Meinung nach ist ein hohes Gehalt bei einem derart abartig hohen Arbeitsaufwand sowieso nur ein Schmerzensgeld bzw. eine Ausrede für die Leute, die sich dafür ins Hamsterrad sperren lassen, damit ihr (fast nicht vorhandenes) Leben für sie nicht ganz so beschissen aussieht.