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Sonntag, 25. Mai 2008

Was die Kommunikationswissenschaft leisten könnte - aber noch lange nicht tut

Die Wissenschaft hat viele Namen: Publizistik, Kommunikationswissenschaft, manchmal auch Medienwissenschaft. Gemeinsam ist ihnen allen, dass sie sich die Medien als Untersuchungsobjekt ausgewählt haben. In Zeiten, in denen viele Experten von einer „mediatisierten“ Gesellschaft sprechen, einer Gesellschaft, in dem Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport zunehmend nach den Gesetzen der Medien ticken bzw. sogar nur wegen den Medien existieren, ist einer kritische wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den Medien und eine Analyse derer, die sie machen und bestimmen, zwingend geboten.

Kommunikationswissenschaftliche Studiengänge erfreuen sich großem Zulauf an den Universitäten. Schließlich ist der Wunsch vieler Abiturienten nach wie vor ungebrochen, später mal „was mit Medien“ zu machen. Und wo sich viele Studenten einschreiben, werden auch – ja, auch so etwas gibt es noch – neue Professuren geschaffen.

Zwischen dem, was sich Erstsemester von ihrem Kommunikationswissenschafts-Studium erhoffen und dem, was die Universitäten anbieten, liegt allerdings eine riesige Lücke. Das zu bemängeln, wäre müßig, denn normalerweise sollten sich angehende Studenten eingehend darüber informieren, was ihnen ihr zukünftiges Studium genau bietet. Die Universität muss hier nicht auf die (realitätsfernen) Vorstellungen der Studenten eingehen. Wer etwas „mit Praxis“ lernen will, kann eine Ausbildung machen oder an eine FH gehen.

Universitäten sollen ein theoretisches Wissen und, wie im Fall der Publizistik- oder Kommunikationswissenschaft, einen sicheren Umgang mit den Methoden der empirischen Sozialforschung ermöglichen. Und diese Wissenschaft an sich soll darüber hinaus im Idealfall auch als kritischer Beobachter der Medien und ihrer Wirkungen auf oben genannte Bereiche der Gesellschaft fungieren. Aber genau hier liegt das eigentliche Problem der Kommunikationswissenschaft.

Denn sie ist eine Wissenschaft, die leider zur Geschwätzigkeit neigt. Nimmt man sich eines der vielen Fachjournale zur Hand, findet man darin grundsätzlich einen Artikel, von dem man weder weiß, was genau der Autor / die Autorin nun genau damit sagen möchte. Dazu kommt, dass man sich nicht selten fragen muss, was genau denn nun so wichtig an Fragen ist, wie etwa „parasoziale Verbindungen zwischen Zuschauern und Soap-Charakteren“. Auch werden wahrscheinlich nur ein paar Promille der Gesamtbevölkerung verstehen, was sich hinter „Instrumenteller Aktualisierung“ verbirgt. Und wer es versteht, wird sich ganz ernsthaft fragen, wo genau der gesellschaftliche Gewinn anhand der Erkenntnis dieses „Phänomens“ liegt.

Kurzum: Die Kommunikationswissenschaft arbeitet leider extrem kurzsichtig. Oftmals hat sie wirklich potentiell hoch interessante, und auch für die gesamte Gesellschaft sehr bedeutende, Themen direkt vor sich liegen. Doch anstatt dass man sich an den Lehrstühlen den wirklich relevanten Themen annimmt, werden diese anderen Fachbereichen freiwillig überlassen.

Beispiel 1: Bei der geplanten Übernahme von ProSieben-Sat.1 durch Axel Springer waren es vor allem Juristen, die die Probleme für eine pluralistische Meinungsbildung durch diese Fusion aufzeigten. Hat aber die Kommunikationswissenschaft nicht ein deutlich schärferes Instrumentarium zur Hand, um der Öffentlichkeit die bei dieser Fusion drohenden Konsequenzen für die Meinungsfreiheit aufzuzeigen? Leider wurden diese überhaupt nicht genutzt, stattdessen waren es einmal mehr nur die Juristen, deren Meinung in der Öffentlichkeit gefragt war.

Beispiel 2: Mit dem Aufkommen des Internet bahnen sich massive Veränderungen in der Medienlandschaft und dem Mediennutzungsverhalten des einzelnen Menschen an. Das Internet birgt sowohl ein enormes Potential für die Demokratisierung und Aufklärung breiter Bevölkerungsschichten. Die komplette Medienwirtschaft wird vom Internet durcheinander gewirbelt. Gleichzeitig zeigen sich Gefahren für den Zusammenhalt von Gesellschaften und Gruppen auf. Besetzt die Kommunikationswissenschaft dieses Thema, obwohl es zu ihrem ureigenstem Arbeitsgebiet (Medien -> Medienwirkungen -> Gesellschaft) gehört? Nein, das Rampenlicht wird abermals Juristen und Soziologen überlassen.

Dazu kommt, dass die Kommunikationswissenschaft regelmäßig zu kurz greift. Während Disziplinen wie Politikwissenschaft, Soziologie oder Psychologie über ein nahezu unbegrenztes Erkenntnisfeld verfügen, muss sich die Kommunikationswissenschaft (momentan) immer nur auf das kleine Feld „Medien“ beschränken. So werden gerade auch bei wirklich interessanten Forschungsansätzen oft kurz vor der wirklich spannenden Erkenntnis Halt gemacht, da das dann nicht mehr zum Erkenntnisgebiet dieser Wissenschaft gehört. Die Lorbeeren ernten dann andere Wissenschaften.

Die Moral von der Geschichte: Die Kommunikationswissenschaft hat enormes Potenzial, das aber kaum genutzt wird. Damit sie aus ihrem traurigen und unbedeutenden Nischendasein heraus kommt, müssen sich zwei Dinge ändern:

  1. Es müssen neue Wissenschaftler her, die sich nicht mehr so derart sklavisch und weltfremd der Entwicklung und Anwendung von sozialwissenschaftliche Methoden verschreiben. Es gibt, wie oben beschrieben, so viele Forschungsfelder, die noch komplett unbesetzt sind, auch weil viele altgediente C4-Professoren die neuesten Entwicklungen kaum noch begreifen, bzw. begreifen können.
  2. Die Kommunikationswissenschaft muss sich in vielen Fällen von ihrer Zwangsjacke befreien, die es ihr verbietet, interessante Felder zu bearbeiten, nur weil das mit dem bestehenden, strengen Methodenkorsett nicht möglich ist.

Nur so ließe sich die gesellschaftliche Bedeutung der Kommunikationswissenschaft erreichen, die sie eigentlich in unserer Mediengesellschaft verdient. Es wäre ein langer und harter Weg. Aber es ist möglich.

Donnerstag, 22. November 2007

Meinungspluralismus im Internet: Eine Gefahr für die Gesellschaft?

Wer sich mit dem Thema "Internet und Demokratie" beschäftigen will, kommt momentan an einem Buch nicht vorbei: Republic.com 2.0 von Cass Sunstein. Sunstein ist Jura-Professor an der University of Chicago und hat bereits mit dem Vorgänger dieses Buches, Republic.com, für einigen Aufruhr unter Internet-Enthusiasten gesorgt.

Seine Kernthese: Das Internet bietet erstmals in der Geschichte der Gesellschaft die Möglichkeit, dass die Bürger nur noch ausschließlich das lesen und hören, was sie selbst wollen. Online-Ausgaben von Tageszeitungen bieten Individualiserungsfunktionen, Suchmaschinen bieten den Nutzern die Möglichkeit, sich seine Informationen selbst zusammenzustellen.

Die Konsequenz dieser Tendenz zur "Daily Me" laut Sunstein: Nutzer begeben sich in "Echo-Kammern", wo sie nur ihre Meinung in tausendfacher Verstärkung wahrnehmen. Die Berührung mit Themen, die den Einzelnen vielleicht nicht interessieren, deren Bekanntheit aber von gesellschaftlicher Bedeutung ist, findet nicht mehr statt.

