Montag, 25. Juni 2007

Was das Internet leisten kann

In Frankreich liegen fast alle großen Privatmedien in den Händen von ein paar Milliardären, die zufällig auch noch alle gute Freunde von Nicolas Sarkozy sind. Den Zeitungs- und Zeitschriftenverlagen in Frankreich geht es noch viel schlechter als den deutschen, und so wurden sie anfällig für Übernahmen. Also leisteten sich die Herren Bouygues, Bolloré und Lagardère einige der renommiertesten Verlage mehr oder weniger als Spielzeuge zu. So eine hochangesehene Zeitung macht sich schließlich gut im Portfolio. (Das gleiche kann man ja auch beim Tribune-Verlag in den USA beobachten).

Das Problem in Frankreich ist aber: Wenn der neue Präsident mit den Besitzern der größten Zeitungen per du ist, ist es nicht mehr weit, dass er ihm unliebsame Berichte verhindern kann. Ein kurzer Anruf genügt, und die Presse zieht zum Beispiel einen Bericht darüber zurück, dass Sarkozys Frau nicht zur Wahl gegangen ist. So einfach ist das. Innere Pressefreiheit? Wer braucht das schon.

Vor zehn Jahren hätte kaum jemand davon etwas mitbekommen. Heute gibt es zum Glück das Massenmedium Internet, indem sich engagierte Journalisten mit ihren Projekten (noch) nicht irgendwelchen Eigentümern beugen müssen. In Frankreich, hab ich jetzt gelesen, hat sich vor allem diese Seite einen Ruf gemacht, all das zu publizieren, was die etablierten Zeitungen nicht bringen (weil es auf Missbilligung der Mächtigen stoßen würde).

Wenn man solche Beispiele sieht, kann man über die Bedeutung des Internets für eine freie und gut informierte Gesellschaft gar nicht genug schwärmen.

Montag, 11. Juni 2007

A Scrapple from the apple

Ich hab jetzt Safari. Und ich komme mir gleich so unglaublich avantgardistisch und early-adopter-mäßig vor.

Woran liegt das nur, dass Apple von seinen Kunden so geliebt wird? Selbst die verblendedsten Kapitalismusgegner lieben doch alle ihren Apple iPod und ihr MacBook, sie betreiben also selbst den von ihnen sonst so verdammten Waren- und Markenfetischismus. Apple hat es (meiner Meinung nach einfach nur dadurch, dass sie sich als Gegenmodell zu Microsoft darstellen) geschafft, irgendwie nicht als profitorientiertes Unternehmen wahrgenommen zu werden. Und das finden auch die hier ganz toll.

Sonntag, 10. Juni 2007

Micro Persuasion

Das Internet verändert alles. Viele haben dadurch Vorteile. Der Zugriff auf Informationen ist so unglaublich einfach und unglaublich demokratisch geworden. Aber für viele Unternehmen stellt das Internet auch eine Gefahr dar, wie das Beispiel Zeitungen klarmacht: Das Internet stellt ihre komplette weitere Existenz infrage. Für viele Branchen ist das besonders bedauerlich, weil sie nicht ein bloßes Geschäft darstellen wie, sagen wir mal, ein Klopapierhersteller. Demokratische Gesellschaften brauchen guten Journalismus. Guter Journalismus entsteht, wenn Menschen dafür bezahlt werden, dass sie guten Journalismus machen. Wenn Informationen aber im Internet gratis zu haben sind, macht es irgendwann keinen Sinn mehr, Menschen dafür zu bezahlen, dass sie Informationen liefern. Guter Journalismus stirbt, und die demokratische Gesellschaft evtl. gleich mit.

Anders sieht das zum Beispiel beim Thema PR aus. Wäre es nicht toll, wenn Unternehmen nicht mehr darüber bestimmen, was über sie geschrieben wird, weil sich die Kommunikation im Internet halt so unglaublich viel schlechter lenken lässt als in den langsamen Printmedien? Ich meine: Nein. Wenn man das Ganze aus Unternehmenssicht anguckt: Wer schützt die da noch gegen Tonnen von unfairen Attacken und Falschinformationen. Führt evtl. sogar eine komplett entfesselte "Watchdog"-Mentaltität zu einer Art von "Wirtschaftsverdrossenheit"?

Meiner Meinung nach haben wir es nämlich beim Thema Politikverdrossenheit auch viel mit Verdruss gegenüber der Wirtschaft zu tun. Und das liegt (auch) an sehr verworrener Kommunikation und Wahrnehmung von Informationen durch die Medien (und das Internet). Wie aber sollte z.B. die PR mit den ganzen neuen, digitalen, konvergenten und sowieso ganz tollen Medien umgehen? Ich finde in dieser Hinsicht diesen Blog vor allem aus diesem Grund so interessant.