
Einen der interessantesten Streiks der jüngsten Vergangenheit läuft momentan in den USA ab: Die Gewerkschaft der Drehbuachautoren (Writer's Guild of America) ist seit anfang November in den Arbeitskampf getreten. Ihre Forderungen: Erhöhung der Umsatzbeteiligung an denen von Ihnen erdachten Filmen und Serien von 0,3 auf 0,6 Prozent und eine Beteiligung an den DVD- und Internetrechten. Vor allem von der Verwertung ihrer Kreationen im Internet sahen sie bis jetzt keinen Cent.
Die Folgen des Streiks: Viele TV-Stationen müssen die Drehs ihrer Serien auf Eis legen, weil es an Nachschub für die Storylines fehlt: Ohne Drehbücher keine neuen Staffeln von Lost, Prison Break und Desperate Housewives. Auch die Comedy-Branche ist betroffen: David Letterman und Jay Leno müssen seit Anfang November ohne Gagschreiber auskommen. Die streiken nämlich auch mit. Die Autoren lassen ihre Abnehmer ziemlich effektiv spüren, wie wichtig sie im Kreativprozess sind. Und die amerikanische Gesellschaft merkt, wie sehr sie neue Unterhaltungsware braucht. Das wäre bei uns wohl auch nicht anders.
Die Sache ist nur: Eigentlich treffen die Streiks die Falschen. Wollten die Autoren wirklich gegen die Ungerechtigkeit in Hollywood beim Verteilen der Gelder protestieren, sollten sie lieber vor den Häusern von Tom Hanks oder Bruce Willis demonstrieren. Die haben sich nämlich in den letzten Jahrzehnten einen - gemessen an ihrem Anteil an der Arbeit, die in der Entstehung eines Films oder einer Serie steckt - riesigen Anteil an den Erlösen gesichert.
Nicht nur sind deren Gehälter in astronomische Dimensionen entrückt (Bruce Willis bekam für seinen letzten Film alleine 25 Mio. $), sondern die absoluten Mega-Stars können sich eine Beteiligung an den Umsätzen eines Films in ihre Verträge schreiben lassen. Wohlgemerkt an den Umsätzen, nicht an den Gewinnen. So kann ein Top-Star bei einem kommerziell erfolgreichen Film schonmal 70 Mio. $ einstreichen. Keanu Reeves hat angeblich auf diese Weise durch die Matrix-Filme eine dreistellige Millionensumme eingestrichen (er bekam 15 Prozent der Umsätze). Als Einzelperson wohlgemerkt.
Es ist zwar eller Ehren wert, wenn sich nun einige Hollywood-Stars mit den Autoren solidarisieren und zusammen mit ihnen auf die Straße gehen. Trotzdem erscheint dieses Verhalten angesichts der schreienden Ungerechtigkeit in Bezug auf die Verteilung der Gelder imn diesem Kreativgewerbe ziemlich zynisch. Die Schauspieler allerings haben einen Vorteil: Sie sind kein Unternehmen und können folglich nicht bestreikt werden. Große Produktionsfirmen dagegen schon.
Oliver Stone meint, dass der zunehmende Einfluss großer börsennotierter Konzerne auf die Film- und Fernsehstudios dazu führe, dass den Autoren kaum Zugeständnisse gemacht werden. Da zieht dann auch im Kreativgewerbe die Logik der Kapitalmärkte ein. Gerade als nicht fest Angestellte - und das sind die meisten Schreiber - haben diese eine schwache Verhandlungsposition. Das wurde von den Studios in der Vergangenheit brutal ausgenutzt.
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