Dass sei das, behauptet Sunstein, was früher "Parks und Bürgersteige" sicherstellten, später die millionenfach geguckten Abendnachrichten. Was aber, wenn sich künftig jeder selbst bestimmen kann, mit welchen Nachrichten er konfrontiert wird? Das Problem daran wäre, dass das die Grundlage von Polarisierung und Extremisierung bildet.

Sunstein ist zwar Rechtswissenschaftler, bearbeitet mit diesem Thema aber ein Thema, das eigentlich Kommunikationswissenschaftler anziehen sollte. Tut es aber leider nicht. Das wäre aber hilfreich gewesen, denn teilweise könnte man das, was Sunstein auf 50 Seiten schreibt, auch auf 5 Seiten zusammenfassen, wenn man Kenntniss von den entsprechenden (sozialpsychologischen) Theorien hätte. Wie z.B. den Ursachen für selektive Mediennutzung.

Trotzdem trifft er einen entscheidenden Punkt: Wer nur mit seinesgleichen kommuniziert und nur immer wieder mit seinen eigenen Ansichten konfrontiert wird, wird in Bezug auf diese Meinung zu einer immer extremeren Position tendieren. Sunstein nennt das "Group Polarization". Die vorhandene Meinung wird somit immer weiter verstärkt. Das geht noch weiter: Konservative verlinken nur zu Konservativen, radikale Datenschützer nur zu radikalen Datenschützern, Umweltschützer nur zu Umweltschützern. So bleiben alle unter sich. Ist das aber schlimm für die Demokratie?

Ja, denn dadurch geht teilweise das verloren, was man in den USA "social glue" nennt. Also die Kenntniss und Teilnahme an identitätsstiftenden und verbindenden Ereignissen und Debatten. Diese hätten einen in der Vor-Internet-Zeit früher oder später in den Parks und Bürgersteigen, oder halt in den Abendnachrichten, mitgekriegt. Nun aber kann man das komplett vermeiden. Und darin liegt das Problem.

Ich würde nicht soweit gehen, zu behaupten, dass "democracy is the first casualty of political discourse in the digital age."" Nach wie vor gibt es, auch im Internet, Aggregatoren, die massenweise Menschen anziehen und eine weite Palette an Meinungen und Themen bieten. Nicht umsonst sind die Seiten der großen amerikanischen Tageszeitungen, wie New York Times (liberal) und Wall Street Journal (konservativ) auch im Internet einige der meistgenutzten Angebote.

Die Frage, die Sunstein angesichts der Gefahren für die Demokratie durch das Internet zu erkennen glaubt, ist: Sollte der Staat hier regulierend eingreifen? Im Fernsehen gibt es (in den USA nur marginalisiert, bei uns sehr bedeutend) den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, der, laut der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts, die Meinungsfreiheit sicherstellt. Sollte es auch im Internet so etwas wie "Must-Carry" Angebote geben, also Inhalte, die alle Seiten anbieten müssen, um den Kontakt der Nutzer mit diesen wichtigen Themen sicherzustellen? Das zumindest ist ein Vorschlag von Sunstein, den er allerdings gleich selbst wieder verwirft. Trotzdem bleibt die Gefahr, dass die Demokratie durch die Fragmentierung der Kommunikation zumindest bedroht werden könnte.

Wie realistisch ist diese Befürchtung? Birgt das Internet, nicht das Potenzial, dass sich dank der Weisheit der Massen immer das Richtige durchsetzt? Nein, sagen einige: Das Internet bietet damit nicht das Potenzial, dass sich Richtigkeit immer durchsetzt, sondern sich die Wahrheit durchsetzt, die am vehementesten vertreten wird. Jaron Lanier hat dafür den wunderbaren Begriff Digitaler Maoismus geprägt. Also doch nicht alles so positiv, was das Internet bietet?

Ist das Internet nun eine Gefahr oder wirklich eine ungemeine Unterstützung für die Demokratie(sierung)? Wahrscheinlich beides. Sunstein und Lanier zeigen auf sehr anschauliche Weise, wo die Gefahren liegen. Blogs aus Krisengebieten, Unterstützung für Dissidenten, eine Vereinfachung der politischen Partizipation und Willensbildung und noch vieles, vieles mehr sind dagegen die positiven Aspekte des Internets.

Regulierung macht daher weder Sinn, noch ist ist sie annäherungsweise durchführbar. Trotzdem könnte gerade Sunstein mit seinen Thesen vielen Leuten die Augen öffnen und Bewusstsein für die Probleme erzeugen, die mit der Verbreitung des Internets einhergehen. Vor allem, dass eine massenweise Verbreitung des Internets nicht zu einer Verbreierung von Meinungen, sondern zu einem isolierten parallelen Existieren von Partikularmeinungen führen kann, mit allen negativen Implikationen für Meinungs- und Redefreiheit, politische Aufgeklärtheit und Teilnahme, für den sozialen Zusammenhalt.

Donnerstag, 15. November 2007

Rettet Schleichwerbung das Fernsehen?

Das Fernsehen hat ein Problem mit dem digitalen Medienwandel: Ein Teil der Werbung wandert mehr und mehr ins Internet. Die Verbreitung von digitalen Videorekordern (zumindest außerhalb Deutschlands) sowie Video-on-demand machen ein Umgehen von herkömmlichen Werbeblocks immer einfacher. Das gefällt der Werbeindustrie verständlicherweise nicht.

Am 29. November wird die EU voraussichtlich endgültig die Einführung der neuen EU-Fernsehrichtlinie beschließen. Deren Kernbestandteil: Product Placement soll europaweit von den Mitgliedsländern innerhalb der nächsten zwei Jahre legalisiert werden. Die Idee hinter der Richtlinie, die mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit auf Druck der Medienindustrie entstand, ist, Werbung im Fernsehen unumgehbar zu machen. Das heißt: Wenn die Zuschauer die Werbeblöcke ignorieren, muss die Werbung eben andere Wege in die Köpfe finden. Und das ist in diesem Fall Product Placement. Diese Werbeform nennt man auch weniger schmeichelhaft Schleichwerbung und hat in Deutschland bekanntermaßen schon für den einen oder anderen Skandal gesorgt.

Denn Schleichwerbung ist in Deutschland, wie in vielen anderen EU-Mitgliedsländern auch, noch verboten. Der Zuschauer soll nicht Werbung ausgesetzt sein, ohne zu wissen, dass es sich um solche handelt. Wie die Zukunft der Fernsehunterhaltung auch hierzulande aussehen könnte, kann man im US-Fernsehen beobachten, wo es eine Restriktion gegen Schleichwerbung nie gab: Dort wurde dieses Jahr das erste Format getestet, dass sich komplett durch Product Placement finanziert und komplett ohne Werbepausen auskommt. In den USA nennt man das "Branded Entertainment".

Der Handlungsbedarf ist in den Staaten zwar größer, weil dort DVRs viel weiter verbreitet sind als in Europa. Trotzdem wird sich die Fernsehlandschaft wohl auch hier - mit ein paar Jahren Verzögerung - in diese Richtung verändern. Experten meinen, legalisiertes Product Placement würde der europäischen Fernsehindustrie helfen. Das ist sicher richtig. Ob das auch den Zuschauern gefällt, ist eine andere Frage.

Um das Überleben der TV-Industrie sicherzustellen, wird auf immer abstrusere Werbeformen zurückgegriffen. Die Zuschauer verlieren mit der EU-Richtlinie zwar nicht ihren Schutz vor Schleichwerbung, denn jedes Product Placement muss von den Sendern kenntlich gemacht werden. Ob sich damit dann noch ein störungsfreies Fernseherlebnis vereinbaren lässt, kann zumindest bezweifelt werden. Am Ende könnte Product Placement nicht die ersehnte Erlösung des Fernsehens vor schwindenden Werbeeinnahmen sein, sondern dessen Verfall noch beschleunigen.

Sollte Product Placement allerdings Werbeblöcke komplett ersetzen, könnte das alte Fernsehen doch wieder etwas attraktiver werden.

Samstag, 13. Oktober 2007

Die Zukunft des (mobilen) Internets: Nokia vs. Google

Eine der interessantesten Auswirkungen des Internets auf die (Medien-)Wirtschaft ist Konvergenz. Telekoms, klassische Medienkonzerne, Internet-Unternehmen, Mobilfunker, alle kommen sie aus unterschiedlichen Richtungen, und alle tummeln sie sich zusehends auf den gleichen Märkten (zumindest im Internet) und entwickeln dabei völlig neue Konkurrenz- und Kooperationsmodelle.

