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Samstag, 19. April 2008

Das größte Werbe-Unternehmen der Welt? Google

Wie die BBC in ihrem Technologie-Blog erläutert, erzielt in Großbritannien kein Unternehmen mehr Umsatz mit Werbung als Google. Laut den jüngsten Quartalszahlen hat Google den bisherigen Marktführer in England, die private Fernsehkette Itv, überholt.

Die New York Times schreibt in ihrem Blog, dass, streng genommen, das auch bereits für die USA gilt: Vom Gesamtumsatz her ist Google immer noch ein gutes Stück von den "alten" Mediengiganten wie Disney, News Corp. oder Time Warner entfernt. Diese Konzerne machen aber nur einen Teil ihres Umsatzes mit Werbung, bei Google sind es dagegen 99 Prozent. So kommt es, dass Google mit einem geschätzten Umsatz von 16 Milliarden Dollar in 2008 weit vor den traditionellen Medienkonzernen liegt.

Für Google ist das Fluch und Segen. Zum einen der Beweis für die eigene Bedeutungsschwere, zum anderen zeigt es, wie abhängig die Suchmaschine von einem einzigen Geschäftsfeld ist.

Freitag, 1. Februar 2008

Microsoft meint es ernst

Nachdem Microsoft sich jahrelang mit einem geringen zweistelligen Anteil am Online-Werbemarkt zufrieden geben musste, ist es Steve Ballmer und Co jetzt wohl zu bunt geworden. Microsoft nimmt mit der 44,6-Milliarden-Dollar-Offerte für Yahoo die größte Übernahme in dessen Firmengeschichte ins Visier. Angesichts des heftigen Aufpreises gegenüber des gestrigen Schlusskurses, den Microsoft bereit ist, für Yahoo zu zahlen, ist es sehr wahrscheinlich, dass die Yahoo-Aktionäre dem Deal zustimmen werden.

Was daran deutlich wird, ist wie vehement Microsoft seinen Einstieg in das Online-Werbegeschäft betreibt und sich an der Dominanz von Google reibt. Lustig ist dabei, dass Microsoft, mit einem quasi monopolartigen Anteil von 90 Prozent bei Betriebssystemen, sich ständig über Googles "unfaire" Marktdominanz bewschwert.

Wie bedrohlich Microsoft Google mittlerweile wahrnimmt, ließ sich bereits 2007 beobachten, als Google den führenden Anbieter von Banner-Werbung (Doubleklick) für 3,1 Milliarden Dollar übernahm. Microsoft hatte um Doubleclick mitgeboten, wurde aber scheinbar von Googles Entschlossenheit überrascht. Kurz danach gab Micrsoft dann 6 Milliarden Dollar für die aQuantive-Holding aus, zu der einige der größten weltweit operierenden Online-Werbeagenturen gehören. Da hatten den Redmonder scheinbar schon das erste Mal kalte Füße.

Dass Microsoft jetzt so dermaßen viel für Yahoo bezahlen will (immerhin 62 Prozent über dem Kurs der Yahoo-Aktie vor Bekanntwerden des Übernahmeangebots), entspricht quasi einer Wiederholung des Doubleclick-Aquantive-Rennens. Microsoft ist unzufrieden mit dem, was sie haben, und ist bereit, für externes Wachstum sehr viel Geld, teilweise jenseits aller fairen Markt-Bewertungen, zu zahlen. Diese Erkenntnis kam wohl, nachdem Microsoft es durch organisches (also vom Unternehmen selbst erbrachtes) Wachstum nicht geschafft hat, den Markt der Internet-Werbung auch nur annähernd zu erobern.

Das Besondere an diesem Deal ist vor allem, dass Online-Werbung eigentlich nicht zum Kerngeschäft von Microsoft gehört. Das waren und sind nach wie vor Betriebssysteme und Arbeitssoftware. Nachdem der Konzern aber bereits mit seiner Xbox einen dem Kerngeschäft fernen Markt erobert hatte, will dessen Führungsriege das nun scheinbar bei der Online-Werbung wiederholen. Die nötigen liquiden Mittel für Investitionen hat Microsoft locker auf der hohen Kante.

Microsofts Begründung der Übernahme kann man in einem offenen Brief von Steve Ballmer an den Yahoo-Aufsichtsrat nachlesen. Das aus Microsoft-Sicht scheinbar wichtigste Argument: Eine Kombination von Yahoo und Microsoft bietet Größenvorteile, also quasi Kosten-Einsparungspotential bei unverminderter Leistungserbringung, mit denen man Google angreifen kann (lustigerweise wird der Name "Google" in dem ganzen Brief nicht einmal verwendet, obwohl mehrmals offensichtlich auf den Konkurrenten hingewiesen wird).

