Mittwoch, 18. April 2007

Warum die deutschen Blogger so zurückhängen

Fand ich sehr gut, weil aus meiner Sicht absolut zutreffend: Eine Kritik über die re:publica und deren Teilnehmer in der FAZ von heute.

Die besten Passagen:

"Neben der Menge weitgehend unbekannter, nicht selten lesenswerter Blogs gibt es eine zweistellige Zahl prominenter A-Blogs. Diese drehen sich derart raumgreifend um sich selbst, dass für die anderen kein Vorbeikommen ist. Die re:publica hätte ein Befreiungsschlag werden, sie hätte den Blick auf das politische, unterhaltende und informierende Potential von Weblogs lenken können. Stattdessen traten die üblichen Verdächtigen an: die Gastgeber und die digitale Boheme, die Journalisten Thomas Knüwer, Stefan Niggemeier und Mario Sixtus, der schockwellenreitende Jörg Kantel, der dauerpräsente Don Dahlmann und ein paar mehr.

Geredet haben sie über sich und ihre Blogs und über die anderen und deren Blogs. Man sollte sich unterhalten fühlen, wenn ein bärtiger untersetzter Promi-Blogger auf einer Bloggerkonferenz einen großen schlanken Promi-Blogger mit zu kurzem Sakko filmt und dabei wiederum von einem Blogger gefilmt wird, der außerhalb der Szene genauso unbekannt ist wie seine beiden Filmpartner. Mit solch typischen Inhalten wird man nie eine größere Leserschaft von sich überzeugen können, so man das denn will."

Die hier A-Blogger Genannten definieren sich ja häufig über ihre Andersartigkeit gegenüber den "alten" Medien und sowieso gegenüber allem, was irgendwie nach Mainstream riecht. Was sie dabei nicht zu verstehen scheinen: Wenn man sich wirklich als Alternative zu den herkömmlichen Medien positionieren will und den "Citizen Journalism" wirklich etablieren wollte, müsste man seinen Fokus etwas weiter fassen. Und sich nicht nur ständig mit sich selbst, den Blogs seiner Bekannten und dem Thema Datenschutz befassen. Dann würden sich vielleicht auch ein paar andere Nutzer für Blogs interessieren. Bis das passiert, werden Blogs in Deutschland nur eine Randerscheinung bleiben. Und an diesem Zustand hat die Blogospäre selber einen großen Anteil.

Sagt auch der Martin Schoeb von der FAZ:

"Ohne Selbstbezüge und ohne die Bezugsgröße Print würden die meisten meinungsführenden Blogs - und zwar nur diese - in sich zusammenfallen wie ein Heißluftballon ohne Flamme. Bis es so weit ist, bleibt der Blog-Olymp für Neulinge nahezu unzugänglich; dort kennt man sich, man zitiert und kommentiert sich, spricht denselben Jargon, schreibt über sich und die Medien und bleibt so konsequent unterhalb der Aufmerksamkeitsschwelle all jener Leser, die ihr Leben nicht im Netz verbringen."

Da kann ich ihm nur zustimmen. Dieses völlige Abgehen eines Blicks über den Tellerrand liegt wohl auch an der Lebenssituation vieler Blogger. Wer sich ständig nur in Prenzlauer Berg oder Friedrichshain aufhält und nur mit seinesgleich in Berührung kommt, verliert irgendwann den Blick für den Rest der Republik (und den Rest der Online-Welt). Und da ein Großteil der Blogger auch noch der materiell nicht gerade blendend dastehenden digitalen Boheme angehört, entlädt sich in dem ständigen Polemisieren gegen "die anderen" (also die Printmedien, die Gesellschaft, etc.) wohl auch eine gewisse Portion Frust.

Schade eigentlich, denn die USA machen vor, wie eine funktionierende und vitale Blogosphäre einen postitiven Wandel im Mediensystem auslösen können. Aber davon sind wir hierzulande noch meilenweit entfernt.

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