Das klassische Beispiel hierfür sind wohl Google und Microsoft. Kerngeschäft von Google: Internet-Suche und dazu passende Werbung. Kerngeschäft von Microsoft: Software für PCs. Das Internet macht es möglich, dass diese beiden Unternehmen trotzdem zu Erzrivalen werden, obwohl sie eigentlich auf zwei völlig unterschiedlichen Märkten agieren. Microsoft steigt in das (hochlukrative) Geschäft mit der Vermarktung von Suchmaschinen-Werbung (und der dazugehörigen Suchmaschine) ein, Google greift Microsoft im Gegenzug bei Office-Software an (Docs, Spreadsheets, Präsentationen als SaaS-Angebot).

Anderes Beispiel: IPTV macht's möglich, dass die Telekom selber ins Inhalte-Geschäft einsteigt (etwa mit der Übertragung der Bundesliga via Internet) und somit zum Konkurrenten von klassischen Fernsehsendern wird. Das war vor zehn Jahren noch undenkbar, ist aber toll. Denn: Konkurrenz belebt das Geschäft. Als Nutzer kann man sich darüber nur freuen.

Und dann ein aktuelles - und meiner Meinung nach das bedeutendste - Beispiel: Google gegen Nokia. Mittlerweile wird in der Werbewirtschaft unisono behauptet, das nächste große Ding heißt Mobile Advertising: Da kann man dem Nutzer nicht nur Werbung gemäß seinem Profil aufs Display spielen, sondern zusätzlich auch noch gemäß seinem Aufentahltsort. Die Tatsache, dass Mobile Advertising so enorme Wachstums- und Umsatzpotentiale vorhergesagt werden, führt dazu, dass sich auf diesem Markt wiederum grundverschiedene Unternehmen einnisten, die, wie bei obigen Beispielen auch, aus völlig gegensätzlichen Richtungen kommen: Das Werbeunternehmen und der Handy-Hersteller.

Beide haben Know-How im Umgang mit Handy-Software. Nokia ist Marktführer (über Symbian) bei Handy-Betriebssystemen, Google betreibt mit großem Aufwand seinen Einstieg auf diesem Gebiet (bei den Plänen für ein angebliches Google-Phone handelt es sich offensichtlich nicht um ein Gerät, sondern um ein Betriebssystem). Beide wollen unabhängiger von ihrem Kerngeschäft werden, dass sie jeweils dominieren: Google ist weltweiter Marktführer bei Suchmaschinen, Nokia ist Weltmarktführer bei Handys.

Dass Google, nachdem es bereits circa 60 Prozent aller weltweiten Suchanfragen verarbeitet, seine Wachstumsmöglichkeiten auf diesem Gebiet langsam ausgereizt sieht, steht außer Frage (auch wenn der Gesamtmarkt nach wie vor rasant weiter wächst). Logische Konsequenz: Der Eintritt in das noch fast unerschlossene Gebiet Mobile Advertising.

Bei Nokia fügt sich der Schritt in die neue Gesamtstrategie des Konzerns: Weg vom reinen Hardware-Hersteller, hin zum Software-Dienstleister und Internet-Unternehmen. Dazu passt auch das angekündigte Nokia-Social-Network und ein eigener Internet-Shop für Handy-Spiele und Mp3, als Konkurrenz zu Apples iStore. Ebenso wie die größte Übernahme der Firmengeschichte, der Kauf des Karten-Anbieters Navteq für 8,1 Mrd. $ (der auch Material für Google Maps und Earth liefert).

Logische Konsequenz des Ganzen: Google und Nokia stehen sich auf dem Mobilen Werbemarkt als Konkurrenten gegenüber. Dass Nokia ernsthaft den Einstieg in dieses Geschäft betreibt, steht angesichts der jüngsten Übernahmen wohl außer Frage. Ich finde, dass wird in Zukunft eine der spannendsten Geschichten sein - sowohl im Hinblick auf die Entwicklung des (mobilen) Internets als auch im Hinblick auf die zunehmende Konvergenz im Mediensektor.

Montag, 1. Oktober 2007

Die Zukunft des Fernsehens ist da...

...in Form von Joost. Gab es bisher nur als Beta-Test, ist aber ab heute frei für jeden zugänglich. Also auch für mich. Verglichen mit anderen IPTV-Programmen, wie z.B. Zattoo, Sopcast oder TVU steht schon nach ein paar Minuten fest: Joost ist die Nummer 1. Mit Abstand. Und zwar aus mehreren Gründen:

  • Riesige Programmauswahl. Während man bei Zattoo (zumindest in Deutschland) aus nur gerade einmal 21 Programmen wählen kann (Neben Comedy Central, MTV, DSF und Giga z.B. Tier TV, oder sumo.tv, aber immerhin: Al Jazeera English), ist das Angebot bei Joost zunächst fast unüberschaubar groß. Es werden auch überwiegend keine "herkömmlichen" Sender angeboten, deren Angebot einfach 1:1 per Stream eingestellt wird, sondern alles ist on demand abrufbar. Joost steht daher eher nicht in Konkurrenz zu den Standard-P2p-TV-Anbietern, sondern eher zu Videoportalen wie YouTube, MyVideo und Co. Und die Auswahl ist groß, sehr groß:


Über das Menu links kommt man zu einer Auswahl der Channels nach Genre sortiert, im großen Menu in der Mitte kann man aus den unzähligen Angeboten eines entsprechenden Genres auswählen.
  • Benutzerführung und "User Experience": Der allergrößte Pluspunkt von Joost. Wunderbar einfache Menüs, übersichtliche Benutzerführung und eine Menge Möglichkeiten, sich sein eigenen Channels zusammenzustellen. Also ganz wie bei Youtube. Nur viel schöner. Schaut man sich z.B. gerade eine Sendung an, genügt eine Bewegung mit der Maus, und an den vier Bildschirmkanten öffnen sich Shortcuts zu den einzigen Menus, die man braucht:


Oben gelangt man zum Menu des Channels (hier ein Kurzfilm-Kanal), rechts zu seinen individualisierten Programmen, links in die Channel-Auswahl, unten ist das Bedienungspanel des aktuellen Clips.

  • Joost läuft stabil und schnell. Muss man sich bei Zattoo und Co sehr häufig mit Aussetzern von Bild und Ton abgeben, läuft das bei Joost um Längen besser. Außerdem sehr kurze Buffer-Zeiten.
  • Eine Bild- und Tonqualität, die im Bereich IPTV ihresgleichen sucht, und teilweise nahe an herkömmliche Fernsehbilder heranreicht. Wer seine Augen und Ohren bisher mit den kleinen Videofenstern der anderen P2p-TV-Anbietern malträtiert hat oder an die Youtube-Fensterchen gewohnt ist, wird von Joost teilweise angenehm überrascht. Vor allem bei schnellen Bildwechseln hat Joost Probleme, ansonsten sieht das aber schon ganz nett aus:


Es ist wohl nur eine Frage der Zeit und der Massen-Verbreitung von VDSL, bis IPTV auch bei der Bildqualität mit HD-TV gleichzieht.

Man merkt, dass hinter Joost fähige Menschen stehen. Die Tatsache, dass man sich so lange Zeit mit dem Beta-Test gelassen hat, stellt sich als richtig heraus: Das Programm läuft fehlerfrei, und die schieren Mengen an Programmen, die man neuen Nutzern vom offiziellen Start weg anbieten kann, sollten ausreichen, um sich schnell eine große Zuschauerschar zu sichern.

Die Strategie, die man bei Joost dabei verfolgt, ist meiner Meinung im Zeitalter digitaler Medien die bis jetzt erfolgversprechendste, was das Verbreiten von AV-Inhalten angeht: Keine Konzentration auf ein paar (sauteure) Killer-Inhalte, sondern eine sehr breite Masse von Angeboten. So wird garantiert, dass für jeden Geschmack irgend etwas dabei ist.