Was bedeutet das für den Rest der Branche? Google gerät zum ersten Mal in dessen Firmengeschichte ernsthaft unter Druck und sieht sich mit der Kombination von Microsoft-Geld und Yahoo-Technik einem ernsten Konkurrenten gegenüber. Dass Google in den nächsten Jahren mehr kämpfen muss, als das bisher der Fall war, zeigt sich bereits am schwächelnden Aktienkurs der Kalifornier. Noch dazu hat Google im vierten Quartal sogar leicht die Analystenschätzungen verfehlt - sehr ungewöhnlich für die erfolgsverwöhnten Marktführer.

Bei Yahoo werden neben den angekündigten 1.000 Stellenstreichungen sehr wahrscheinlich noch weitere Arbeitsplätze wegfallen - was ja fast immer bei Übernahmen durch die enstehenden Synergien möglich wird. Und AOL wird nach seiner Umwidmung zu einem Internet-Werbeunternehmen plötzlich wieder zu einem potentiellen attraktiven Übernahmekandidaten - ablesbar am springenden Aktienkurs von TimeWarner, der Mutter von AOL.

Montag, 7. Januar 2008

Wikia und der Wille zur Macht

Alle reden von wikia, der Suchmaschine entwickelt unter Leitung von wikipedia-Gründer Jimmy Wales. Es stimmt, dass damit ein komplett neuer Ansatz entsteht, der Markt für Suchmaschinen (und den dazugehörigen gigantischen Werbemarkt) ordentlich aufmischen könnte, wenn dir Technologie irgendwann zufrieden stellende Ergebnisse liefert. Es ist auch toll, dass wikias Code für jedermann einsehbar und verbesserbar ist.

Das Problem allerdings ist, dass bei wikia nicht ein sehr ausgetüftelter Algorithmus allein dafür verantwortlich ist, welche Seite wo auftaucht, sondern auch die Meinung der Nutzer. Das wikipedia-Prinzip auf die Internet-Suche anzuwenden, ist auf jeden Fall aller Ehren Wert, vor allem, wenn der Markteintratt durch drei extrem finanzstarke Unternehmen nahezu allen Konkurrenten verwehrt wird.

Eins der bekanntesten von Friedrich Nietzsche geprägten Begriffe ist der "Wille zur Macht": Nicht das wirklich Wahre und Richtige setzt sich demnach in unserer Welt durch, sondern das, was von seinen Anhängern am energischsten vertreten wird und wer es schafft, seine Meinung als Wahrheit anzuerkennen. Das muss dann nicht unbedingt die "echte" Wahrheit sein. Da muss man nur mal den hier fragen.

Hier liegt meiner Ansicht nach die Gefahr von wikias Prinzip: Gibt es da womöglich die Gefahr, dass nicht die Informationen oben stehen sollten, weil sie am relevantesten sind, sondern die, die am energischsten vertreten werden? Schaut man sich wikipedia an, könnte man eigentlich beruhigt sein: Selbst Artikel, die sich mit politischen Themen (z.B. der hier) bzw. Themen, zu denen es sehr gespaltene Meinungen gibt (etwa dieser), sind insgesamt sehr balanciert formuliert. Von den negativen Auswirkungen der Weisheit der Vielen kaum eine Spur.

Doch wie wird sich das System bei einer Suchmaschine bewähren? Ist Manipulation dort eventuell einfacher? Die oben genannten Gefahren sind meiner Meinung bei der Suchmaschine deutlich realistischer als bei wikipedia. Aber vielleicht kriegt die wiki-Mannschaft ja auch das in den Griff.

Interessant ist an wikia auf jeden Fall auch, dass es ein kommerzielles Projekt ist. Die Seite soll sich mithilfe von Werbung finanzieren. Jimmy Wales will damit Geld gewinnen. Allerdings sind seine Ziele erst mal bescheiden: 5 Prozent Marktanteil hat er sich vorgenommen. Es wäre sehr interessant zu beobachten, wie Google auf wikia reagiert, sollte sich die Mitmach-Suchmaschine zu einer echten Konkurrenz entwickeln. Auch ist interessant, wie wikia alle Programmierer und anderer Teilnehmer an seinem Konzept bezahlen will. Schließlich leisten sie einen signifikanten Beitrag zur Verbesserung der Seite.

