Freitag, 31. August 2007

In zehn Jahren ist die Zeitung tot...

...und nicht Google. Der Chef eines der größten deutschen Zeitungsverlage, Christian DuMont Schütte, beschwert sich in der FAS über Google, die würden so rapide wachsen, und das auf Kosten der traditionellen Verlage. Die Sache mit Google News haben die meisten Traditionalisten offensichtlich immer noch nicht verwunden.

Das Ding ist aber: Wer sich derart gegen neue Entwicklungen stemmt, ist am Ende meistens derjenige, der in die Röhre guckt. Dazu gibt es eine schöne Analogie aus der Tierwelt, die man in den USA gerne als Parabel zur renitenten Zeitungsindustrie erzählt: Wirft man einen Frosch in kochend heißes Wasser, springt er sofort heraus und rettet sein Leben. Setzt man ihn dagegen in einen Topf mit kaltem Wasser und erhitzt dieses ganz langsam, bleibt er im Topf sitzen und stirbt.

Die Moral von der Geschichte: Viele Zeitungshäuser verhalten sich wie der Frosch im zunächst kalten Wasser. Man hat sich an seine so schön angenehme Umgebung gewohnt, verpasst dann aber irgendwann den Punkt, an dem es angebracht wäre, sich zu ändern. Besser, man ergibt sich der Realität und versucht, sich dieser so gut wie möglich anzupassen. Dazu muss man dann auch mal seine Wut auf Google runterschlucken und nach Kooperationen eingehen, wo es nur geht. Dann überlebt man auch ohne Probleme im digitalen Zeitalter. Ansonsten sind Leute wie DuMont in zehn Jahren raus aus dem Geschäft.

Mittwoch, 22. August 2007

Das iPhone wird zur Cash-Cow

So weit kann der Hype eine Firma tragen: Apple hat Exklusivverträge für die Vermarktung des iPhones in Deutschland (Telekom), UK (O2) und Frankreich (Orange) abgeschlossen. Der Hammer dabei: Dafür, dass die entsprechenden Telekoms das iPhone ein halbes Jahr lang exklusv vertreiben dürfen, müssen sie Apple zehn Prozent aller mit dem Gerät erzielten Umsätze abgeben. Unglaublich. An so eine Idee würden Nokia, Motorola und Co vermutlich nicht mal im Traum denken.

Apple kann sich das erlauben, weil die Nachfrage nach dem iPhone - dem Mega-Hype sei dank - so astronomisch hoch ist. Also dachte man sich wahrscheinlich: Wieso nur einmal für das Gerät abkassieren, wenn man gleichzeitig auch noch monatliche Zahlungen per Gerät rausschlagen kann?

Es wird auf jeden Fall interessant sein, zu sehen, wie die Telekoms mit ihrer Preisgestaltung darauf reagieren: Werden iPhone-Verträge teurer als ihre vergleichbaren Pendants? Oder darf man als Europa-Kunde gleich beim Kauf einen saftigen Aufschlag zahlen? So oder so: Apple darf sich schonmal die Hände reiben.

Google + Youtube + Nutzerprofile = Viel Geld

Wieso hat eigentlich Google 1,65 Mrd. $ für Youtube bezahlt? Seit November 2006 grübelten die neuen Besitzer scheinbar, wie sich mit einer Videoseite für User-generated-content Geld verdienenen lässt. Viel Geld, halt im Google-Stil. Scheinbar war das schwerer als gedacht, jedenfalls verwundert es schon, dass das Vorzeige-Internet-Unternehmen so lange dafür brauchte, ein vernünftiges Geschäftsmodell für Youtube aufzustellen.

Jetzt ist es raus: Ab heute gibt es in vielen Videos Werbung, (das hatte "Miss Google" Marissa Mayer ja schon im Februar angekündigt). Die Herangehensweise finde ich dabei recht interessant: Es gibt kein Preroll, wie man das von so vielen anderen Websites mit Videoangeboten gewohnt ist, sondern während das Video abläuft, öffnet sich im unteren Fünftel des Bilds (ähnlich des Crawls bei den Nachtrichtensendern) ein Hinweis auf eine Werbung. Der Werbeclip füllt erst den ganzen Bildschirm, wenn der User auf den Hinweis klickt. Danach kann er sich die Werbung anschauen, aber auch jederzeit bei Klick wieder zum ursprünglichen Video zurückkehren.

Problematisch ist dabei dann nur noch, dass sichergestellt werden muss, dass Werbung nur in Clips kommt, neben denen sich die werbungtriebenden Unternehmen auch präsentieren wollen. Also nicht neben verwackelten Amateuraufnahmen, in denen ein Teenie erzählt, was denn seine Katze gestern wieder angestellt. Oder neben Material, das ohne Copyright-Erlaubnis bei Youtube eingestellt wurde.

Interessant wird zu beobachten sein, wie Google mit der Werbung auf Zielgruppen eingeht. Channels und Userprofile gibt es ja bei Youtube schon, da kann man die Werbung wunderbar genau, nahezu individuell für jeden Benutzer zugeschnitten, schalten.