Die Möglichkeit, sich à la YouTube, seine eigenen Favoriten-Channels selbst zusammenzustellen, sorgt dafür, dass man seine liebsten Inhalte bzw. Channels immer sofort zur Hand hat. Individualisierung und die Möglichkeit, mit anderen Nutzern zu chatten, sind ein bedeutender Schritt in Richtung interaktives Fernsehen. Nicht interaktiv im Sinne von 9Live, sondern interaktiv im Sinne von Social Networking meets TV.

Joost trifft den zukünftigen Trend des Fernsehen am ehesten: Im Zuge der Digitalisierung des Fernsehens differenzieren sich die Angebote immer weiter aus. Früher gab's 3 Programme, in einem Jahrzehnt 3.000. Und auf Joost findet man sie alle und kann sich daraus sein eigenes Programm zusammenbasteln. Außerdem setzt Joost konsequent auf On-Demand Technik. Es wird nicht einfach ein existierendes TV-Programm gestreamt. Der Nutzer entscheidet, wann, wie oft er welche Programme guckt.

Die Fernsehstationen werden so zu reinen Inhalt-Lieferanten, aber einen Programmmacher braucht man bald wirklich nicht mehr. Man will eine Folge der Chappelle's Show gucken, nachdem man gerade aufgestanden ist? Wieso bis abends warten, wenn man sie sich via Joost sofort anschauen kann. Das ist einer der Hauptgründe, weshalb Joost vor allem viele Junge Zuschauer anziehen wird. Und um die geht es schließlich.

Denn mit Joost soll ja auch Geld verdient werden. Und dafür scheint das Programm perfekt gerüstet: Es ist attraktiv für junge Nutzer und es bietet die Chance für gezielte Werbung. Je mehr Angaben man im Profil über seine Person macht, desto genauer kann Werbung für jeden Nutzer individuell geschaltet werden.

Zusammen mit den Nutzungsprofilen können die Werbungtreibenden auf Joost ihre Zielgruppen sehr genau ansprechen. Und mit so einem System lässt sich viel Geld verdienen. Siehe Google. Die Werbung ist zudem (noch) nicht sehr aufdringlich: Schaut man sich ein Programm an, erscheint ab und zu in der Ecke ein kleines Banner (hier ist es das kleine Grafik-Feld unten rechts, übrigens eine Opel-Werbung):


Da kann man draufklicken und sich die Werbung anschauen, oder es ignorieren, so dass es nach ein paar Sekunden wieder verschwindet. Bleibt nur die Frage, ob sich mit dieser Form von Werbung allein genug Umsatz erzielen lassen wird. Angenehm auf jeden Fall: Das Programm wird nicht durch Werbeblöcke unterbrochen. Der Nutzer wird stattdessen mehr oder weniger eingeladen, sich die Werbung anzuschauen. Werbe-Fachleute nennen so etwas Pull-Modell. Das ist für den Nutzer deutlich angenehmer als die Push-Werbung, wie man sie aus den Werbeblöcken der Privatsender kennt. Vor allem bei älteren Archiv-Inhalten (z.B. Spielfilmen) gibt es aber noch althergebrachte Werbeunterbrechungen. Das sollte meiner Meinung nach schnelltsmöglich abgeschafft werden.

Ich denke, Joost wird ein Erfolg. Denn dahinter steht bekanntlich der Mann, der schon zwei andere Industrien auf den Kopf gestellt hat: Niklas Zennström. Bekannt geworden durch KaZaA, reich geworden durch Skype, versucht er jetzt nach der Musik- und der Telekommunikationsindustrie auch die Fernsehwirtschaft aufzumischen. Ich meine: Von allen Wettbewerbern hat er mit Joost die besten Voraussetzung, die Zukunft des Fernsehens maßgeblich zu bestimmen. Vielleicht sind dessen angestammte Vertreter deshalb schon vor ein paar Monaten vorsichtshalber bei Joost eingestiegen.

Freitag, 21. September 2007

Wie das Internet die Demokratie gefährden kann

Das Internet kann viel für die Demokratie tun. Es kann auch helfen, Meinungsfreiheit in Gesellschaften herzustellen, die unter repressiven Regimen leiden. Nicht umsonst hat Iran eine der hächsten Blogger / Einwohner-Verhältnisse.

Das Internet kann der Demokratie aber auch gefährlich werden. Zum Teil, weil dort Extremisten ihre Propaganda vmunter erbreiten und damit ein zunehmend großes Publikum erreichen. Das gilt für Neonazis wie für Islamisten. Auch dass immer mehr Regierungs-, Sicherheits- und Militärfunktionen über Rechner und mithin auch das Internet gesteuert werden, setzt eine funktionierende Demokratie zunehmenden Risiken aus - siehe "Trojaner im Kanzleramt" und Hackerangriffe aus Russland.

Aber da gibt es noch etwas. Sollten sich erstmal sämtliche analogen Medien weitest gehend verabschiedet haben - das wird aller Voraussicht nach schon in ein paar Jahrzehnten der Fall sein - laufen sämtliche Nachrichtenströme ausschließlich über das Internet. Professionelle Journalisten stehen im Wettbewerb mit Amatuer-Journalisten, die ihr Angebot nur ein paar Klicks entfernt anpreisen. Die Gefahr an dem ganzen: Es gibt keine Plattformen mehr, auf der Debatten ausgetragen werden, die die ganze Gesellschaft betreffen, von denen jeder etwas mitkriegt und die einen großen Teil des "kollektiven Gedächtnisses" einer Gesellschaft ausmachen.

Historikerdebatten sind hierfür ein gutes Beispiel. Debatten bspw. über die deutsche Vergangenheitsbewältigung sind wichtig - ich meine lebenswichtig - für das Zusammenleben, die Modernisierung und die "Standortbestimmung" einer Gesellschaft. Überregionale Zeitungen und Zeitschriften und der ÖR Rundfunk stellen momentan sicher, dass über kurz oder lang nahezu jeder Bürger mit diesen Themen in Berührung kommt und sich optimalerweise eine Meinung darüber bildet.

Zumindest am öffentlich rechtlichen Rundfunk werden wir uns nach dem "Rundfunkurteil" letzter Woche noch auf absehbare Zeit erfreuen können. Der federführende Richter des Urteils, Medienrechtler Wolfgang Hoffmann-Riehm, wurde für die Rückwärtsgewandtheit seines Urtiles gescholten, ich meine: zu Unrecht. Vor allem der Satz, der öffentlich rechtliche Rundfunk wäre die einzige Garantie für das Fortbestehen der Meinungsfreiheit und -bildung in Deutschland, wurde von vielen Kommentatoren ins Lächerliche gezogen. Ich denke, da steckt - angesichts den Entwicklungen in der Medienwirtschaft und -nutzung - mehr Wahrheit drin, als man zunächst denken mag. Und zwar aus den von mir oben ausgeführten Gründen.

Dasselbe Thema macht auch in den USA die Runde. Vor allem das Internet bewirke, dass sich Gesellschaften immer mehr in Teilpublika auflösten, eine gemeinsame Öffentlichkeit sei immer schwerer herzustellen. In der Kommunikationswissenschaft fällt das unter das Thema "Digital Divide. Der Economist hat in seiner aktuellen Ausgabe eine Buchbesprechung mit einem führenden Theoretiker zu diesem Thema. Zitat:

"One worrier is Cass Sunstein, a law professor at the University of Chicago. In “Republic.com 2.0” he points to the danger of niches becoming “echo chambers” in which only the views of like-minded people are heard, thanks to the internet making it easy for people to filter information into a personalised selection, “the Daily Me”. A healthy democracy, he argues, depends on exposure to diverse or unexpected opinions. If Americans wall themselves off from topics and opinions they prefer to avoid, narrowing their horizons, their democracy will suffer."

Zwar eine amerikanische Perspektive (ich denke, Deutschland ist dank des ÖR Rundfunks noch ein bisschen besser abgesichert), aber trotzdem trifft das meine Meinung ziemlich genau auf den Punkt. Bleibt nur die Frage: Wie geht man mit diesen Herausforderungen um?