Bleibt noch die Frage, weshalb sich Jimmy Wales ausgerechnet die Suche als Feld ausgesucht hat, das er nach der Kollektivierung des Wissens als nächstes umkrempeln will. Wahrscheinlich liegt es auf der Hand: Er hat mit wikipedia zwar eine der populärsten und revolutionärsten Seiten in der Geschichte des Internets geschaffen, hat daran aber vermutlich keinen Cent verdient (dafür aber weltweit sehr viel Respekt und Anerkennung. Aber das zählt in unserer Welt ja leider nicht so viel). Vielleicht hofft er, dass sich mit wikia aus dem Mitmach-Prinzip nun auch endlich Kapital schlagen lässt.

Dienstag, 13. November 2007

Das Tor zum Internet: Google vs. Facebook

Eine interessante Meinung zur zukünftigen Entwicklung des Internets: Welche Art von Seiten kann sich in Zukunft als das "Tor zum Internet" entwickeln? Waren es früher die Provider nach Muster von AOL, die den Nutzern alles aus einer Hand gegen eine Monatsgebühr lieferten (das "Walled-Garden"-Prinzip), kamen danach die Portalseiten, so wie web.de. Die haben sich mittlerweile aber auch schon wieder überlebt.

Bis jetzt sind vor allem die Suchmaschinen und vor allem Google die Seiten, mit denen die meisten Nutzer das Surfen im Internet beginnen bzw. die sie sich als Startseite eingerichtet haben. Angesichts der unglaublichen Fülle von Seiten, die das Internet bietet, eine einleuchtende Entwicklung. Wieso sollte man sich heute noch zuerst über ein Portal ins Internet begeben, wenn man sich stattdessen seine Informationen gleich vom Start weg selber suchen kann.

Nun kommt die nächste Welle: Social Networks machen sich drauf und dran, die Suchmaschinen als Startseite zu verdrängen. Zum einen haben Sie den Vorteil, dass man auf Ihnen viel mehr Zeit verbringen kann als auf einer simplen Suchmaschinen-Seite. Das freut die Werbekunden, vor allem für Image- und Banner-Werbung ist das wichtig. Zum anderen machen sich die Social Networks, ähnlich wie früher die Portalseiten, zunehmend zur Plattform, die sich jeder selber mit seinen individualisierten Anwendungen - und eben auch einer Web-Suchfunktion - zur personalisierten Startseite machen kann. Wer sich schon die Mühe macht, ein präzises Profil von sich selbst im Internet anzulegen, wieso soll man dann nicht auch gleich diese Seite als Startseite einrichten?

Hier liegt eine Gefahr für die Suchmaschinen: Wenn immer mehr Verkehr über die Social Networks läuft, wie sollen die Suchmaschinen dann ihre astronomischen Wachstumszahlen beibehalten? Allein als Add-on-Funktion auf anderen Seiten geht das nicht, meint die FT. Wahrscheinlich einer der Hauptgründe, wieso sich Google so energisch in den Markt der Social-Network-Applications drängt.

Mit seiner OpenSocial Initiative lädt Google ähnlich wie Facebook alle Entwickler ein, Anwendungen für diese Seiten zu programmieren. Die Strategie dahinter: Google will das Feld nicht Facebook überlassen. Dort kann auch jeder eigene Applikationen entwerfen, aber eben nur für Facebook. Google will sich nun zu einem Art Meta-Social-Network-Dienstleister machen, der Dienste für alle Seiten bietet und somit über allem steht und sicherstellt, dass Google nicht den Anschluss an diese Entwicklungen verliert. Denn das würde vor allem bedeuten, dass Google ein sehr lukratives zukünftiges Werbefeld verloren geht. Zum anderen soll mit OpenSocial wohl sichergestellt werden, dass Google auch im Bereich Social Networking seinen Status als Meta-Seite bzw. Portal nicht verliert.

Samstag, 13. Oktober 2007

Die Zukunft des (mobilen) Internets: Nokia vs. Google

Eine der interessantesten Auswirkungen des Internets auf die (Medien-)Wirtschaft ist Konvergenz. Telekoms, klassische Medienkonzerne, Internet-Unternehmen, Mobilfunker, alle kommen sie aus unterschiedlichen Richtungen, und alle tummeln sie sich zusehends auf den gleichen Märkten (zumindest im Internet) und entwickeln dabei völlig neue Konkurrenz- und Kooperationsmodelle.

