Mittwoch, 14. November 2007

Google wird zu Microsoft...

...zumindest auf dem Handy-Markt. Google verfolgt bei Handys eine ähnliche Strategie, wie sie Microsoft in den letzten zwei Jahrzehnten zum größten Software-Unternehmen der Welt gemacht hat, indem sie versuchen die dominante Plattform für Handy-Hersteller aufzulegen. Das ist dieselbe Herangehensweise, mit der Microsoft mit seinem Windows-Betriebssystem zum allesbeherrschenden Anbieter auf dem PC-Markt geworden ist.

Das Problem an der Sache: Der Markt für Handy-Betriebssysteme ist bereits abgesteckt und noch dazu sehr wettbewerbsintensiv. Mit Microsoft (über Windows Mobile), Symbian, Palm und Linux sind bereits vier Anbieter vorhanden. Allein Microsoft hat bereits in diesem Jahr mitseinem Betriebssystem bereits 20 Millionen Handys ausgestattet.

Daher ist ein wohl ein sehr guter Schachzug von Google, das ganze System gratis anzubieten. Jeder kann sich das SDK herunterladen und jeder kann darauf aufbauen - sowohl Handy-Großhersteller wie auch Netzbetreiber als auch und vor allem kleine Entwickler. Der Bekanntheitsgrad von Google, nicht zu vergessen die Sympathiepunkte, die man sich durch die Open-Source-Struktur sichert, sollten dazu beitragen, dass sich das System relativ schnell verbreitet.

T-Mobile hat bereits angekündigt, für den amerikanischen Markt zusammen mit Googles Android-Software enger bei der Entwicklung von Handys zusammenzuarbeiten. Auch für Handy-Hersteller ist das System interessant: Sie können sich in Zukunft die Lizenzgebühren für die Betriebssystem anderer Hersteller sparen - Android soll es ja, zumindest vorerst - gratis geben.

Auch für Netzbetreiber ist Android attraktiv: Das Betriebssystem ist explizit auf Internet-Nutzung ausgelegt. Das gefällt den Telekoms, denn gerade dort wird für die Zukunft das größte, noch unerschlossene Geschäftsfeld auf dem Handy-Markt erwartet. Das Kalkül: Wer die Google-Software und -Anwendungen anbietet, verführt seine Kunden zum Surfen - und führt Google gleichzeitig viele neue (mobile) Werbekunden zu.

Dass Android - also das Betriebssytem, das gerne auch Google Phone genannt wird - bereits jetzt sehr leistungsfähig ist, zeigt die Demo, die Google ins Netz gestellt hat:



Der Clou hinter der Sache: Sollte sich Android durchsetzen, erhält Google damit den ersehnten Zugang auf den Handy-Werbemarkt. Dieser soll Marktforschern zufolge von heute ca. 100 Millionen Dollar auf 5 Milliarden Dollar im Jahr 2012 wachsen. Eine Menge Geld, von der Google, mit seinem Anspruch, eine Plattform für alle Werbeformen zu sein, auf jeden Fall seinen Teil abhaben will. Und das wird mit Handys, die mit dem Google-Betriebssystem und -Anwendungen laufen, deutlich einfacher.

Womit die Parallele zu Microsoft und Windows aufgezeigt wäre: Wer die dominante Plattform liefert, kann auch diktieren, wer auf dieser Plattform Geld verdienen kann. Dabei ist Google nun nur viel offener als Microsoft. Während Microsoft seine Dienste durch die Endkunden finanzieren lässt (die müssen die Programme ja kaufen), will Google den Kunden alles gratis ermöglichen und die Finanzierung über Werbung abwickeln. Angesichts der riesigen, noch unerschlossenen Potenziale im Handy-Werbemarkt und der deutlich attraktiveren, weil kostenlosen, Herangehensweise scheint Google gute Chancen zu haben.

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