Sonntag, 30. März 2008

Capital gegen Kapitalisten

Wow, und so etwas aus einer Zeitschrift wie Capital: Ein Editorial zur verlorenen Bodenhaftund deutscher Führungskräfte. Und das nicht mal so kriecherisch, wie man es von einem Turbo-Kapitalismus-Organ erwarten würde. Im Gegenteil, der Capital-Chefredakteur teilt ordentlich aus:

"Für den Aufstieg in den engsten Kreis der Top-Manager zählt nicht Herkunft oder Qualifikation, sondern einzig und allein die Bereitschaft, seine Seele an den Arbeitgeber zu verkaufen."

"Allein der zeitliche Einsatz, der von aufstrebenden Führungskräften in den ersten Berufsjahren eingefordert wird, lässt eine ernsthafte Beziehung zu Menschen außerhalb der Firma, sei es Familie oder Freunde, nicht mehr zu, geschweige denn ein Engagement in Nachbarschaft oder Verein. Konsequenz: Unsere künftige Führungselite, noch nicht 30 Jahre alt, hat bereits jede Bodenhaftung verloren, weil sie am wirklichen Leben der Menschen nicht mehr teilhat, nicht mehr teilhaben kann."

"Es mag verstörend klingen, aber warum sollte der Chef eines Dax-Konzerns nicht verpflichtet werden, mehrere Tage im Jahr im Krankenhaus die Bettpfannen auszuleeren, in der Suppenküche für Obdachlose zu helfen oder einsame Menschen zu besuchen? Unsere Top-Manager würden sich dort an etwas erinnern, das den meisten wohl verloren gegangen ist: Demut."

Konsequenz: Scheinbar haben manche Wirtschaftsjournalisten noch nicht vergessen, dass sie nicht dazu da sind, die gesellschaftspolitische Agenda der Unternehmensführer zu übernehmen, sondern diese kritisch zu hinterfragen. Wäre schön, wenn man ähnlich Artikel auch mal hier, hier, hier oder hier lesen könnte.

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