Das klassische Beispiel hierfür sind wohl Google und Microsoft. Kerngeschäft von Google: Internet-Suche und dazu passende Werbung. Kerngeschäft von Microsoft: Software für PCs. Das Internet macht es möglich, dass diese beiden Unternehmen trotzdem zu Erzrivalen werden, obwohl sie eigentlich auf zwei völlig unterschiedlichen Märkten agieren. Microsoft steigt in das (hochlukrative) Geschäft mit der Vermarktung von Suchmaschinen-Werbung (und der dazugehörigen Suchmaschine) ein, Google greift Microsoft im Gegenzug bei Office-Software an (Docs, Spreadsheets, Präsentationen als SaaS-Angebot).

Anderes Beispiel: IPTV macht's möglich, dass die Telekom selber ins Inhalte-Geschäft einsteigt (etwa mit der Übertragung der Bundesliga via Internet) und somit zum Konkurrenten von klassischen Fernsehsendern wird. Das war vor zehn Jahren noch undenkbar, ist aber toll. Denn: Konkurrenz belebt das Geschäft. Als Nutzer kann man sich darüber nur freuen.

Und dann ein aktuelles - und meiner Meinung nach das bedeutendste - Beispiel: Google gegen Nokia. Mittlerweile wird in der Werbewirtschaft unisono behauptet, das nächste große Ding heißt Mobile Advertising: Da kann man dem Nutzer nicht nur Werbung gemäß seinem Profil aufs Display spielen, sondern zusätzlich auch noch gemäß seinem Aufentahltsort. Die Tatsache, dass Mobile Advertising so enorme Wachstums- und Umsatzpotentiale vorhergesagt werden, führt dazu, dass sich auf diesem Markt wiederum grundverschiedene Unternehmen einnisten, die, wie bei obigen Beispielen auch, aus völlig gegensätzlichen Richtungen kommen: Das Werbeunternehmen und der Handy-Hersteller.

Beide haben Know-How im Umgang mit Handy-Software. Nokia ist Marktführer (über Symbian) bei Handy-Betriebssystemen, Google betreibt mit großem Aufwand seinen Einstieg auf diesem Gebiet (bei den Plänen für ein angebliches Google-Phone handelt es sich offensichtlich nicht um ein Gerät, sondern um ein Betriebssystem). Beide wollen unabhängiger von ihrem Kerngeschäft werden, dass sie jeweils dominieren: Google ist weltweiter Marktführer bei Suchmaschinen, Nokia ist Weltmarktführer bei Handys.

Dass Google, nachdem es bereits circa 60 Prozent aller weltweiten Suchanfragen verarbeitet, seine Wachstumsmöglichkeiten auf diesem Gebiet langsam ausgereizt sieht, steht außer Frage (auch wenn der Gesamtmarkt nach wie vor rasant weiter wächst). Logische Konsequenz: Der Eintritt in das noch fast unerschlossene Gebiet Mobile Advertising.

Bei Nokia fügt sich der Schritt in die neue Gesamtstrategie des Konzerns: Weg vom reinen Hardware-Hersteller, hin zum Software-Dienstleister und Internet-Unternehmen. Dazu passt auch das angekündigte Nokia-Social-Network und ein eigener Internet-Shop für Handy-Spiele und Mp3, als Konkurrenz zu Apples iStore. Ebenso wie die größte Übernahme der Firmengeschichte, der Kauf des Karten-Anbieters Navteq für 8,1 Mrd. $ (der auch Material für Google Maps und Earth liefert).

Logische Konsequenz des Ganzen: Google und Nokia stehen sich auf dem Mobilen Werbemarkt als Konkurrenten gegenüber. Dass Nokia ernsthaft den Einstieg in dieses Geschäft betreibt, steht angesichts der jüngsten Übernahmen wohl außer Frage. Ich finde, dass wird in Zukunft eine der spannendsten Geschichten sein - sowohl im Hinblick auf die Entwicklung des (mobilen) Internets als auch im Hinblick auf die zunehmende Konvergenz im Mediensektor.

Freitag, 21. September 2007

Googles Probleme mit dem eigenen Anspruch

Dass Google Probleme hat, sein eigenes Motto "Don't be evil" glaubhaft zu vertreten, ist bekannt. Die FT hat dazu einen sehr interessanten Artikel veröffentlicht. Unter anderem mit einer erstaunlichen Wendung von Google gegenüber DoubleClick:

"Just two years ago, the Financial Times has established, Google abandoned a potential acquisition of DoubleClick. At the time there were concerns that a fundamental part of the way the online advertising company does business – using “cookies” to collect banks of data on users so it can target adverts to them – conflicted with the much-touted ethical principles of Google’s founders, though that is not understood to have been one of the main reasons the deal fell through.