Freitag, 14. September 2007

iPhone wichtiger als Irak-Krieg? Nein, danke

Für mich ein Beweis, dass man das Nachrichtengeschäft auf absehbare Zeit nicht den Nutzern anvertrauen sollte: Eine Studie eines amerikanischen Journalismus-Forschungsnetzwerks hat herausgefunden, dass sich die Agenda von professionellen Nachrichtenseiten und von den Nutzern selbst zusammengestellten Nachrichtenseiten (z.B. digg) signifikant unterscheiden.

Ist das ein Grund zur Sorge? Ich meine: ja. Es wird ja viel darüber diskutiert, dass man bald überhaupt keine professionellen Journalisten als Gatekeeper mehr bräuchte, das würde die "Weisheit der Massen" alles ganz alleine erledigen. Thema Bürgerjournalismus und so.

Das Problem ist nur: Ich möchte nicht in einer Gesellschaft leben, in der iPhone-News mehr Platz bekommen als die Berichterstattung über den Irak-Krieg. Das ist eins der Ergebnisse beim Vergleich zwischen der Nachrichtenagenda der Nutzerseiten und der professionellen Seiten. Solange sich häuptsächlich nur Technik-Nerds oder solche oder solche Leute im Internet als Hobby-Journalisten betätigen, würde ich persönlich einiges dafür tun, die etablierten Nachrichtenproduzenten mit wirklich fähigen Journalisten zu behalten. Auch als Gatekeeper und Agenda-Setter.

Alles, nur bloß keine Leute, für die Datenschutz und die neueste Linux-Version wichtiger ist als Arbeitslosigkeit und Afghanistan-Einsatz.

Montag, 3. September 2007

Google und das Handy

Und nochmal Google: Dass die Kalifornier angeblich dabei sind, ein Handy zu entwickeln, hat sich ja schon längst herumgesprochen. Interessant finde ich die These, dass das Gerät wohl nicht als Konkurrenz zu Apples iPhone gedacht sein soll, sondern eher eine Art 100-Dollar-Laptop im Handy-Format werden soll. Vermarktet werden soll es wohl vor allem in Emerging Economies (gibt es dafür eigentlich eine passende deutsche Entsprechung?), unter anderem auch in Indien.

Das überraschende ist dabei, dass Google bis jetzt ein reines Dienstleistungsunternehmen ist und der Suchmaschinenriese null Erfahrung auf dem Gebiet der Hardwareentwicklung hat. Aber Erfahrung kann man sich ja (in Form von Personal) kaufen. Oder Outsourcen.

Dass Google sich für das Geschäft mit Handys - im weitesten Sinne - interessiert, ist klar, seitdem bekannt wurde, dass das Unternehmen für neue Mobilfunklizenzen in den USA mitbietet. Noch ein spannendes Feld: Wird Google unter die Netzbetreiber gehen? Wenn ja, wie soll das finanziert werden?

Das ist die spannendste Frage bei dem ganzen Tohuwabohu um Googles Handy-Ambitionen: Vermutlich versucht Google, ein komplett entgeltfreies Mobilfunknetz aufzubauen, eventuell sogar mit dem dazu passenden (sehr günstigen) Handy. Da Google ein Werbeunternehmen ist und sich bekanntermaßen auf allen wichtigen Kanälen, über die Werbung gesendet werden kann, etabliert, ist der Schritt in den Handymarkt nur die nächste Konsequenz.

Insbesondere, wenn man bedenkt, dass "Mobile Marketing" oder "Location based Advertising" das nächste große Ding in der Werbewirtschaft sein soll. Da muss Google natürlich präsent sein. Man stelle sich nur vor, was für Ansprachemöglichkeiten für die Werbungtreibenden sich auftun, wenn sie jeden Nutzer individuell und ortsabhängig ansprechen könnten. Da winken viele Dollarscheine für Google.

Wenn die Googler davon überzeugt sind, dass sie ihre AdSense-Technik und ihr Know-how im Umgang mit Nutzerdaten und -statistiken nutzen können, stehen die Chancen wohl nicht schlecht, dass die Suchmaschinenfirma tatsächlich ein komplett (für den Nutzer) kostenfreies Mobilfunknetz auf die Beine stellt, dass sich ausschließlich über Werbung finanziert. Selbst der Preis des "G-Phone" konnte auf diese Art durch Werbung subventioniert werden.

Allerdings: Kann ein Unternehmen mit ca. 13.000 Mitarbeitern wirklich aus dem Stand ein den eigenen Qualitätsansprüchen genügendes Handy und ein komplettes, landesweites Mobilfunknetz auf die Beine stellen?

Sonntag, 2. September 2007

Wer hat Angst vor Google?

Ich bin ja unheimlich fasziniert von dem Unternehmen Google. Ich finde es beeindruckend, wie innerhalb von nicht einmal einem Jahrzehnt aus einem Startup ein internationales Unternehmen geworden ist, das an der Börse mehr wert ist, als GM, Ford, DaimlerChrysler und VW zusammen. Beeindruckend auch, wie Google innerhalb von nur wenigen Jahren zum beliebtesten Arbeitgeber bei amerikanischen Studenten geworden ist. Und nicht weniger beeindruckend, wie unaufhaltsam der Aufstieg von Google in nahezu allen Bereichen, in denen die Firma tätig ist, anhält. Von Quartal zu Quartal wird ein Umsatz-, Gewinn- und Nutzerzahlenrekord nach dem anderen aufgestellt und gleich im nächsten Quartal schon wieder übertroffen. Wie gesagt, beeindruckend.

Erstaunlich ist dabei auch, dass es Google gelungen ist, trotz dieses rasanten Wachstums und trotz der dominanten Stellung, die man auf dem Suchmaschinenmarkt hat, in der öffentlichen Wahrnehmung als sehr positiv dazustehen (allerdings mit Ausnahmen bei den Leuten, die sich etwas mehr als andere für Datenschutz interessieren - denen war und ist Google schon immer nicht ganz geheuer). Einen Teil dazu beigetragen hat mit Sicherheit Googles selbst ausgerufenes Firmenmotto: "Do no evil". Ein PR-Kenner würde sagen: Ein kluger, weil einprägsamer und - gegenüber etablierten Branchenvertretern (Microsoft & Co) deutlich alleinstellender Slogan.

Dass Google den Menschen im Alltag - ganz besonders den Studenten und Menschen in wissensintensiven Berufen - das Finden von Informationen enorm erleichtert hat, hat sicherlich auch einen großen Teil dazu beigetragen, dass ein Großteil der westlichen Bevölkerung Google mit großen Sympathien entgegenkommt. Welches andere Unternehmen kann sich schon rühmen, dass man mit seinem Namen im Duden steht ("googeln")?

Etwas zynischer klingt meiner Meinung dagegen schon der Ausspruch von Google-CEO Eric Schmidt, wenn er sagt, dass es nicht Googles primäres Ziel sei, Geld zu verdienen. Man wolle vor allem alle Informationen der Welt zugänglich machen. Das klingt zwar ganz nett und nach altruistischem Gutmenschentum, hat aber mit der Realität wohl nicht ganz so viel zu tun (zumindest in dieser Rangfolge der Unternehmensziele). Und man muss schon recht blauäugig sein, um ein solches Statement für bare Münze zu halten.

Trotzdem zeigt das ständige Wiederholen dieses von Google selbst ausgegenebenem obersten Unternehmsziel (die Informationen der Welt zugänglich zu machen) deutliche Wirkung. Bei so ziemlich jeder Präsentation eines neuen Google-Produkts schreien zunächst die auf, die sich in ihrer Existenz bedroht fühlen (Zeitungsverlage bei Google News, Buchverlage bei der Book Search). Die breite Öffentlichkeit, wie auch nach und nach ein Großteil der Medien, scheint aber doch Sympathien für das mit den neuen Produkten verbundene Unternehmensziel zu haben. So zumindest erkläre ich mir den geringen Widerstand, der sämtlichen Google-Produkten entgegengebracht wird. Der Erfahrungs- und Nutzenwert überwiegt dann doch alle Bedenken.