By proceeding with a deal in the spring, Google showed how it has struggled to apply its cherished business principles in practice, including its well-known internal motto: “Don’t be evil.”"

Interessant: Vor zwei Jahren war Google die Cookie-Praxis von DoubleClick noch zu "böse". Cookies einsetzen, um Werbe-Targeting zu verbessern? Nicht mit Google. Doch wenn eine Firma so rasant wächst wie Google und auf zig Märkte - horizontal wie vertikal - vordringt, geht im Laufe der Zeit wohl auch das eine oder andere Mal eine Aktion vonstatten, die schon nicht mehr ganz so un-evil ist.

Da empfiehlt dann auch der Wirtschaftsprofessor aus Harvard:

"“When you’re a grown-up company,” says David Yoffie, a professor at Harvard Business School, “ ‘Don’t be evil’ is too simplistic. You have to evolve it and develop it.”"

Mit anderen Worten: Ist man erstmal so groß wie Google, sollte man ein Motto mit einem derartigen Absolutheitsanspruch wohl lieber über Bord werfen. Ansonsten läuft man Gefahr, sich selbst ein klein wenig unglaubwürdig zu machen.

Und die FT liefert noch weitere Beispiele, dass Google sich schon längst mich mehr an das eigene Motto hält:

"Google’s decision early last year to launch a censored search engine in China became an early lightning rod, since its stance appeared so clearly at odds with its self-declared mission – to make “the world’s information universally accessible and useful”."

Und:

"A small number of cases that have thrown a harsh light on the practices of some members of its salesforce appear to justify that early caution. Earlier this year, two Google salesmen antagonised some of the biggest media companies by actively recommending the search engine’s advertising system for use by websites that make money by distributing pirated content.

More recently, an over-zealous advertising rep wrote on a Google blog that advertising on the search engine could be a useful vehicle for interest groups seeking to counter criticism of the US healthcare system made by filmmaker Michael Moore.
"

Trotz alledem: "Don't be evil" ist ein klasse Motto, weil es bei jedem wegen seiner Eingängigkeit hängen bleibt. Und ein großen Teil zu der Andersartigkeit von Googles Image beiträgt. Es wäre wirklich schön, wenn Google sich ab und zu an seine Anfänge erinnern würde. Und, angesichts des eigenen enormen finanziellen Erfolgs eventuell zugunsten des guten Images auf die ein oder andere fragwürdige Transaktion verzichten würde. Das wäre mal ein wirklicher PR-Coup.

Mittwoch, 19. September 2007

Google versteigert jetzt auch Plakate...

...und macht dafür sogar Werbung im Real Life. Das ist neu. Sonst lässt seine Google seine Produkte / Dienste eher für sich selbst sprechen. Marketing wird höchstens bei Geeks / Early Adopters betrieben. Das sieht dann so aus:


Und das Bild wurde nicht in irgend einer hippen Innenstadt aufgenommen (was nicht unschwer zu erkennen ist) , sondern im Hinterland von New York State.

Montag, 3. September 2007

Google und das Handy

Und nochmal Google: Dass die Kalifornier angeblich dabei sind, ein Handy zu entwickeln, hat sich ja schon längst herumgesprochen. Interessant finde ich die These, dass das Gerät wohl nicht als Konkurrenz zu Apples iPhone gedacht sein soll, sondern eher eine Art 100-Dollar-Laptop im Handy-Format werden soll. Vermarktet werden soll es wohl vor allem in Emerging Economies (gibt es dafür eigentlich eine passende deutsche Entsprechung?), unter anderem auch in Indien.

Das überraschende ist dabei, dass Google bis jetzt ein reines Dienstleistungsunternehmen ist und der Suchmaschinenriese null Erfahrung auf dem Gebiet der Hardwareentwicklung hat. Aber Erfahrung kann man sich ja (in Form von Personal) kaufen. Oder Outsourcen.

Dass Google sich für das Geschäft mit Handys - im weitesten Sinne - interessiert, ist klar, seitdem bekannt wurde, dass das Unternehmen für neue Mobilfunklizenzen in den USA mitbietet. Noch ein spannendes Feld: Wird Google unter die Netzbetreiber gehen? Wenn ja, wie soll das finanziert werden?

Das ist die spannendste Frage bei dem ganzen Tohuwabohu um Googles Handy-Ambitionen: Vermutlich versucht Google, ein komplett entgeltfreies Mobilfunknetz aufzubauen, eventuell sogar mit dem dazu passenden (sehr günstigen) Handy. Da Google ein Werbeunternehmen ist und sich bekanntermaßen auf allen wichtigen Kanälen, über die Werbung gesendet werden kann, etabliert, ist der Schritt in den Handymarkt nur die nächste Konsequenz.

Insbesondere, wenn man bedenkt, dass "Mobile Marketing" oder "Location based Advertising" das nächste große Ding in der Werbewirtschaft sein soll. Da muss Google natürlich präsent sein. Man stelle sich nur vor, was für Ansprachemöglichkeiten für die Werbungtreibenden sich auftun, wenn sie jeden Nutzer individuell und ortsabhängig ansprechen könnten. Da winken viele Dollarscheine für Google.

Wenn die Googler davon überzeugt sind, dass sie ihre AdSense-Technik und ihr Know-how im Umgang mit Nutzerdaten und -statistiken nutzen können, stehen die Chancen wohl nicht schlecht, dass die Suchmaschinenfirma tatsächlich ein komplett (für den Nutzer) kostenfreies Mobilfunknetz auf die Beine stellt, dass sich ausschließlich über Werbung finanziert. Selbst der Preis des "G-Phone" konnte auf diese Art durch Werbung subventioniert werden.

Allerdings: Kann ein Unternehmen mit ca. 13.000 Mitarbeitern wirklich aus dem Stand ein den eigenen Qualitätsansprüchen genügendes Handy und ein komplettes, landesweites Mobilfunknetz auf die Beine stellen?

Sonntag, 2. September 2007

Wer hat Angst vor Google?

Ich bin ja unheimlich fasziniert von dem Unternehmen Google. Ich finde es beeindruckend, wie innerhalb von nicht einmal einem Jahrzehnt aus einem Startup ein internationales Unternehmen geworden ist, das an der Börse mehr wert ist, als GM, Ford, DaimlerChrysler und VW zusammen. Beeindruckend auch, wie Google innerhalb von nur wenigen Jahren zum beliebtesten Arbeitgeber bei amerikanischen Studenten geworden ist. Und nicht weniger beeindruckend, wie unaufhaltsam der Aufstieg von Google in nahezu allen Bereichen, in denen die Firma tätig ist, anhält. Von Quartal zu Quartal wird ein Umsatz-, Gewinn- und Nutzerzahlenrekord nach dem anderen aufgestellt und gleich im nächsten Quartal schon wieder übertroffen. Wie gesagt, beeindruckend.

Erstaunlich ist dabei auch, dass es Google gelungen ist, trotz dieses rasanten Wachstums und trotz der dominanten Stellung, die man auf dem Suchmaschinenmarkt hat, in der öffentlichen Wahrnehmung als sehr positiv dazustehen (allerdings mit Ausnahmen bei den Leuten, die sich etwas mehr als andere für Datenschutz interessieren - denen war und ist Google schon immer nicht ganz geheuer). Einen Teil dazu beigetragen hat mit Sicherheit Googles selbst ausgerufenes Firmenmotto: "Do no evil". Ein PR-Kenner würde sagen: Ein kluger, weil einprägsamer und - gegenüber etablierten Branchenvertretern (Microsoft & Co) deutlich alleinstellender Slogan.

Dass Google den Menschen im Alltag - ganz besonders den Studenten und Menschen in wissensintensiven Berufen - das Finden von Informationen enorm erleichtert hat, hat sicherlich auch einen großen Teil dazu beigetragen, dass ein Großteil der westlichen Bevölkerung Google mit großen Sympathien entgegenkommt. Welches andere Unternehmen kann sich schon rühmen, dass man mit seinem Namen im Duden steht ("googeln")?

Etwas zynischer klingt meiner Meinung dagegen schon der Ausspruch von Google-CEO Eric Schmidt, wenn er sagt, dass es nicht Googles primäres Ziel sei, Geld zu verdienen. Man wolle vor allem alle Informationen der Welt zugänglich machen. Das klingt zwar ganz nett und nach altruistischem Gutmenschentum, hat aber mit der Realität wohl nicht ganz so viel zu tun (zumindest in dieser Rangfolge der Unternehmensziele). Und man muss schon recht blauäugig sein, um ein solches Statement für bare Münze zu halten.