Bis jetzt kennt Google nur rasantes Wachstum. Viele Beobachter meinen aber, dass der Suchmaschinenbetreiber in naher Zukunft seine erste Krise überstehen muss, bzw. sich mit einem deutlich verlangsamten Wachstum abgeben muss. Diese Woche kündigte der Google-CFO George Reyes zum Ende des Jahres seinen Rücktritt an. Er ist 53 Jahre alt, arbeitet seit 2002 bei Google und hat in dieser Zeit einen dreistelligen Millionenbetrag verdient. Da kann man sich dann auch mal zur Ruhe setzen. Scheidet man aber mit Anfang 50 freiwillig aus einer Top-Position bei so einem Unternehmen einfach so aus? Oder ist das das erste Anzeichen für heraufziehenden Ärger im Silicon Valley?

In einer großartigen Titelgeschichte beschreibt der Economist in seiner aktuellen Ausgabe, wo es überall hakt bei Google. Und, wenn man mal die "Do no evil"-Brille beiseite legt, erkennt man: Auch ein vermeintlich unverwundbares Unternehmen zeigt sich anfällig für Probleme. So berichten in dem Artikel mehrere Ex-Googler (Xoogler genannt), dass sich viele der tollen Mitarbeiterprivilegien als zwiespältig entpuppen: Gratismassagen-, essen und -sporteinrichtungen sind toll, allerdings wird dafür auch fast unbegrenzter (zeitlicher) Einsatz für die Firma verlangt. Von der viel gelobten 20-Prozent-Regel (Angestellte sollen 20 Prozent ihrer Arbeitszeit ausschließlich für die Dinge verwenden, die ihnen Spaß machen), heißt es, sie käme eher einer "120-Prozent-Regel" gleich. Anerkennung für Arbeitsleistung sei sehr ungleich verteilt: Software-Ingeneure sind die Götter, die Menschen, die den ganzen Laden finanzieren, müssten angeblich mit deutlich weniger Gegenliebe klarkommen. So würden viele von Googles hochtalentierten Mitarbeitern das Unternehmen sobald verlassen, wie die Aktienoptionen fällig werden (in der Regel nach drei Jahren), um beim nächsten, noch hipperen Start-up anzuheuern.

Neben diesen eher HR-bezogenen Problemen tun sich für Google aber noch weitere Baustellen auf: Die eingangs beschriebene Saubermann-Fassade beginnt, erste Risse zu bekommen. Nach mittlerweile über drei Jahren an der Börse (in dieser Zeit ist der Google-Aktienkurs von 85 auf momentan 515 $ gestiegen) ist deutlich geworden, dass Google, wie auch jedes andere Unternehmen, zumindest teilweise von den Erwartungen der Börse und den allmächtigen Analysten getrieben ist, jedes Quartal neue Wachstumspotentiale aufzuzeigen. Da wird dann schon mal im einen oder anderen Fall der höheren Proftabilität zuliebe das eine oder andere Auge zugedrückt, wenn man sich zwischen "do no evil" und Gewinn entscheiden muss.

Das China-Dilemma, vor dem viele westliche Internetkonzerne stehen, macht auch vor Google nicht halt: Kooperation mit den örtlichen Behörden und somit Mitarbeit an einem Überwachungssystem für den Zutritt auf einen gigantischen Wachstumsmarkt (schon jetzt leben in China nach den USA die meisten Internetnutzer), oder lieber ganz darauf verzichten? Geht das noch, wenn Analysten bei letzterem sofort Alarm schlagen würden? Durch die Aufteilung der Aktien in Class A- und Class B-Shares (letztere haben ein 10-mal höheres Stimmrecht und gehören mehrheitlich den beiden Gründern) ist zwar gesichert, dass keine fundamentale Entscheidung gegen die Gründer getätigt werden kann, trotzdem ergibt man sich mit einem Börsengang immer ein Stück weit den Gesetzmäßigkeiten des Kapitalmarkts.

Dazu kommen noch viele weitere Problemfelder: Mittlerweile gilt Google nicht mehr nur ein paar Datenschützern als Dorn im Auge, auch immer größere Teile der Öffentlichkeit rümpfen die Nase über Googles dominante Stellung, vor allem auf dem Markt für Suchmaschinen. Die Parallele liegt nahe: Wird Google für Suchmaschinen das, was Microsoft für Betriebssysteme ist?

Und dann gibt es ja noch diese Sache mit der Zukunftsvision, in der Google alles beherrscht, was irgendwie mit Informationsverarbeitung zu tun hat. Davon sind wir - glücklicherweise - noch weit entfernt, aber es ist unverkennbar, dass Google dabei ist, sich auf sämtlichen Werbemärkten aufzustellen, von Paid Search über das AdSense-Programm über Videowerbung in Youtube-Filmchen, Banner- und Popup-Werbung (durch die DoubleClick-Übernahme), Werbung in Computerspielen, Werbung in Newsfeeds und Emails, bis hin zur Vermarktung von Offline Medien, wie Radio, TV und Zeitungen: Google ist überall aktiv. Und gewinnt überall an Marktanteilen.

Stellt sich nur die Frage, ob sich das die Öffentlichkeit, die Medien (sowohl politisch als auch finanziell: Ein Riesen-Google wäre ein sehr schwieriger Verhandlsungspartner, allein wegen der schieren Größe) und die Wettbewerbshüter auf Dauer gefallen lassen werden - bei dem DoubleClick-Kauf haben ja schon viele Alarm geschrien, auch wenn ironischerweise gerade Microsoft (mit MSN einer von Googles zwei Hauptkonkurrenten) dabei der lauteste Beschwerdeführer war.

Dazu hat sich Google, neben den bestehenden Problemen durch Google News und die Büchersuche, mit der Youtube-Übernahmen noch einiges an zukünftigen Rechtsstreitigkeiten aufgeladen. Ich denke, es ist unbestritten, dass Youtube einen großen Teil seines Erfolgs der Tatsache verdankt, dass man dort dutzende Ausschnitte seiner Lieblings-Fernsehsendungen angucken konnte - ohne dass diese von Youtube dafür Geld bekommen hätten. Youtube hat sich also auf dem Rücken der Inhalteproduzenten nach oben gebracht. Dafür wird nun wohl Google das eine oder andere mal zahlen. Immerhin macht man sich jetzt auch in Deutschland Gedanken darüber, wie man gegen Nazi-Videos auf Youtube "nachhaltig" vorgehen kann.

Ich denke, dass Google auch in Zukunft noch viel Platz für Wachstum ausfindig macht und auch nutzt. Allein die durch die zunehmende Konvergenz der Medien zu erwartenden Vorteile, die sich einem so komplett integrierten (sprich: in allen Medien vertretenen) Werbekonzern wie Google auftun, wird sich wahrscheinlich als hoch effektiv herausstellen. Gepaart mit Googles imensem Wissen über das Anlegen, Warten und Nutzbarmachen von Nutzerstatistiken wird sich dieser Effekt noch verstärken: In Zukunft kann Werbung in den digitalen Medien nahezu für jeden Nutzer individuell geschaltet werden, und ein Know-how über Nutzerstatistiken, wie es Google besitzt, ist dann Gold wert.

Nichtsdestotrotz wird Google mit detutlich mehr Problemen zu kämpfen haben, als der Suchmascheinen-Gigant das bisher je gewohnt war. Der Aktienkurs kann schlichtweg kaum noch so signifikant wie in letzter Zeit steigen. Und wenn erst mal die Geldmaschine anfängt zu quietschen, wird sich auch in der amerikanischen Öffentlichkeit die Einstellung zu Google ändern. Privacy-Bedenken mobilisieren nur eine kleine Minderheit - insbesondere im Zeitalter des Web 2.0, wo die Leute eh vieles von sich ganz freiwillig preisgeben. In der Shareholder-Value-interessierten amerikanischen Öffentlichkeit kann eine jahrelange Seitwärtsbewegung einer ehemaligen Lieblingsaktie dagegen schon ganz was anderes bewirken.


Freitag, 31. August 2007

In zehn Jahren ist die Zeitung tot...

...und nicht Google. Der Chef eines der größten deutschen Zeitungsverlage, Christian DuMont Schütte, beschwert sich in der FAS über Google, die würden so rapide wachsen, und das auf Kosten der traditionellen Verlage. Die Sache mit Google News haben die meisten Traditionalisten offensichtlich immer noch nicht verwunden.