Trotzdem zeigt das ständige Wiederholen dieses von Google selbst ausgegenebenem obersten Unternehmsziel (die Informationen der Welt zugänglich zu machen) deutliche Wirkung. Bei so ziemlich jeder Präsentation eines neuen Google-Produkts schreien zunächst die auf, die sich in ihrer Existenz bedroht fühlen (Zeitungsverlage bei Google News, Buchverlage bei der Book Search). Die breite Öffentlichkeit, wie auch nach und nach ein Großteil der Medien, scheint aber doch Sympathien für das mit den neuen Produkten verbundene Unternehmensziel zu haben. So zumindest erkläre ich mir den geringen Widerstand, der sämtlichen Google-Produkten entgegengebracht wird. Der Erfahrungs- und Nutzenwert überwiegt dann doch alle Bedenken.

Bis jetzt kennt Google nur rasantes Wachstum. Viele Beobachter meinen aber, dass der Suchmaschinenbetreiber in naher Zukunft seine erste Krise überstehen muss, bzw. sich mit einem deutlich verlangsamten Wachstum abgeben muss. Diese Woche kündigte der Google-CFO George Reyes zum Ende des Jahres seinen Rücktritt an. Er ist 53 Jahre alt, arbeitet seit 2002 bei Google und hat in dieser Zeit einen dreistelligen Millionenbetrag verdient. Da kann man sich dann auch mal zur Ruhe setzen. Scheidet man aber mit Anfang 50 freiwillig aus einer Top-Position bei so einem Unternehmen einfach so aus? Oder ist das das erste Anzeichen für heraufziehenden Ärger im Silicon Valley?

In einer großartigen Titelgeschichte beschreibt der Economist in seiner aktuellen Ausgabe, wo es überall hakt bei Google. Und, wenn man mal die "Do no evil"-Brille beiseite legt, erkennt man: Auch ein vermeintlich unverwundbares Unternehmen zeigt sich anfällig für Probleme. So berichten in dem Artikel mehrere Ex-Googler (Xoogler genannt), dass sich viele der tollen Mitarbeiterprivilegien als zwiespältig entpuppen: Gratismassagen-, essen und -sporteinrichtungen sind toll, allerdings wird dafür auch fast unbegrenzter (zeitlicher) Einsatz für die Firma verlangt. Von der viel gelobten 20-Prozent-Regel (Angestellte sollen 20 Prozent ihrer Arbeitszeit ausschließlich für die Dinge verwenden, die ihnen Spaß machen), heißt es, sie käme eher einer "120-Prozent-Regel" gleich. Anerkennung für Arbeitsleistung sei sehr ungleich verteilt: Software-Ingeneure sind die Götter, die Menschen, die den ganzen Laden finanzieren, müssten angeblich mit deutlich weniger Gegenliebe klarkommen. So würden viele von Googles hochtalentierten Mitarbeitern das Unternehmen sobald verlassen, wie die Aktienoptionen fällig werden (in der Regel nach drei Jahren), um beim nächsten, noch hipperen Start-up anzuheuern.

Neben diesen eher HR-bezogenen Problemen tun sich für Google aber noch weitere Baustellen auf: Die eingangs beschriebene Saubermann-Fassade beginnt, erste Risse zu bekommen. Nach mittlerweile über drei Jahren an der Börse (in dieser Zeit ist der Google-Aktienkurs von 85 auf momentan 515 $ gestiegen) ist deutlich geworden, dass Google, wie auch jedes andere Unternehmen, zumindest teilweise von den Erwartungen der Börse und den allmächtigen Analysten getrieben ist, jedes Quartal neue Wachstumspotentiale aufzuzeigen. Da wird dann schon mal im einen oder anderen Fall der höheren Proftabilität zuliebe das eine oder andere Auge zugedrückt, wenn man sich zwischen "do no evil" und Gewinn entscheiden muss.

Das China-Dilemma, vor dem viele westliche Internetkonzerne stehen, macht auch vor Google nicht halt: Kooperation mit den örtlichen Behörden und somit Mitarbeit an einem Überwachungssystem für den Zutritt auf einen gigantischen Wachstumsmarkt (schon jetzt leben in China nach den USA die meisten Internetnutzer), oder lieber ganz darauf verzichten? Geht das noch, wenn Analysten bei letzterem sofort Alarm schlagen würden? Durch die Aufteilung der Aktien in Class A- und Class B-Shares (letztere haben ein 10-mal höheres Stimmrecht und gehören mehrheitlich den beiden Gründern) ist zwar gesichert, dass keine fundamentale Entscheidung gegen die Gründer getätigt werden kann, trotzdem ergibt man sich mit einem Börsengang immer ein Stück weit den Gesetzmäßigkeiten des Kapitalmarkts.

Dazu kommen noch viele weitere Problemfelder: Mittlerweile gilt Google nicht mehr nur ein paar Datenschützern als Dorn im Auge, auch immer größere Teile der Öffentlichkeit rümpfen die Nase über Googles dominante Stellung, vor allem auf dem Markt für Suchmaschinen. Die Parallele liegt nahe: Wird Google für Suchmaschinen das, was Microsoft für Betriebssysteme ist?

Und dann gibt es ja noch diese Sache mit der Zukunftsvision, in der Google alles beherrscht, was irgendwie mit Informationsverarbeitung zu tun hat. Davon sind wir - glücklicherweise - noch weit entfernt, aber es ist unverkennbar, dass Google dabei ist, sich auf sämtlichen Werbemärkten aufzustellen, von Paid Search über das AdSense-Programm über Videowerbung in Youtube-Filmchen, Banner- und Popup-Werbung (durch die DoubleClick-Übernahme), Werbung in Computerspielen, Werbung in Newsfeeds und Emails, bis hin zur Vermarktung von Offline Medien, wie Radio, TV und Zeitungen: Google ist überall aktiv. Und gewinnt überall an Marktanteilen.

Stellt sich nur die Frage, ob sich das die Öffentlichkeit, die Medien (sowohl politisch als auch finanziell: Ein Riesen-Google wäre ein sehr schwieriger Verhandlsungspartner, allein wegen der schieren Größe) und die Wettbewerbshüter auf Dauer gefallen lassen werden - bei dem DoubleClick-Kauf haben ja schon viele Alarm geschrien, auch wenn ironischerweise gerade Microsoft (mit MSN einer von Googles zwei Hauptkonkurrenten) dabei der lauteste Beschwerdeführer war.

Dazu hat sich Google, neben den bestehenden Problemen durch Google News und die Büchersuche, mit der Youtube-Übernahmen noch einiges an zukünftigen Rechtsstreitigkeiten aufgeladen. Ich denke, es ist unbestritten, dass Youtube einen großen Teil seines Erfolgs der Tatsache verdankt, dass man dort dutzende Ausschnitte seiner Lieblings-Fernsehsendungen angucken konnte - ohne dass diese von Youtube dafür Geld bekommen hätten. Youtube hat sich also auf dem Rücken der Inhalteproduzenten nach oben gebracht. Dafür wird nun wohl Google das eine oder andere mal zahlen. Immerhin macht man sich jetzt auch in Deutschland Gedanken darüber, wie man gegen Nazi-Videos auf Youtube "nachhaltig" vorgehen kann.

Ich denke, dass Google auch in Zukunft noch viel Platz für Wachstum ausfindig macht und auch nutzt. Allein die durch die zunehmende Konvergenz der Medien zu erwartenden Vorteile, die sich einem so komplett integrierten (sprich: in allen Medien vertretenen) Werbekonzern wie Google auftun, wird sich wahrscheinlich als hoch effektiv herausstellen. Gepaart mit Googles imensem Wissen über das Anlegen, Warten und Nutzbarmachen von Nutzerstatistiken wird sich dieser Effekt noch verstärken: In Zukunft kann Werbung in den digitalen Medien nahezu für jeden Nutzer individuell geschaltet werden, und ein Know-how über Nutzerstatistiken, wie es Google besitzt, ist dann Gold wert.

Nichtsdestotrotz wird Google mit detutlich mehr Problemen zu kämpfen haben, als der Suchmascheinen-Gigant das bisher je gewohnt war. Der Aktienkurs kann schlichtweg kaum noch so signifikant wie in letzter Zeit steigen. Und wenn erst mal die Geldmaschine anfängt zu quietschen, wird sich auch in der amerikanischen Öffentlichkeit die Einstellung zu Google ändern. Privacy-Bedenken mobilisieren nur eine kleine Minderheit - insbesondere im Zeitalter des Web 2.0, wo die Leute eh vieles von sich ganz freiwillig preisgeben. In der Shareholder-Value-interessierten amerikanischen Öffentlichkeit kann eine jahrelange Seitwärtsbewegung einer ehemaligen Lieblingsaktie dagegen schon ganz was anderes bewirken.