Das Ding ist aber: Wer sich derart gegen neue Entwicklungen stemmt, ist am Ende meistens derjenige, der in die Röhre guckt. Dazu gibt es eine schöne Analogie aus der Tierwelt, die man in den USA gerne als Parabel zur renitenten Zeitungsindustrie erzählt: Wirft man einen Frosch in kochend heißes Wasser, springt er sofort heraus und rettet sein Leben. Setzt man ihn dagegen in einen Topf mit kaltem Wasser und erhitzt dieses ganz langsam, bleibt er im Topf sitzen und stirbt.

Die Moral von der Geschichte: Viele Zeitungshäuser verhalten sich wie der Frosch im zunächst kalten Wasser. Man hat sich an seine so schön angenehme Umgebung gewohnt, verpasst dann aber irgendwann den Punkt, an dem es angebracht wäre, sich zu ändern. Besser, man ergibt sich der Realität und versucht, sich dieser so gut wie möglich anzupassen. Dazu muss man dann auch mal seine Wut auf Google runterschlucken und nach Kooperationen eingehen, wo es nur geht. Dann überlebt man auch ohne Probleme im digitalen Zeitalter. Ansonsten sind Leute wie DuMont in zehn Jahren raus aus dem Geschäft.

Mittwoch, 22. August 2007

Google + Youtube + Nutzerprofile = Viel Geld

Wieso hat eigentlich Google 1,65 Mrd. $ für Youtube bezahlt? Seit November 2006 grübelten die neuen Besitzer scheinbar, wie sich mit einer Videoseite für User-generated-content Geld verdienenen lässt. Viel Geld, halt im Google-Stil. Scheinbar war das schwerer als gedacht, jedenfalls verwundert es schon, dass das Vorzeige-Internet-Unternehmen so lange dafür brauchte, ein vernünftiges Geschäftsmodell für Youtube aufzustellen.

Jetzt ist es raus: Ab heute gibt es in vielen Videos Werbung, (das hatte "Miss Google" Marissa Mayer ja schon im Februar angekündigt). Die Herangehensweise finde ich dabei recht interessant: Es gibt kein Preroll, wie man das von so vielen anderen Websites mit Videoangeboten gewohnt ist, sondern während das Video abläuft, öffnet sich im unteren Fünftel des Bilds (ähnlich des Crawls bei den Nachtrichtensendern) ein Hinweis auf eine Werbung. Der Werbeclip füllt erst den ganzen Bildschirm, wenn der User auf den Hinweis klickt. Danach kann er sich die Werbung anschauen, aber auch jederzeit bei Klick wieder zum ursprünglichen Video zurückkehren.

Problematisch ist dabei dann nur noch, dass sichergestellt werden muss, dass Werbung nur in Clips kommt, neben denen sich die werbungtriebenden Unternehmen auch präsentieren wollen. Also nicht neben verwackelten Amateuraufnahmen, in denen ein Teenie erzählt, was denn seine Katze gestern wieder angestellt. Oder neben Material, das ohne Copyright-Erlaubnis bei Youtube eingestellt wurde.

Interessant wird zu beobachten sein, wie Google mit der Werbung auf Zielgruppen eingeht. Channels und Userprofile gibt es ja bei Youtube schon, da kann man die Werbung wunderbar genau, nahezu individuell für jeden Benutzer zugeschnitten, schalten.

Donnerstag, 19. Juli 2007

Vom Journalisten zum Content-Manager

Heuschrecken gibt's nicht nur bei Sat.1, die gibt's auch bei Zeitungen. In Berlin z.B. hat sich David Montgomery den Berliner Verlag (Berliner Zeitung und Berliner Kurier) gekauft. Und vor kurzem auch die Netzeitung. Da wurde diese Woche vom neuen Management unter Robert Graubner auch eine Restrukturierung angekündigt:

"Vorgestellt wurden die entscheidenden Maßnahmen denn auch nicht von Matthias Ehlert und Michael Angele, den amtierenden Chefredakteuren der „Netzeitung“, sondern eben vom neuen Management. Von Robert Graubner wird kolportiert, dass für ihn Online-Journalisten nicht mehr und nicht weniger seien als „Content-Manager“, „News-Aggregatoren“, „Google-Optimiser“ und „Channel-Manager“." (Quelle: FAZ vom 17.07.)

Das wirft meiner Meinung nach eine Menge Licht darauf, wie von Finanzinvestoren eingesetzte Verlagsmanager Journalisten sehen. Oft selbst ohne jegliche journalistische Erfahrung, dafür aber mit ganz viel Erfahrung auf dem Gebiet der Effizienzsteigerung, schreiben sie den eigentlichen Inhaltsproduzenten vor, was ihnen passt und wovon sie die größtmögliche Rendite erwarten. Im Falle der Netzeitung heißt das: Weniger Personal, weniger Eigenproduktionen, weniger Niveau, dafür mehr Geld für die Eigentümer. Kapitalismus kann so einfach sein.

Wer schonmal selbst bei einer Zeitung gearbeitet hat, weiß, wie sehr es weh tut, wenn man von jemandem, der von Journalismus Null Ahnung hat, neue Rollenzuweisungen (s.o.) erhält, die dem einen oder anderen durchaus berechtigt in der eigenen beruflichen Ehre verletzen. Aber was soll man da tun? Sich dem ganzen Beugen und als "News-Aggregator" weiterbuckeln, damit sich die Herren Eigentümer über ihre schön steigende Rendite freuen können? Oder den Rücken gerade halten und kündigen, nur um sich dann am Existenzminimum als Freier durchzuschlagen? Das Leben eines Online-Journalisten jedenfalls ist sicherlich kein einfaches.

Montag, 25. Juni 2007

Was das Internet leisten kann

In Frankreich liegen fast alle großen Privatmedien in den Händen von ein paar Milliardären, die zufällig auch noch alle gute Freunde von Nicolas Sarkozy sind. Den Zeitungs- und Zeitschriftenverlagen in Frankreich geht es noch viel schlechter als den deutschen, und so wurden sie anfällig für Übernahmen. Also leisteten sich die Herren Bouygues, Bolloré und Lagardère einige der renommiertesten Verlage mehr oder weniger als Spielzeuge zu. So eine hochangesehene Zeitung macht sich schließlich gut im Portfolio. (Das gleiche kann man ja auch beim Tribune-Verlag in den USA beobachten).

Das Problem in Frankreich ist aber: Wenn der neue Präsident mit den Besitzern der größten Zeitungen per du ist, ist es nicht mehr weit, dass er ihm unliebsame Berichte verhindern kann. Ein kurzer Anruf genügt, und die Presse zieht zum Beispiel einen Bericht darüber zurück, dass Sarkozys Frau nicht zur Wahl gegangen ist. So einfach ist das. Innere Pressefreiheit? Wer braucht das schon.

Vor zehn Jahren hätte kaum jemand davon etwas mitbekommen. Heute gibt es zum Glück das Massenmedium Internet, indem sich engagierte Journalisten mit ihren Projekten (noch) nicht irgendwelchen Eigentümern beugen müssen. In Frankreich, hab ich jetzt gelesen, hat sich vor allem diese Seite einen Ruf gemacht, all das zu publizieren, was die etablierten Zeitungen nicht bringen (weil es auf Missbilligung der Mächtigen stoßen würde).

Wenn man solche Beispiele sieht, kann man über die Bedeutung des Internets für eine freie und gut informierte Gesellschaft gar nicht genug schwärmen.

Sonntag, 10. Juni 2007

Micro Persuasion

Das Internet verändert alles. Viele haben dadurch Vorteile. Der Zugriff auf Informationen ist so unglaublich einfach und unglaublich demokratisch geworden. Aber für viele Unternehmen stellt das Internet auch eine Gefahr dar, wie das Beispiel Zeitungen klarmacht: Das Internet stellt ihre komplette weitere Existenz infrage. Für viele Branchen ist das besonders bedauerlich, weil sie nicht ein bloßes Geschäft darstellen wie, sagen wir mal, ein Klopapierhersteller. Demokratische Gesellschaften brauchen guten Journalismus. Guter Journalismus entsteht, wenn Menschen dafür bezahlt werden, dass sie guten Journalismus machen. Wenn Informationen aber im Internet gratis zu haben sind, macht es irgendwann keinen Sinn mehr, Menschen dafür zu bezahlen, dass sie Informationen liefern. Guter Journalismus stirbt, und die demokratische Gesellschaft evtl. gleich mit.

Anders sieht das zum Beispiel beim Thema PR aus. Wäre es nicht toll, wenn Unternehmen nicht mehr darüber bestimmen, was über sie geschrieben wird, weil sich die Kommunikation im Internet halt so unglaublich viel schlechter lenken lässt als in den langsamen Printmedien? Ich meine: Nein. Wenn man das Ganze aus Unternehmenssicht anguckt: Wer schützt die da noch gegen Tonnen von unfairen Attacken und Falschinformationen. Führt evtl. sogar eine komplett entfesselte "Watchdog"-Mentaltität zu einer Art von "Wirtschaftsverdrossenheit"?

Meiner Meinung nach haben wir es nämlich beim Thema Politikverdrossenheit auch viel mit Verdruss gegenüber der Wirtschaft zu tun. Und das liegt (auch) an sehr verworrener Kommunikation und Wahrnehmung von Informationen durch die Medien (und das Internet). Wie aber sollte z.B. die PR mit den ganzen neuen, digitalen, konvergenten und sowieso ganz tollen Medien umgehen? Ich finde in dieser Hinsicht diesen Blog vor allem aus diesem Grund so interessant.

Mittwoch, 16. Mai 2007

Jürgen und ich sind einer Meinung

Was das Thema Zeitung betrifft. Man kann einem 77-jährigen Philiosophen, der einen Großteil seiner Zeit in einer Villa am Starnberger See bei München verbringt, vorwerfen, dass er von den aktuellen Veränderungen in den Medien und ganz besonders im (Qualitäts-)journalismus nicht vielleicht ganz so viel mitkriegt wie manches Mitglied der digitalen Bohème. Aber nichtsdestotrotz hat er meiner Meinung nach mit seinem Essay den Nagel auf den Kopf getroffen.

Es geht ja gar nicht so sehr um "alte" und "neue" Medien, sondern um guten und schlechten Journalismus. Und letzterer ist vor allem ein Journalismus, der sich einzig und allein von den Interessen des Kapitals (sprich: der Eigentümer) leiten lässt, und das heißt: Geld verdienen! Und zwar mit teilweise brutalen Renditeforderungen. Wenn Herr Montgomery beim Berliner Verlag eine Rendite von 20 Prozent fordert, fühlt man sich doch schon irgendwie an Josef "Haifisch" Ackermann erinnert. Merke: Bei Ackermanns Deutscher Bank gilt das Shareholder-Value-Prinzip, der Mann möchte seine Bank an der Börse wertvoller machen, um sich vor Übernahmen zu schützen. Was aber will jemand mit einem derart brutal rentablen Verlag anstellen? Reichen nicht 10 oder 15 Prozent aus? Wieso braucht ein Multimillionär eine so hohe Rendite, die er letztlich nur über Einsparungen beim Personal und mithin bei der QUalität erreichen kann. Ich verstehe es nicht.

Und hier kommen wir wieder auf Habermas zurück: Die Kapitalinteressen dürfen nicht zur bestimmenden Kraft im Journalismus werden (meiner Meinung nach sind sie es schon längst; von großen Verlagen vorgebrachte Argumente, nichts sei wichtiger als die Pressefreiheit, sind oft an Fadenscheinigkeit nicht zu überbieten). Dazu ist der Journalismus und mithin die Zeitungen ein gesellschaftlich viel zu bedeutender Sektor, als dass man ihm derartigen Interessen überlassen dürfte.

Aber: Was tun? Junge Menschen lesen nun mal unglaublich wenig Zeitung, und im Netz bieten die Zeitungshäuser zwar nach wie vor Qualitätsjournalismus, von dem die Blogger noch meilenweit entfernt sind. Doch wer mit so etwas wie Qualitätsjournalismus gar nicht erst aufwächst (und das gilt auch für eine ganz große Menge von Studenten, meiner Einschätzung nach), wird dieses unglaubliche bedeutende Gut gar nicht in dem nötigen Maße kennen und schätzen lernen. Und da liegt das Problem.

Zukünftige Generationen werden sich ihre Informationen vor allem im Netz suchen. Und hier konkurrieren Millionen von Informationsangeboten. Wird Qualitätsjournalismus auch da weiterhin sichtbar und auffindbar sein? Und wird er sich überhaupt lohnen? In Anbetracht solcher Entwicklungen kann man sich nur wünschen, dass die großen Qualitätsverlage auch im Internet reüssieren und ihr Geschäftsmodell erfolgreich transformieren können. Und dass sich ein paar armselige sogenannte Alphablogger mit ihrer kindischen narzistisch-besserwisserischen Art nicht als ein Qualitätsangebot Güteklasse C etablieren können. Das wäre mein ganz persönlicher Albtraum

Dienstag, 15. Mai 2007

Computerspiele sind (wirtschaftlich) wichtig

Früher galt man ja quasi als Aussätziger, wenn man zugibt, dass man seine Freizeit gerne mal mit Computerspielen verbringt. Heute sieht das ein bisschen anders aus. Und wenn selbst die FAZ das (allerdings vorerst nur aus ökonomischer Sicht) anerkennt, diffundiert diese Sichtweise vielleicht auch ein bisschen weiter in andere Gesellschaftsschichten. Dass die Spieleindustrie die Filmindustrie von den Umsätzen her überholt hat, ist ja schon länger bekannt.

Schön wäre es jetzt, wenn sich dem auch die gesellschaftliche Meinung über Computerspiele anschließen würde. So im Sinne von Computerspielen als einer ganz normalen Freizeitbeschäftigung. Und nicht bloß als etwas für die sozialen Außenseiter, die dadurch quasi automatisch zu Massenmördern werden. Das wär toll.

Montag, 14. Mai 2007

IPTV...

...find ich ja eine unheimlich spannende Angelegenheit. Und diese Joost-Geschichte scheint ja nun wirklich das Next Big Thing zu werden.

Ich war mal Praktikant bei einem großen deutschen Fernseher und weiß: Die Angestellten da (zumindest die paar unter 40) lassen solche Launches die Knie zittern. Und das ist womöglich gar nicht mal so verkehrt. Wobei IPTV die Privaten wahrscheinlich noch viel mehr herausfordert. Die Ö-R haben ja ihre Gebühren. Noch.

Samstag, 5. Mai 2007

FAZ gegen Blogs, Teil II

Die FAZ / FAS legt nach, und ich finds stark. Man könnte ja meinen, die FAZ als sogenanntes "Holzmedium" fühlt sich von Blogs zunehmend bedroht und schießt deswegen so gerne gegen die Blogospäre. Ich meine, sie treffen auch mit diesem Artikel den Nagel voll auf den Kopf: Blogs sind hierzulande nach wie vor irrelevant, zu egozentrisch und mit einem viel zu engen Blickfeld ausgestattet. Long Tail hin oder her.

Sonntag, 22. April 2007

Google über alles

Ich bin ja der Meinung, dass Google die Medienwelt momentan so sehr verändert, wie es in dieser Geschwindigkeit und Ausmaßen vorher noch nie passiert ist. Das Problem dabei: Wird Google vielleicht zu mächtig? Und entwickelt sich das Unternehmen zu einem Monopolisten?

Am Freitagabend lief auf arte im Rahmen des Themenabends "Die neuen Herren der Welt" eine hervorragende Dokumentation über den Aufstieg von Google. Was dabei besonders auffällt, dass in dem Film bzw. den Interviews kein Angehöriger von Google zu Wort kommt: Die kümmern sich nämlich nicht im geringsten um ihre Außendarstellung. Werbung in eigener Sache, PR-Maßnahmen? Nicht Googles Ding (der Artikel scheint mir 1:1 übersetzt zu sein, daher die miserable Qualität).